Archiv

Kooperationen

Für die neue Produktion des Stuttgarter Künstler-Duos Herbordt/Mohren ‚Das Festival‘ werden
Kinder und Jugendliche gesucht, die Lust haben, kurze Kompositionen Neuer Musik uraufzuführen.
Mehrere ein-minütige Stücke werden eigens für Euch geschrieben, gemeinsam mit teils selbst
gebauten Instrumenten und einem erfahrenen Schlagzeuger vom Berliner Ensemble Adapter
einstudiert. Musikalische Vorkenntnisse oder Spielerfahrungen im Theater sind keine Voraussetzung.

Wo
Theater Rampe Stuttgart

Wann
Aufführungen 31.10. – 2.11.2019
Proben 29. und 30.10.2019 nach Absprache

Wer
Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren.

‚Das Festival‘ ist die Feier einer anderen Welt. Zuschauer*innen reisen auf erfundenen (oder
verschütteten) Routen zu Hotels, Akademien und besonderen Orten, die es so nicht (oder nicht mehr)
gibt. Ohne den Saal im Theater Rampe zu verlassen. Begleitet von Performer*innen, Musiker*innen,
Kindern und Jugendlichen. Alle zu besuchenden Orte sind selbst Kunstwerke: ein Feld als Leinwand,
eine unendliche Bibliothek, ein unvollendetes Theater, eine ausrangierte Fähre als Foyer. Das Festival
ist ein unmögliches Festival, kuratiert und in Szene gesetzt von Melanie Mohren und Bernhard
Herbordt, mit – von Kindern und Jugendlichen uraufgeführten – Original-Kompositionen
verschiedenster Komponist*innen zeitgenössischer Musik.

Wir freuen uns Euch kennenzulernen!

Melanie Mohren, Bernhard Herbordt und das Team vom Theater Rampe.

Rückmeldungen und -fragen bitte bis zum 26.7.2019 an:
info@die-institution.org
Tel.: 0711-57646575

http://www.die-institution.org

Werbeanzeigen

Pro Abend tragen 6-8 Gäste aus der Nachbarschaft ihre Ideen, Beispiele für oder Gedanken über ein neues Volks*theater vor: Musik, Performance, Text, Kritik. (Tag 1: Mittwoch, 26.06.2019)

  1. Beitrag: Teresa Gomez und Willy

Die beiden präsentierten eigene Songs (Singer-Songwriter). Titel: „Dust for freedom“; während seiner Zeit in Ecuador als Freiwilliger schrieb Willy z.B. den Song „The Heat“, den er der Hitze widmete; „Don´t be afraid“; zuletzt performten die beiden ein bluesiges Cover von Guns `n´ Roses` „Sweet Child o mine“.

  1. Beitrag: Martin Zentner– Thema Nachbarschaft, freie Rede

Nachbarn hat man, ob man will oder nicht, daher ist es besser, wenn man sie kennt. Während Festen kann man sich treffen, auf der Straße grüßt man sich. Was kann nun aber Theater machen, dass Nachbarschaft erlebt werden kann?

Seiner Freundin hat er eine Karte für EUROPEAN HOUSE OF GAMBLING auf dem Marienplatz geschenkt, das sie gemeinsam besuchten. Das Casino dieser Vorstellung gab als Einsatz kein Geld, sondern Schlüssel aus. Ein Nachbar, ein Flaschensammler kam vorbei und fragte, was los sei, daraufhin schenkten die beiden ihm zwei Schlüssel zum Spielen. Er setzte diese gleich ein und gewann 33 Schlüssel. Die drei tranken dann als Dank Schnaps miteinander und unterhielten sich noch einige Zeit. Viele Menschen kamen während des Stücks zusammen, lernten sich kennen und erlebten etwas gemeinsam. Martin sieht dies als gelungenes Beispiel, er wünscht sich solche Formate für die Zukunft.

  1. Foto: Dominique BrewingBeitrag: Mehdi Tavoli und seine persische Ma-Gruppe (Ma bedeutet persisch „wir“)

Performance von drei Leuten: Mehdi performte, Frau sang opernhaft im Hintergrund (kein Text) und Mann spielte Saiten-Instrument. Die Vorstellung bestand aus kurzen, atmosphärischen Szenen, die untermalt mit Gesang und Musik dargeboten wurden. [Wiedergegeben wird nicht gesamter Text, sondern zusammengefasste, beispielhafte Szenen, um einen Eindruck vom Stück zu vermitteln.]

Mehdi: Wie viel von mir ist in dir? Wie viel von dir ist in mir?

Ein Tunnel, am Ende ist ein rotes Licht.

Rote Mama, warum wachsen Haare auf meiner Zunge?

Der Zug ist losgefahren.

Frau: 1. Station Sommerland

Mehdi: Die Tür ist geöffnet, die Füße schauen raus. Zwischen meinen Zehen ist Sand.

Frau: Nächste Station lange Nacht.

Mehdi: Der Wind weht. Er tut weh, zieht an meinen Haaren. Auf meiner Zunge wachsen Haare, es tut weh. Ich möchte reden.

Frau: Nächste Station Zauberland.

Mehdi: Der Himmel ist blau. Hier blau. Hier blau. Überall. Das ist langweilig.

Frau: Nächste Station Deutschland.

Mehdi: Mir geht es schlecht. Mir geht es gut.

Papa, du warst auch mal grün. Geh weiter.

Frau: Nächste Station Armeeland.

Mehdi stellt einen Soldaten dar, der mit seinem Vorgesetzten interagiert.

Frau: Nächste Station Traumland.

Mehdi: Es regnet, der Himmel ist grau.

Ein Punkt im Himmel ist grün. Das rote Licht ist weit weg.

Es wird kalt. Es schneit. Der Wind weht. Er nimmt die Wolken weg.

Überall ist es blau.

Mama, ich will meinen Zug wieder.

Wo ist Papa?

Frau: Nächste Station Nirwana.

Mehdi: Triggercontrol.

Mit seinen Händen zeigt Mehdi Figurenspiel: Sein Vater und eine Person aus dem Jenseits sprechen miteinander. Der Vater sagt am Ende: „God bless neverland“.

Protagonist fällt um (Mehdi).

Frau singt.

Mehdi erhebt sich wieder.

Mehdi: Interaction. Wie viel von mir ist in dir? Wie viel von dir ist in mir?

 

  1. Beitrag: Interventionistische Linke

Drei Protagonist*innen verlesen ihr „Theater-Manifest“ (siehe Handout), das Fragen zu Kunst und der Freiheit von Kunst thematisiert.

Kurz vor Schluss wirft eine vierte Protagonistin diesen Text auf einem Stuhl inmitte des Publikums in den Raum, unter die Leute.

 

  1. Beitrag: Marcel und Anette – Abiturient*in

Die beiden performen diverse Szenen (Dialog). [Wiedergegeben werden einige Ausschnitte.]

Anette: Hast Du mich vergessen?

Marcel: Ich weiß nicht mehr.

A: Verweigere Dich, verantwortlich zu sein. Wo warst Du solange? Ich habe dich so lange gesucht und du sagst nichts.

M: Kennen wir uns? Ich glaub es nicht. Komm mal runter, du hast ja Stimmungsschwankungen.

A: Bedeute ich dir nichts mehr?

M: Ich habe den Bezug zur Realität verloren. Kenne niemanden mehr.

A: Bist du völlig durchgeknallt?

M: Dasselbe könnte ich dich fragen. Was machen wir hier eigentlich?

A: Du bist Thomas aus „Maze Ranner“.

M: Du bist Hazel Grace aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

 

A: Du hast den Zombie erlöst.

M: Ich habe meinen Freund getötet.

A: Lass Dich fallen. Jeder Mensch ist ein Künstler, sagt Joseph Beuys.

M fällt, schreit.

M: Es tut so weh. Ich hab Kopfschmerzen. Es scheint, ich werde ein Zombie.

A: Was soll ich tun?

M: Ich weiß es nicht mehr.

A: Wo bist du nur Augustus? Er braucht mich doch.

M weint, liegt am Boden.

M: Du bist das Beste, was mir passiert ist, Hazel Grace.

Er stirbt.

A: Manchmal muss man Menschen loslassen, wenn es für ihn das Beste ist.

 

  1. Beitrag: New English American Theater (Stuttgart) – Charles, Elma und Kissie

Das NEAT ist ein Community-Theater, das Stücke in englischer Sprache anbietet, aus dem Bedürfnis einiger Muttersprachler*innen, die dies in den Programmen vorhandener Theater vermissten. Gegründet wurde es vor 30 Jahren von 12 Theaterbegeisterten. Mittlerweile wirken 65 Schauspieler*innen und Musiker*innen aus 32 Ländern mit. Das Repertoire des NEAT umfasst Diverses, z.B. die Vagina Monologe („V-Day“), ein Format, das Gewalt gegen Frauen anprangert.

Charles, Elma und Kissie zeigen verschiedene Formate, zum einen Songs, zum anderen präsentiert Kissie ihr Gedicht „My skirt“.

Song von Bob Dylan „It Ain´t Me Babe“. (Charles – Gitarre/Gesang, Elma: Gesang/Tambourine).

Ausschnitt aus den „Vagina Monologes“ von Eve Ensler.

My skirt is no invitation.

My skirt has nothing to do with you.

My skirt is the liberation flag in womens army.

Everything under my skirt is mine. Mine! Mine!

Song – Charles und Elma

 

  1. Beitrag: Kurzes Stück zu Arbeitsbedingungen von Künstler*innen/Schauspieler*innen – Darstellerinnen: Dahab Borke und Magda Agudelo, Inszenierung: Carmen Stürmer.

Dunkelheit. Magda sitzt alleine auf der Bühne, Zeitung lesend, zweiter Stuhl ist leer. „Bitte warten“ schallt es mehrmals und zunehmend lauter und schriller aus den Lautsprechern. Die Bühne wird erleuchtet.

Dahab tritt dazu, setzt sich.

D: Ja, das bin ich. Ich bin gekündigt worden.

M: Tut mir leid. Schade. Ich bin auch Schauspielerin. Zwischen 35 und 50 Jahre wird es schwer, Rollen zu finden. Deswegen wurdest du gekündigt.

D: Lüge! Schweinerei! Infam! … Es ist so anstrengend. 6 Wochen Probe, spielen, 6 Wochen Probe… Neun Stücke habe ich gespielt. Die Ensemble-Sprecherin hab ich aufgesucht, über Mutterschutz, Überstunden, Pausenregelung und Mindestgage haben wir gesprochen. Ich musste zum Indentanden, der hat mich gekündigt.

M: Ich bin freie Schauspielerin. Performance, Tanz, Installation…

D: Machen wir auch. Wie kannst du leben?

M: Ich mache Lesungen, Ausstellungen. Wenn ich kein Sommerprojekt habe, arbeite ich als Kellnerin. Ich genieße die Freiheit, es ist aber auch kein Paradies. Ein Projekt stand an, aber es kam keine Rückmeldung mehr. Für mich ist es eine Ehre auf der Bühne zu sein, eine Leidenschaft.

D: Ja, für mich auch. In der letzten Spielzeit hab ich die Medea gespielt. Am Anfang war die Gage gering, da konnte ich mir nicht mal eine Wohnung leisten. Nach drei Jahren ja, aber Urlaub kann ich mir nicht leisten.

M: Ja, sparen, sparen. Kein Urlaub. Komm, wir üben jetzt.

D: Spielt Szene.

M: Mehr Gefühl.

D spielt leidenschaftlicher.

M: Reicht! Nächste!

M spielt, redet.

D: Nicht so viel Gerede!

M heult, spielt heftiger.

D: Größer!

Reicht! Nächster!

Beide spielen jetzt parallel, jede für sich. Die eine telefoniert, die andere hält Monolog. Beide steigern sich immer mehr rein, werden heftiger. Schließlich wenden sie sich einander zu.

 

 

 

 

Foto: Dominique Brewing

Zur Eröffnung des Volks*theaters am 25.6.2019 versammelten sich die Besucher*innen im Hinterhof, wo Rampe-Intendantin Martina Grohmann betonte, dass das Projekt noch am Anfang stehe, ein Labor sei. „Das Konzept des V*T verfolgt mich schon sehr lange: In Wien kennt man eine lange Tradition des Volkstheaters, die aber zur Unterhaltung verkommen ist. Einiges sagt der Begriff vielleicht gar nichts.“

Mit dem Volks*theater möchte das Theater Rampe die zeitgenössische Stadtgesellschaft anregen, das V*T für sich zu entdecken: „Dazu haben wir Nina Gühlstorff eingeladen, die in allen möglichen Sparten – von Oper bis zum klassischen Regie-Theater – unterwegs ist, und sich in diesem Projekt gemeinsam mit Paula Kohlmann um Verbindungslinien kümmert.“

Für Grohmann ist das V*T durch vier Begriffe geprägt:

1. Volk:
Dieser Begriff ist nicht nur ambivalent und provokant, in der Linie des Volkstheaters steht es gegen eine Top-down-Kultur. Durch das * wird Volk zu einem offenen Begriff, steht für ein inklusives Theater einer diversen Gesellschaft

2. Sprache:
… ist oft mundartbehaftet, es wird eine soziale gegen eine literarisierte Sprache gesetzt; es wird improvisiert, spontan kritisiert. Der Zwischenruf steht für eine andere Durchlässigkeit dieses Theaters (siehe 3.)

3. Öffentlicher Raum
Der öffentliche Raum ist mit dem Volkstheater verknüpft: angefangen von den freien, wandernden Gruppen über die Tatsache, dass das Publikum keinen definierten Ort betreten muss und es für alle zugänglich ist. „Es gibt auch öffentliche Räume außerhalb des Digitalen“, so Grohmann. „Wie durchbricht man diese Echokammern? Wie schafft man einen demokratischen Raum?“ Vielleicht mit einem Zwischenruf. Nina Gühlstorff ruft sogleich: „Ich mach‘ den ersten!“

4. Unterhaltung + Kritik
Das V*T könnte die Trennung von E und U aufheben, derben Witz und scharfe Kritik zugleich ermöglichen

Nina Gühlstorff ergänzte, dass all dies Themen waren, die ihnen in der Recherche begegnet waren und forderte die Anwesenden auf, „eine Allianz gegen die Hitze“ einzugehen (an diesem Abend hatte es weit über 30 Grad, Anm.d.Red.). „Ich glaube, was gewünscht wird, ist, dass wir uns auseinandersetzen – was jedoch nur wenige mitbekommen. Theater inszeniert elitär.“ Nun sollen Orte einen Sinn bekommen, die einen einfachen Zugang und Begegnung ermöglichen. Für die Regisseurin geht es im V*T um Teilhabe: „Das Theater könnte der Ort sein, wo das passiert.“

Sie verwies auch auf den „archäologischen Fund“ des Kontakttheaters, das im Stuttgart der 1970er-Jahre entstand und Teil der Ausstellung im Theatersaal der Rampe war und sich etwa mit ökologischen Themen oder Wohnen beschäftigte. „Die Themen waren also schon damals da und sind wieder zerbröselt“, so Gühlstorff, „ich würde gerne dazu beitragen, diese neu zu bündeln.“

Sie gab zudem einen kurzen Ausblick in den Juni  2020, wo es eine Aufführung des V*T geben werde. Anfangs, zu Beginn der Recherche, hätte sie noch konkrete Ideen gehabt, doch mittlerweile sei sie zur Auffassung gelangt, dass sie nicht kuratiere. Stattdessen seien Fragen aufgetaucht: Wieviele Grenzen möchte man haben? Wer übernimmt Verantwortung? Die Bitte an die Besucher*innen: mit Offenheit befragen, zwischenrufen, uns kritisieren und beschimpfen!

Paula Kohlmann ergänzte, dass das Kontakttheater der 70er nicht verschwunden, sondern zum Kulturkabinett  geworden sei. Sie habe aus der Recherchephase und den Gesprächen mit den Menschen vieles mitnehmen können. „Im V*T wollen wir den Versuch machen, sie Teil des Theaters sein zu lassen, ihre Themen und Ästhetiken zu zeigen. Und vielleicht schließen wir ja das Rampe und ziehen auf den Marienplatz?“ Auf all ihre Fragen geben die Gäste in den kommenden Tagen künstlerische und musikalische Antworten.

—-

Im Saal war bereits die „Matriarchale Volksküche“ dabei, Gazpacho und Piroge vorzubereiten. Nina Gühlstorff sprach mit Sabrina Schray, was Kochen denn mit Kunst zu tun habe: „Gar nicht so viel“, sagte Schray, „natürlich kann man das Kochen auf die Spitze treiben, dann sieht es so aus und schmeckt individuell. Die beiden passen gut zusammen, bilden ein gutes Paar. Gemein ist ihnen der zufriedene Blick – bei gutem Essen wie bei der Betrachtung von Kunst.“

Surja Ahmed erklärt kurz wie es zur Idee der Matriarchalen Volksküche kam: „Wir kochen gerne zusammen und dabei kamen stets gute Gespräche zustande. Das wollten wir in die Öffentlichkeit tragen.“ Marcela Majchrzak sprach die Einladung aus, sich an der Herstellug der Piroge zu beteiligen, räumte jedoch gleich ein: “Es sind 10.000 Stunden Übung nötig, um das Piroge-Falten zur Meisterschaft zu führen.“

Währenddessen kamen verschiedene kleinere Gespräche zustande, eine Besucherin berichtete etwa von einer Gruppe junger Student*innen, die immer ins Theater gingen, um Kritiken zu schreiben und sich so ein Zubrot zuverdienen. Kommentar eines Besuchers: „Wenn der regionale Kulturjournalismus weiter zusammenbricht, wäre das doch die Lösung!“

—-

Den ersten Input des Abends sprachen Hanna Noller und Sebastian Klawiter vom Verein Stadtlücken über den öffentlichen Raum. Die beiden sind Schreiner, Architekten und mittlerweile am Institut für Städtebau der Uni Stuttgart tätig. Zunächst zeigten sie im Schnelldurchlauf ein 24-Stunden-Echtzeitexperiment, das im Rahmen des Reallabor Spacesharing an der Kunstakademie am Weißenhof durchgeführt wurde und der Frage nachging: Wie wird Raum genutzt? Zu beobachten war, wie sich der Raum veränderte, indem dort gegessen, geschlafen, gearbeitet wurde oder ein Empfang für 200 Leute zu Eröffnung des Reallabors stattfand (mehr: http://www.abk-stuttgart.de/fileadmin/redaktion/events/2018/07/2018-07-17_Space_Sharing-Report_digital.pdf).

In ihrer Masterarbeit (https://issuu.com/spacesharing/docs/150824_masterthesis_einleitung) setzten sich die beiden theoretisch mit folgenden Fragen auseinander: Was heißt teilen? Teilt man es wie ein Stück Kuchen auf oder nutzt man etwas gemeinsam? Um den Wissensaustausch zu fördern gingen sie verschiedenen Fragen in Low-Budget-Magazinen nach, die sich beschäftigten mit:

  • Was ist Raum?
  • Sharing Economy
  • Space/Raum
  • Commons
  • Space Sharing

Der Begriff „to share“ sei dabei zentral, und – so Klawiter – eben nicht einfach mit dem Deutschen „(auf)teilen“ zu übersetzen, sondern beinhalte das Gemeinsame: gemeinsam nutzen, gemeinsam teilen. So landeten sie schnell beim (landwirtschaftlichen) Begriff der „Allmende“,  die eine Form gemeinschaftlichen Eigentums bezeichnet. Aber, wie Noller griffig erklärte: „Wie in einer WG-Küche kümmert sich keiner drum, wenn’s allen gehört.“

Lösen ließe sich das mit einem Ansatz der US-amerikanischen Professorin Elinor Ostrom, der 2009 als erster und bisher einziger Frau der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zuerkannt wurde, gemeinsam mit Oliver E. Williamson. Ihr Thema sind die Gärten der Gemeingüter (Allmenden), in denen Menschen sich um knappe Ressourcen wie Wasser, Wiesen und Wälder und deren gemeinsame Nutzung streiten. Dabei scheitern sie jedoch nicht immer. (www.bpb.de/apuz/33204/elinor-ostrom-und-die-wiederentdeckung-der-allmende?p=all)

Ihre Zielfrage war: „Wie kann sich eine Gruppe von einander unabhängiger Akteure zur Erzielung langfristiger, gemeinsamer Vorteile selbst organisieren und verwalten, wenn alle versucht sind, Trittbrett zu fahren, sich zu drücken oder sonst wie opportunistisch zu handeln?“

Über die Spieltheorie bewies sie, dass Menschen Regeln brauchen, denn es gibt ihn sehr wohl, den vernünftigen Gemeinsinn in Gruppen. Sie hat gezeigt, wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann (siehe ihr Buch: Die Verfassung der Allmende) Diese Haltung haben die Klawiter & Noller für ihre Masterarbeit genutzt und daraus die Frage abgeleitet: WEM GEHÖRT DIE STADT?

Auf der Suche nach Lücken (in der Stadt) entwickelten sie ein Konzept, das Lücken findet, sammelt, vernetzt, Aufmerksamkeit schafft, diese kommuniziert. Während sie diese Strategie entwickelten, begannen sie mit ersten offenen Treffen in der Rampe unter dem Titel EINMAL IM MONAT. „Die Rampe ist für uns bereits V*T. Wir haben es schon vor drei Jahren so nutzen können“, betonte Noller.

Daraus entstanden die Stadtlücken und die Idee, den Österreichischen Platz zu bespielen. „Wir haben diesen Raum gefunden, einen öffentlichen Raum, der aus unserer Sicht Potenzial hat, aber falsch genutzt wird.“ Denn bis 2017 war diese Fläche unter der Paulinenbrücke – „eine Fläche, die allen gehört“ – von einer privaten Firma genutzt, die damit viel Geld verdient hat.

Auf die Frage WO IST DER ÖP? folgten die Fragen, wer alles mitmacht, wie sie das organisieren. Zur Organisation bedienten sie sich den „8 Prinzipien einer erfolgreichen Organisation von Gemeingütern nach Ostrom“ entlang der drei zentralen Linien von Macht, Markt und Moral („Das ist die Kirchenvariante: über schlechtes Gewissen.“).

Ostrom unterscheidet „sieben bzw. acht Prinzipien“ einer funktionierenden Allmende:
1. „Klar definierte Grenzen“ (der Bezugsgruppe)
2. „Kongruenz zwischen Aneignungs- und Bereitstellungsregeln und lokalen Bedingungen“, d.h. Umfang von Nutzung und Aufwand der Ressourcenverwaltung sind auf lokale Begebenheiten abgestimmt.
3. „Arrangements für kollektive Entscheidungen“: Personen, die von den Allmend-Verwaltungsregeln betroffen sind, können über diese Regeln auch mitbestimmen. (Anmerkung: Jüngere Forschungen haben allerdings ergeben, dass die Ergebnisse nicht unbedingt schlechter sind, wenn die Leute nicht mitbestimmen. Sie können aus anderen Gründen mit den gesetzten Regeln einverstanden sein, z.B. weil sie ihrem gewählten Vertreter vertrauen)
4. Kontrolle und Rechenschaftspflicht gegenüber den Allmendeberechtigten
5. Abgestufte Sanktionen (Bsp.: Am ÖP gibt es mittlerweile eine „Lärm-Ampel“, die nach einem warnenden Blinken automatisch den Strom abschaltet, sobald es zu laut ist)
6. schnelle, direkte, lokale Konfliktlösung
(Bsp.: Die Stadtlücken suchen das direkte Gespräch mit einem Italienischen Restaurant nebenan, wenn es Beschwerden gibt.)
7. minimale Anerkennung der jeweiligen Organisationsform und Rechtsverhältnisse durch Unabhängigkeit von äußeren (staatlichen) Machtstrukturen
8. „Eingebettete Unternehmen“: Die Verwaltungsstrukturen großer funktionierende Allmenden sind in kleineren Organisationseinheiten mehrerer Ebenen eingebettet. (Bsp.: Befinden sich mehrere Theater in der Nähe, wie organisisert man sich untereinander?)

Seit 1,5 Jahren nutzen die Stadtlücken den ÖP als Probierfeld, um herauszufinden, was da funktionieren könnte – und alle können mitsprechen. Die meisten halten sich auch an die (teils ungeschriebenen) Regeln. Kommt es zu Zwischenrufen, „Störungen“, dann sei das vielmehr interessant, betonen die beiden. Als Beispiel nannten sie eine Architekturpräsentation, bei der zwei Zuschauer*innen immer wieder Zwischenfragen stellten – „weil sie die ‚Regeln‘ einer solchen Präsentation einfach nicht kannten.“

Zusammenfassend lässt sich das alles auf folgende Formel verdichten:

COMMONS = Ressource + Community + Regeln

Zur Zukunft der Allmende sagte Noller: „Die Frage ist nicht, ob Menschen kooperieren wollen, sondern wie ihnen geholfen werden kann, das zu tun.“ Dies sei heutzutage nicht so einfach: „Statt kooperieren lernen wir, den eigenen Nutzen zu maximieren.“ Somit sei die Frage im Hinblick auf ein VOLKS*THEATER, wie das Theater Kooperation fördern kann.

Es folgte ein weiterer Impuls von Samira Messner über Diversität und Öffnung von Institutionen. Die Fotografin und Gender-Expertin ist Mutter zweier Töchter, stammt aus Addis Abbeba/Äthiopien und wurde durch den V*T-Bauwagen am Marienplatz auf das Projekt aufmerksam.

„Within five minutes I expressed my deep concern on issues like diversity. I am standing here not as a representataive of a group, but as an idividual expressing my opinion. I belong to a box: I’m black, I’m a woman, I’m wearing a head cover, I don’t speak German.”

Sie sei nach dem Studium nach Deutschland gekommen. Nach allem, was sie über den Westen wusste, erwartete sie überall Kinderspielecken, Familienfreundlichkeit etc. „I thought Germany was a feminist country and I expected it to be supportive open…this was my box of Germany.“ Die sich dann doch als Schublade entpuppte, als sie hier ankam und etwa mit Gender-Stereotypen konfrontiert wurde.

„Today I want to talk about the difference between diverse and inclusive: Diversity is natural, given such as sex or the colour of your skin. We are it. Inclusion means more: Today I’m included as a speaker representing POC, mothers. What we have to acknowledge is the lack of inclusion – only then we can move to the second level.”

Gerade in Stuttgart mit seinem Ausländer*innenanteil von ca. 45 Prozent stelle sich doch die Frage, wie hoch der Anteil im Jahr 2040 sein werde. „I want to see compassion! Not because they are others, but I want my kids to see strong African women.“ Für ihre Töchter wünscht sie sich: “They should see a reflection of somebody they know.” Eine starke, unabhängige, schwarze Frau. Denn meist werde Afrika durch “die arme afrikanische Frau” repräsentiert. Messner konfrontiert ihre Zuhörer*innen (und das Theater) mit dem eigenen Bild von Akfrika/afrikanischen Frauen: „Are they seen as professionals? Are they given space or power? Are they writing? And are they not playing a role given by someone else?”

She further addressed the issue of otherness: “My neighbour cooks other food because she is from another culture. We can choose to call it ‘exotic, different’ – or we can choose to include it. I want to make a difference!”

Sie verwies auch auf ein Beispiel aus der Theaterwelt: Am Deutschen Theater inszenierte Michael Thalheimer DIE UNSCHULD von Dea Loher, das 2012 eine Blackfacing-Debatte auslöste. Darin spült es zwei Protagonisten, Geflüchtete, – dargestellt von weißen Männern – ans Ufer der westlichen Welt. Die beiden Schauspieler schminken sich schwarz, dicke rote Lippen krönen dieses Zerr-Bild. Eine antirassistische Aktion, »Bühnenwatch«, protestierte lautstark gegen die schwarze Gesichtsbemalung als Blackfacing.

Messner betonte: „Theatre can be imaginary, artistic. But how is it possible, that we don’t find POC to play these roles?” Und sie führt den Gedanken weiter: “Why don’t we ask writers for their stories?“ In her artictic life she wants to build bridges without dismantling the privileges of others but by sharing power. “We need to give artists from other backgrounds the possibility to include their ideas!”

Im Anschluss gab es diverse Nachfragen bzw. Wortmeldungen wie diese: „I like your point, that we are already diverse, but need to talk about inclusion.“ Leite sich daraus ab, noch deutlicher kommunizieren zu müssen, dass alle eingeladen sind? „Ihr seid alle eingeladen, und übrigens: Wir sind barrierefrei.“ Doch wo fängt man an, das explizit zu kommunizeren?

Nina Gühlstorff brachte da ein schönes Beispiel aus der Recherche-Phase: Das „Theater am Faden“ richtete ein Festival aus, in der Einladung dazu hieß es: „Dieses Festival kann man besuchen, ohne Tschechisch, Russisch oder Hindi zu sprechen.“

 

 

 

Ein Fest der Künste 

Im Rahmen von TANZPAKT Stuttgart | TANZPAKT Stadt-Land-Bund

Ausschreibung für Künstler*innen aus Tanz, Musik, Theater, Performance, Literatur, Film, Bildender Kunst und transdisziplinärer Praxis, international und lokal
Projektentwicklungen ab Oktober 2019 Festival von 20. bis 26. Juli 2020 im ganzen Stuttgarter Stadtgebiet (English version below)

Akademie Schloss Solitude, Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, Musik der Jahrhunderte, Produktionszentrum Tanz und Performance und Theater Rampe setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte in den zeitgenössischen Künsten. Gemeinsam ist ihnen die transdisziplinäre Praxis. Im Juli 2020 veranstalten sie erstmals gemeinsam mit dem Kulturamt Stuttgart ein kooperativ kuratiertes „Fest der Künste“. In partizipativen und ortsspezifischen Projekten geht es dabei um Austausch und Zusammenarbeit mit Menschen, die nicht selbstverständlich im Kunstdiskurs verortet sind. Im Zentrum steht der interdisziplinäre Austausch, verbunden mit der Frage, welche Positionen Künstler*innen heute in der Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft einnehmen. So soll eine Plattform des Dialoges zwischen den zeitgenössischen Künsten und der Gesellschaft geschaffen werden.

Das erste Festival findet im Rahmen des TANZPAKT Stuttgart statt. Mit TANZPAKT Stuttgart ist ein Bündnis aus Kulturinstitutionen mit internationaler Strahlkraft, der freien Tanz und Performanceszene vor Ort und dem Kulturamt Stuttgart angetreten, um nachhaltig angelegte Strukturen für die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes in seiner interdisziplinären Dimension zu etablieren.

Eine besondere Aufmerksamkeit erfahren daher Projekte, die von Bewegung und Körpern im öffentlichen Raum ausgehen. Im Fokus der künstlerischen Auseinandersetzung soll insbesondere der Öffentliche Raum stehen. Gemeint sind sowohl öffentliche Orte der Zivilgesellschaft als auch der digitale öffentliche Raum, der durch die wachsende Bedeutung von Social Media eine immer größere Aufmerksamkeit bekommt. Der Öffentliche Raum – sei er physisch oder medial – ist eine Agora, in der das „Öffentliche“ heute überaus kontrovers verhandelt wird. Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen erheben Besitzansprüche auf diesen Raum – und damit auch einen Anspruch auf die Deutungshoheit des Öffentlichen.

Darüber hinaus treibt das Kuratorium die Fragen um, – wie folgenreich Kollaborationen zwischen Kunst und Zivilgesellschaft sein können, – wie künstlerische Perspektiven auf Denk- und Handlungsräume in der Zivilgesellschaft einwirken und diese unmittelbar mitgestalten können, – wie künstlerische Praxis im öffentlichen Raum verankert werden kann – und wie sich künstlerische Spielräume im Dialog mit der Zivilgesellschaft erweitern lassen.

DIE IRRITIERTE STADT lädt internationale und lokale Künstler*innen und Performer*innen aller Sparten – insbesondere auch aus dem Tanz – ein, sich alleine oder im Team mit Menschen eines bestimmten Ortes oder zivilgesellschaftlichen Bereiches in Stuttgart auseinanderzusetzen und ein partizipatives Projekt für einen bzw. in einem der teilnehmenden zivilgesellschaftlichen Bereiche zu entwerfen. Stuttgarter Bürger*innen werden in einer gesonderten Ausschreibung zur Teilnahme an DER IRRITIERTEN STADT eingeladen. Das können junge oder alte Menschen, Lernende oder Arbeitende, Menschen im Arbeits- oder Freizeitumfeld, musisch interessierte oder noch von der Kunst abgewandte, zufällig oder bewusst an einem Ort zusammentreffende Menschen sein.

Im September 2019 entscheidet das Kuratorium, welche der eingereichten Projekte durchgeführt werden können, und verbindet die Künstler*innen gegebenenfalls mit Akteur*innen der Stuttgarter Stadtgesellschaft. Ab Oktober 2019 können die Künstler*innen ihre jeweiligen Projekte (Recherche, Konzeption, Proben) im aktiven Austausch mit ihren Partner*innen aus der Stadtgesellschaft erarbeiten. Es kann ein kurzes, prägnantes Statement sein oder ein mehrtägiges Ereignis. Es kann ausschließlich mit Laien aufgeführt werden oder professionelle Interpret*innen oder künstlerische Akteur*innen einbeziehen. Es kann bestimmte räumliche Situationen (Gebäude, Anlagen, Landschaften) voraussetzen oder für einen variablen Aufführungsort konzipiert werden.
Je nach Projektvorhaben sind Koproduktionen oder Eigenproduktionen möglich. Adaptionen bestehender Arbeiten auf einen spezifischen Stuttgarter Kontext hin sind ebenso möglich.

Das Ziel ist mindestens eine öffentliche Aufführung/Präsentation im Rahmen des Fests der Künste DIE IRRITIERTE STADT, das vom 20. bis 26. Juli 2020 in unterschiedlichen Kultureinrichtungen sowie im öffentlichen Raum in Stuttgart stattfindet.

Bitte bewerben Sie sich bis zum 31.08.2019 mit folgenden Unterlagen (pdf-Datei, max. 5 MB):
Dossier Ihrer künstlerischen Arbeit bzw. Beschreibung Ihrer Arbeitsweise und Ihres ästhetischen Ansatzes
– Motivation für ein partizipatives Projekt im Rahmen DER IRRITIERTEN STADT bzw. Idee oder Projektskizze für einen spezifischen zivilgesellschaftlichen Bereich. Bitte geben Sie ggf. an, ob Sie bereits Partner*innen aus Stuttgart haben bzw. ob Sie mit konkreten Partner*innen zusammenarbeiten wollen. ODER: Projektbeschreibung und Finanzplan einer bereits produzierten Arbeit, die partizipativ bzw. ortsspezifisch auf den Stuttgarter Kontext hin adaptiert werden kann.

Bewerbungen oder auch Fragen zum Projekt bitte per Email an unser Organisationsbüro: irritiertestadt@mdjstuttgart.de

Über die Realisation der eingereichten Projekte entscheidet ein Kuratorium der Veranstalterinnen des Festivals und des Kulturamts Stuttgart. Künstler*innen, deren Projekt durchgeführt wird, erhalten ein angemessenes Honorar sowie Produktionsmittel, deren Höhe sich – den Möglichkeiten des Festivals entsprechend – nach dem Bedarf eines Projektes richtet.

Dem Kuratorium gehören an:
Elke aus dem Moore (Akademie Schloss Solitude)
Nora Auth (Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart)
Christine Fischer (Musik der Jahrhunderte)
Isabell Ohst (Produktionszentrum Tanz und Performance)
Martina Grohmann (Theater Rampe)

DIE IRRITIERTE STADT ist ein Projekt von Akademie Schloss Solitude, Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, Musik der Jahrhunderte, Produktionszentrum Tanz und Performance, Theater Rampe und der Landeshauptstadt Stuttgart im Rahmen von TANZPAKT Stuttgart.

Gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch die Stadt Stuttgart.

Kontakt:

Musik der Jahrhunderte e.V., Siemensstraße 13, 70469 Stuttgart
Tel +49 (0) 711 62 90 510
irritiertestadt@mdjstuttgart.de


DIE IRRITIERTE STADT
Festival of the arts
Within Tanzpakt Stuttgart | TANZPAKT Stadt-Land-Bund

Call for project proposals for international and local artists from dance, music, theatre, performance, literature, film, visual arts and transdisciplinary practice
Project developments from October 2019 (or later)
Festival from 20 to 26 July 2020 in the entire Stuttgart city area

Akademie Schloss Solitude, Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, Musik der Jahrhunderte, Produktionszentrum Tanz und Performance and Theater Rampe each set different focal points in the contemporary arts. What they have in common is transdisciplinary practice. In July 2020, they will for the first time organize a cooperatively curated „Festival of the Arts“. In participative and site-specific projects, the focus is on exchange and cooperation with people who are not naturally part of the art discourse. The focus will be on interdisciplinary exchange and the question which positions artists take in today’s debate with civil society. In this way, a platform for dialogue between contemporary art and society will be opened up.
The first festival will take place as a contribution to the TANZPAKT Stuttgart, where contemporary dance shall be presented in its transdisciplinary dimension. Special attention will therefore be given to projects that emanate from dance, movement and choreography. The focus of the artistic debate will be on “public space” in particular. This refers to both public places of civil society and the digital public space, which is gaining more and more attention due to the growing importance of social media. The public space – be it physical or medial – is an agora in which nowadays the „public“ is negotiated in an extremely controversial way. Different social groups claim ownership of this space – and thus also claim to the interpretive dominance of the public sphere.

In addition, the curators are driven by the questions,
– how collaboration between art and civil society can have a strong momentum,
– how artistic perspectives can influence and directly shape thoughts and action in civil society,
– how artistic practice can be manifested in public space
– and how artistic scopes can be expanded in dialogue with civil society.

DIE IRRITIERTE STADT invites international and local artists and performers (alone or in teams) from all genres – especially including dance – to engage with people from either a certain place or a certain civil society area in Stuttgart and to design a participatory project for or in one of the participating civil society areas. Stuttgart citizens will be invited in a separate call to participate in these artistic projects. These can be young or old people, learners or workers, people at work or in their leisure time, people interested in the arts or still averted to art, people meeting by chance or consciously in one place.

In September 2019, the curators will decide on the projects to be realized and, if necessary, connect the artists/artistic teams with the possible participants of the Stuttgart civil society.
Starting in October 2019, the artists/artistic teams can develop their projects (research, conception, rehearsals) in active exchange with their civil partner groups.

The results can be a short, concise statement or an event lasting several days. It can be performed exclusively with non-professional performers or involve professional performers or artists. The projects can be designed for specific places (buildings, sites, landscapes) or for a variable performance location. Depending on the kind of project, both co-productions and in-house productions are possible. Adaptation of existing works to a specific Stuttgart context is also welcome.
The aim is at least one public performance/presentation within DIE IRRITIERTE STADT – Festival of the Arts, which will take place from 20 to 26 July 2020 in various cultural institutions as well as in public space in Stuttgart.

Please apply by 31.08.2019 with the following documents (pdf-file, max. 5 MB):
– Dossier of your artistic work or description of your way of working and your aesthetic approach
– Letter of motivation for a participatory project within DIE IRRITIERTE STADT
or idea/project outline for a specific field of civil society. Please indicate if you already have partners from Stuttgart or if you would like to cooperate with concrete partners or if we should connect you with possible participants.
Also possible: Project description and financial plan of an already produced work, which can be adapted to the Stuttgart context in a participative or site-specific way.

Please send your application or questions about the project by email to our organization office: irritiertestadt@mdjstuttgart.de
A committee of the festival organizers and the City of Stuttgart decides which of the submitted projects can be realized. Artists whose projects are selected will receive an appropriate fee as well as a production budget. The amount will be depending on the needs of the project according to the possibilities of the festival.

The members of the committee are:
Elke aus dem Moore (Akademie Schloss Solitude)
Marcela Herrera Oleas (City of Stuttgart)
Nora Auth (Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart)
Christine Fischer (Musik der Jahrhunderte)
Isabell Ohst (Produktionszentrum Tanz und Performance)
Martina Grohmann (Theater Rampe)

DIE IRRITIERTE STADT is a project of Akademie Schloss Solitude, Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, Musik der Jahrhunderte, Produktionszentrum Tanz und Performance and Theater Rampe within Tanzpakt Stuttgart.

It is funded by TANZPAKT Stadt-Land-Bund with the support of the German Federal Government Commissioner for Culture and the Media and by the City of Stuttgart.

Fest der Künste, 20. bis 26. Juli 2020

Einladung an alle Stuttgarter*innen

Im Sommer 2020 wird in Stuttgart erstmals ein neues Festival stattfinden: DIE IRRITIERTE STADT. Das Festival greift Veränderungen auf, mit denen unsere Städte in diesen Zeiten konfrontiert werden, und sucht nach Visionen für ein künftiges Zusammenleben. Dazu bringt es Künstler*innen und Menschen aus Stuttgart für gemeinsame Kunstprojekte zusammen.

Wir laden Sie ein, Teil des Kunstprojekts DIE IRRITIERTE STADT zu werden: junge oder alte Menschen, Lernende oder Arbeitende, Menschen in ihrem Freizeitumfeld, am Tanz Interessierte oder Menschen, die sich noch gar nicht mit Kunst beschäftigt haben, Initiativen, Vereine oder Unternehmen. Wir laden Sie ein, Ihre Orte, Ihre Ideen, Ihre Geschichte oder Ihren Alltag eine Zeitlang für Künstler*innen zu öffnen.

Das Festival findet im Rahmen von TANZPAKT Stuttgart vom 20. bis 26. Juli 2020 statt. TANZPAKT Stuttgart verbindet Kulturinstitutionen mit internationaler Strahlkraft mit der freien Tanz und Performanceszene und dem Kulturamt Stuttgart mit dem Ziel, den zeitgenössischen Tanz in seiner interdisziplinären Dimension weiterzuentwickeln und in Stuttgart dafür nachhaltige Strukturen zu etablieren. Eine besondere Aufmerksamkeit im Festival erfahren daher Projekte, die von Bewegung und Körpern im öffentlichen Raum ausgehen. Neben Tanz werden Theater, Bildende Kunst, Film, Musik und Literatur vertreten sein.

Das Kuratorium von DIE IRRITIERTE STADT wählt Teams von Künstler*innen aus und bringt diese mit Ihnen zusammen. Ab Oktober 2019 werden die Künstler*innen gemeinsam mit Ihnen die Projekte entwickeln, die im Festival DIE IRRITIERTE STADT an unterschiedlichen Orten in ganz Stuttgart zur Aufführung kommen werden. Dabei können die unterschiedlichsten Formate entstehen – szenische Aktionen, Ausstellungen, Installationen, Feste, Spiele u.v.a.m.
Je nach Umfang eines Projektes kann Ihre Zusammenarbeit mit den Künstler*innen sehr zeitintensiv oder auch nur punktuell sein. Das hängt nicht zuletzt von Ihren Möglichkeiten und Wünschen ab.

Wenn Sie Interesse haben, mit Ihrer Initiative, Ihrem Verein, Ihrem Team, Ihrem Betrieb, Ihrer Schule, Ihrem Gebäude etc. teilzunehmen oder wenn Sie Lokale, Plätze, Bauwerke für ein Projekt vorschlagen wollen, schicken Sie uns bitte ein kurzes Porträt mit folgenden Angaben:
WER? Wirtschaftliche, geologische, kulturelle, historische, alltägliche Faktoren: Was ist charakteristisch für Sie oder für den Ort?
WAS? Was bringt Sie zusammen? Arbeit, gemeinsames Interesse oder Aktivität, besonderes Anliegen?
WO? In welchem Stadtteil oder in welchem Gebäude sind Sie verortet?

Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge und Ideen bis 31. August 2019 per Email an: irritiertestadt@mdjstuttgart.de
Auch wenn Sie Fragen zum Projekt haben, schreiben Sie uns bitte eine E-Mail oder rufen Sie uns in unserem Organisationsbüro an: 0711 6290510.

Dem Kuratorium des Festivals gehören an: Elke aus dem Moore (Akademie Schloss Solitude), Nora Auth (Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart), Christine Fischer (Musik der Jahrhunderte), Isabell Ohst (Produktionszentrum Tanz und Performance), Martina Grohmann (Theater Rampe) und Marcela Herrera Oleas (Landeshauptstadt Stuttgart)

DIE IRRITIERTE STADT ist ein Projekt von Akademie Schloss Solitude, Freie Tanz- und Theaterszene Stuttgart, Musik der Jahrhunderte, Produktionszentrum Tanz und Performance, Theater Rampe und Landeshauptstadt Stuttgart im Rahmen von TANZPAKT Stuttgart.

Gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch die Stadt Stuttgart.

Kontakt:

Musik der Jahrhunderte e.V., Siemensstraße 13, 70469 Stuttgart
Tel +49 (0) 711 62 90 510
irritiertestadt@mdjstuttgart.de

WIR SIND VIELE, JEDE*R EINZELNE VON UNS

KUNST- UND KULTURSCHAFFENDE UND INSTITUTIONEN BADEN-WÜRTTEMBERGS POSITIONIEREN SICH FÜR EINE OFFENE GESELLSCHAFT

Heute, am 1. Februar 2019, wird die BADEN-WÜRTTEMBERGER ERKLÄRUNG DER VIELEN veröffentlicht und verbreitet. Mehr als 100 Kunst- und Kulturinstitutionen, Verbände und freie Kunst- und Kulturschaffende aus ganz Baden-Württemberg haben die BADEN-WÜRTTEMBERGER ERKLÄRUNG DER VIELEN bereits jetzt erst-unterzeichnet.

DIE VIELEN sind regionale Bündnisse von Kunst- und Kulturschaffenden, welche Kunst und ihre Einrichtungen als offene und engagierte Räume begreifen, die Vielen gehören und in denen ein aufklärender und demokratischer Dialog geführt wird. Sie reagieren damit auf vermehrte politische Angriffe rechter Parteien und Gruppierungen, denen Akteure der Kunst und Kultur, ihre Institutionen, ihre Werke und ihr Wirken ausgesetzt sind. DIE VIELEN setzen diesen Angriffen Solidarität, Toleranz und ein klares Bekenntnis für Vielfalt und die Freiheit der Kunst entgegen. Sie positionieren sich gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechten Populismus.

DIE VIELEN in Baden-Württemberg bilden die große Vielfalt der kulturellen Landschaft zwischen Lörrach und Ulm, Mannheim und Konstanz, Baden-Baden und Aalen ab. Akteur*innen der Bildenden Kunst sind ebenso vertreten wie Orchester, Theater, Museen oder Soziokultur. Alle haben sich verpflichtet, die Erklärung unter Besucher*innen und Mitarbeitern zu verbreiten und zur Diskussion zu stellen.

Die Erklärung ist nur der Beginn: In regelmäßigen Versammlungen werden Beteiligte in einen langfristigen Austausch treten, gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen und Strategien entwickeln zur aktiven Solidarität untereinander und mit Menschen, die durch rechtsextreme Gruppierungen und Parteien an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Als selbst-aktives Netzwerk will es einen Beitrag zur Fortentwicklung der demokratischen Gesellschaft leisten und ein notwendiges Zeichen dafür setzen, dass die Kunst frei bleibt. Weitere Unterzeichner aus Baden-Württemberg sind willkommen und können sich melden unter: produktion@theaterrampe.de

Die ERKLÄRUNG DER VIELEN startete am 09. November des letzten Jahres in Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen. Am heutigen Tage wächst die Bewegung auf etwa 20 Regionen bundesweit an: Neben Berlin, Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen erklären sich DIE VIELEN auch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Frankfurt, Bremen, Bayern, Rostock, Halle, Mannheim, Celle, Nordwestregion-Oldenburg, Thüringen, Brandenburg und Baden-Württemberg. Vorbereitungen zu Erklärungen der Vielen und damit zu einer europäischen Bewegung gibt es auch in Wien und Warschau.

Bundesweit haben damit an die 2.000 Kunst- und Kulturinstitutionen mit ihren Aktiven aus der Kulturlandschaft eine Debatte zur Freiheit der Kunst und zur Fortentwicklung der offenen Gesellschaft angestoßen.

Zum 19. Mai werden bundesweite Glänzende Demonstrationen für ein „EUROPA DER VIELEN“ in mehreren Städten veranstaltet. Aktuelle Informationen und die Texte aller regionalen Erklärungen unter http://www.dievielen.de

 

Ansprechpartnerin für die Presse:

Für Baden-Württemberg:

Martina Grohmann, Theater Rampe Stuttgart

grohmann@theaterrampe.de

Telefon: +49 711 62 00 909-0

 

Für die bundesweite Koordinierungsstelle:

Christophe Knoch -Koordination, För Künkel -Büro

Telefon Die Vielen: +49 177 892 4882

www.dievielen.de

mail@dievielen.de

 

V.i.S.d.P.: Holger Bergmann (Vorsitzende*r Die Vielen e.V.)