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Kooperationen

Foto: Fabrizio Chiagano/unsplash

TOOLS ist ein digitales Theaterlabor und Festival, das in Zusammenarbeit des Instituts für künstlerische Forschung Berlin (!KF) der digitalen Streaming-Plattform SPECTYOU und des audiovisuellen Online-Diensts Die Digitale Bühne sowie des Theater Rampe Stuttgart entsteht. Das Festival findet vom 14. bis 16. Oktober 2021 statt.
TOOLS bietet eine Plattform und ein Labor für Künstler*innen und Projekte, die an der Schnittstelle von analogem und digitalem Theater, Live Art und Medienkunst arbeiten, und in ihren Methoden und Erzählweisen auf die aktuellen Entwicklungen und Innovationen im künstlerischen und technischen Bereich reagieren.
TOOLS findet hybrid statt. Das dreitägige Festivalprogramm ist digital auf spectyou.com und der Digitalen Bühne zu sehen sowie am dritten Festivaltag im analogen Theaterraum des Theater Rampe in Stuttgart. Im Festival sollen
unterschiedliche digitale und hybride Versuche gezeigt werden.
TOOLS lädt drei Künstlerinnen-Teams ein, in einer zweiwöchigen Laborphase ihre Projektideen zu erarbeiten, weiterzuentwickeln oder umzuarbeiten. Die Digitale Bühne ermöglicht dafür eine virtuelle Ensemblearbeit auf Distanz. Zum Ende der Laborphase werden im Rahmen des Festivals die Tryouts oder Projekte präsentiert. Zusätzlich werden in einem Showcase drei weitere, bereits fertige digitale Theaterproduktionen gestreamt. In einem Workshop können die Künstlerinnen aller sechs Produktionen in den Austausch kommen.
TOOLS sucht drei neue Format- und Projektideen, die mit digitalen technischen Tools den theatralen Raum erweitern, und die Wechselwirkungen von Digitalem und Analogem erforschen möchten. Diese können in Zusammenarbeit mit SPECTYOU oder der Digitalen Bühne entstehen, oder komplett unabhängig entwickelt werden. Alle Genres sind zugelassen. Koproduktionen und bereits begonnene Projekte können ebenso gezeigt werden wie Neuproduktionen oder Tryouts. Im Programm sind sowohl rein digitale als auch hybride und interaktive Formate möglich.
SPECTYOU ist eine Streaming-Plattform für Live-Formate und Aufzeichnungen. Der audiovisuelle Online-Dienst der Digitalen Bühne ermöglicht live Ensemble-Proben und Auftritte über das Internet von verschiedenen Orten aus.
Die drei Versionen digitalstage-web (im Browser), digital-stage-pc (installierbares Programm) und digital-stagebox (erhältliche Hardware) bieten unkomprimiertes 3DAudio mit unterschiedlich niedriger Zeitverzögerung (Latenz). Weitere Informationen: digital-stage.org. Ein Test dieser Technik ist nach Absprache und Verfügbarkeit möglich.

Wir bieten:
• Gage für eine zweiwöchige Probenzeit/Residenz
• Materialkosten
• Premiere im Rahmen des Festivals (in einem rein digitalen oder hybriden Rahmen)
• Austausch und Workshop mit den anderen Künstler*innen innerhalb des Festivals
• Nach Absprache: technische Unterstützung durch die Digitale Bühne
Open Call:
Bitte schreibt ein 1- bis 2-seitiges Konzept zu eurer Projektidee, ein Motivationsschreiben, eine Skizze zur technischen Umsetzung und eine kurze künstlerische Vita bis 01.05.2021 an die Produktionsleiterin unseres Festivals Siri Thiermann: thiermann@theaterrampe.de

—-ENGLISH VERLSION —

TOOLS is a digital theatre laboratory and festival that is organised in cooperation
with the Institute for Artistic Research Berlin (! KF), the digital streaming platform
Spectyou and the audio-visual online service Die Digitale Bühne as well as Theater
Rampe Stuttgart. The festival will take place from October 14th to 16th, 2021.
TOOLS offers a platform and a laboratory for artists and projects who work at
the interface between analog and digital theatre, live art and media art, and who
react in their methods and narrative to current developments and innovations in the
artistic and technical fields.
TOOLS takes place in a hybrid form. The three-day festival program can be
viewed digitally on Spectyou.com and the digital stage, as well as on the third day of
the festival in the analogue theatre space of the Theater Rampe in Stuttgart.
Different digital and hybrid experiments are to be shown in the festival.
TOOLS invites three teams of artists to work out, develop or revise their project
ideas in a two-week laboratory phase. The digital stage enables virtual ensemble
work at a distance. At the end of the laboratory phase, tryouts or projects are
presented during the festival. In addition, three further, already finished digital theatre
productions will be streamed in a showcase. The artists of all six productions can
exchange ideas in a workshop.
TOOLS is looking for three new format and project ideas that use digital
technical tools to expand the theatrical space and explore the interactions between
the digital and the analog. These can be created in cooperation with Spectyou or the
digital stage, or they can be developed completely independently. All genres are
allowed. Coproductions and projects that have already started can also be shown, as
well as new productions or tryouts. Both purely digital and hybrid and interactive
formats are possible in the program.
Spectyou is a streaming platform for live formats and recordings. The audiovisual
online service of the digital stage enables live ensemble rehearsals and
performances over the Internet from various locations. The three versions digitalstage-
web (in the browser), digital-stage-pc (installable program) and digital-stagebox
(available hardware) offer uncompressed 3D audio with different low time delays
(latencies). Further information: digital-stage.org. A test of this technology is possible
after consultation and availability.


We offer:
Fee for a two-week rehearsal period / residence material costs
Premiere as part of the festival (in a purely digital or hybrid framework)
Exchange and workshop with the other artists within the festival
By arrangement: technical support from the digital stage
Open Call:
Please write a 1-2 page concept for your project idea, a letter of motivation, a sketch
for the technical implementation and a short artistic vita to the production manager of
our festival Siri Thiermann by 1.5.21
thiermann@theaterrampe.de

Am Freitag, den 19.03.2021, feierte der Vlog MP, PLACE TO BE des Jungen Volks*theaters seine Online-Premiere. Im Vlog geht es um den Marienplatz und alles, was es darauf gibt – oder geben könnte. Die fünf Ensemble-Mitglieder entwerfen in ihren Rollen als Youtube-Kunstfiguren ihre eigene Marienplatz-Vision und führen die Zuschauer*innen in eine verrückte Zukunft der Stadt.

So tritt Lajla Durakovic als Expertin für Entspannung und Beauty auf, die den Marienplatz als große Wellnes-Oase vorstellt. Sie zeigt, dass es sich bei der Treppe des Marienplatzes um eine Wärmetreppe handelt, deren Nutzweise sie ihren Zuschauer*innen auch gleich demonstriert. Candy Lee Kimberg berichtet von ihrer Leidenschaft für Musik und präsentiert, wie einen der Brunnen am Marienplatz wie Beyoncé singen lässt. Nebojša Stojanović tritt als Gamer auf und präsentiert die technischen Innovationen des Platzes: In der Zacke sieht er eine fahrbahre LAN-Partys, den Mülleimer bestimmt er als Virenscanner.

In Batuhan Kars Video erscheint derselbe Mülleimer als Fotobox. Als Fashionblogger klärt Batuhan seine Follower*innen darüber auf, welche versteckten Schätze der Marienplatz für Modeinteressierte birgt. Eine Bluetooth-Box, die aussieht wie ein Stein und Tanzeinlagen auf den Aerobic-Treppen mit Publikum finden die Zuschauer*innen bei Joel Hakelberg, in dessen Video sich alles um das Tanzen dreht. Auf diese Weise entstehen fünf Paralleluniversen, in denen der Marienplatz mit einer jeweils eigenen Welt überschrieben wird.

Das Junge Volks*theater ist ein Kooperationsprojekt mit der Schickhardt-Gemeinschaftsschule und dem Jugendhaus Heslach unter der Leitung der Theaterpädagoginnen Siri Thiermann und Larissa Probst. Der erste Probenteil fand in der Schickhardtschule und im Theater Rampe statt. In den Proben entwickelte das Ensemble in Improvisationen und Theaterübungen szenisches Material, lernte Grundlagen des Theaterspielens kennen und betrieb Feldforschung auf dem Marienplatz.

Aufgrund des Lockdowns wurden die Proben schließlich ins Digitale verlegt. Auch hier wurden Ideen gesponnen, wurde Theater gespielt und schließlich die Idee des Vlogs geboren. In den Online-Proben schrieben die Ensemble-Mitglieder am Drehbuch, recherchierten und analysierten Vlogs aus dem Internet und entwickelten ihre verschiedenen Marienplatz-Welten. Mit ihren eigenen Handys drehten sie schließlich die Videos.

Wer den Vlog noch besuchen möchte: Der Link kann unter karten@theaterrampe.de angefordert werden.

Nachdem das letzte EINMISCHEN zum Thema „How to be an Antiracist“ leider verschoben werden musste, fand am Sonntag den 28.02.21 eine Online-Version des Formats zum Thema Mode statt. Es war die erste EINMISCHEN-Veranstaltung in dieser Spielzeit. EINMISCHEN ist ein Open-Space-Format, das jungen Menschen einen offenen Ort des Austauschs zu den verschiedensten Themen bieten möchte, es ist eine Kooperation des Theater Rampe mit dem Schauspiel Stuttgart, dem JES und dem Theaterhaus.

Neben den zwölf Expert*innen, die eingeladen waren, dem Publikum mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, füllte sich der ZOOM-Raum mit über 40 Fenstern (siehe Bild oben).

Die Expert*innen zum Thema dieser Ausgabe, „Just Fashion“, kamen unter anderem von den Organisationen Future Fashion und Clean Clothes Campaign, außerdem waren Ausstatter*innen, Kostümbildner*innen und Schauspieler*innen von JES und Schauspiel, eine Modedesignerin und eine Mitarbeiterin des Stadtmedienzentrums dabei.

Es gab drei Gesprächsrunden zu den Themen Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit, Mode auf der Bühne/im Theater und eine lockere Austauschrunde, die Teilnehmer*innen konnten sich selbst aussuchen, wo sie teilnehmen wollten und einfach dem jeweiligen Breakout-Room beitreten. Neben den Gesprächsrunden gab es unter anderem ein „Laber Board„, ein „Statement-Shirt Atelier“ und ein „Mood Board“, Online Tools die einen Austausch auf kreative Art ermöglichten.

Insgesamt ist die Veranstaltung sehr gut gelaufen und hat auch als Online-Format gut funktioniert. In jeder Gesprächsgruppe sind interessante Gespräche zu weitgehend politischen Themen entstanden. So ging es zum Beispiel in der lockeren Austauschrunde lange um genderspezifische Mode und bei der Runde „Mode auf der Bühne“ wurde viel über Stereotypen gesprochen, die man bei der Kostümentwicklung bedient.

Laura Schilling widmet sich im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ einer szenischen Recherche über den „Lübcke-Prozess“, den sie am OLG Frankfurt beobachtet hat: Wie übersetzt sich das rechtliche Geschehen in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume? Das Theater als „andere“ Öffentlichkeit dient als Raum der Orientierung für die Frage: Wie kann man der Normalisierung rechter Diskurse entgegentreten? Hier ein kurzer Arbeitsbericht der Künstlerin:

Es ist kurz vor sechs Uhr am 16.06.2020, im dämmrigen Morgenregen vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat sich eine lange Warteschlange gebildet. In dem Gebäude gleich um die Ecke der Konstablerwache wird in vier Stunden der Prozess gegen Stephan Ernst und Markus H. eröffnet. Verhandelt wird der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der rassistische Angriff auf Ahmed I.

Vor dem Gerichtsgebäude, über dessen Eingang Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in groben, sperrigen Buchstaben geschrieben ist, stehen Journalist_innen teilweise seit den späten Abendstunden des Vortages an. Ein Journalist erzählt uns, dass er für das Freihalten eines Platzes über Nacht 200 Euro gezahlt habe. Der Prozess in Frankfurt steht unter besonderer Beobachtung: Juristisch ist der Strafprozess ein Staatsschutzverfahren wegen des politischen Charakters der Straftat. Medial erfährt der Prozess erhöhte Aufmerksamkeit, weil ein Neonazi mutmaßlich zum ersten Mal seit 1945 einen Politiker ermordete.

„Prozessbeobachtung“ ist der Versuch den über sieben Monate laufenden Gerichtsverhandlung performativ zu befragen. Wie kann eine Übersetzung des rechtlichen Geschehens in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume geschehen? Wie ist sie bereits geschehen? Wir beginnen diese Erinnerungsarbeit, in der unsere subjektiven Erfahrungen als Zeug:innen des Verfahrens durch intersubjektive Erinnerungen der Medien, die Narrative der Öffentlichkeit, versuchte objektive Prozessprotokolle herausgefordert werden. Wir werden zu doppelten Zeug:innen: Wir können bezeugen, wie Zeug:innen während der Verhandlungen versucht haben sich zu erinnern, während wir uns in dem Prozess selbst zu erinnern versuchen. Der Grundsatz der Öffentlichkeit ist neben dem Mündlichkeitsgrundsatz und Unmittelbarkeitsprinzip eine Prozessmaxime des Strafrechts, die nur in absoluten Ausnahmen eingeschränkt werden darf. Aber welche Öffentlichkeit sitzt eigentlich im Gerichtssaal? Wer wohnt der Verhandlung bei? Wie halten wir das Gesehene, Gehörte, Gefühlte fest? Über die Ausgestaltung des Öffentlichkeitsgrundsatzes kann der Strafsenat entscheiden und der vorsitzende Richter Sagebiel hat entschieden, dass keine elektronischen Geräte im Publikumsraum erlaubt sind. Erinnern heißt, assoziativ statt wortwörtlich, subjektiv statt dokumentarisch vorzugehen. Beobachtungen werden nachträglich nach Schwerpunkten und Thematiken geordnet, statt chronologisch wiedergegeben, sind oftmals unverfügbar, bis sie durch eine Gesprächssituation wachgerufen werden. Vergessen ist Teil unserer Prozessbeobachtung, der keine unmittelbare Stütze erlaubt ist, denn ohne Akkreditierung darf nicht mitgeschrieben werden. Unsere Prozessbeobachtung ist darauf angewiesen, sich zu erinnern. Zur Begleitung des Prozesses haben wir wöchentlich ein Podcastformat aufgenommen, in dem wir über unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen gesprochen haben.

Die erste szenische Versuche innerhalb des Residenzzeitraums waren Hinweise für uns und eingeladene Betrachter:innen, dass die künstlerische Bearbeitung des Prozesses und der gesammelten Erinnerungen performativ etwas ‚Anderes‘ als die Medienberichterstattung über diesen Prozess entstehen lässt. Diese ‚andere‘ Öffentlichkeit des Theaterraums kontextualisiert die Öffentlichkeit des Gerichtraums. Denn diese bleibt, wie Cornelia Vismann, Medientheoretikerin, herausstellt, immer auch ein Ideal: Die Architektur des Gerichtssaals ist immer zugleich die Umsetzung des Öffentlichkeitsgrundsatzes. „Es beginnt mit dem Rückzug in ein geschlossenes Gebäude, in dem die Zahl der Sitzplätze über die Größe der Öffentlichkeit entscheidet.“ (Vismann 2011, 134) Diese andere Öffentlichkeit bleibt auch der Raum, in dem eine andere Erzählung von dem Prozess stattfinden kann, eine andere Erzählung über Hass, rechte Gewalt und Rassismus. Ein anderer Raum, in dem Betroffenen zugehört wird. Ein anderer Raum, in dem Rassismus und rechte Gewalt nicht normal sind. Ein anderer Raum, in dem wir entwerfen können, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.

Artikelreihe diskus: https://diskus.copyriot.com/news/prozessbeobachtung-mythos-einzeltaeter

Kontaktmöglichkeit: prozessbeobachtung@gmx.de

Josephine Stamer, Arthur Romanowski, calendal und Laura Schilling trafen sich in Gießen beim Studium der Angewandten Theaterwissenschaft. Gemeinsam interessieren sie sich in ihrer Theorie und ästhetischen Praxis für gesellschaftliche und politische Strukturen der Vergangenheit und Gegenwart, ohne den Fluchtpunkt eines zukünftigen emanzipierten Miteinanders aufgeben zu wollen. In unterschiedlichen Konstellationen arbeiteten sie gemeinsam an Theater-, Performance-, Choreografie- oder Soundprojekten kollaborativ.

Josephine Stamer (*1992) ist wohnhaft in Köln und arbeitet als Performerin, Sounddesignerin, DJ und Kuratorin. Sie studiert aktuell Klang und Realität an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Sie arbeitet in verschiedenen Konstellationen und in verschiedenen Rollen an künstlerischen Projekten – meist an den Schnittstellen zwischen Klang, Bewegung und Installation.

Arthur Romanowski, (*1992) geboren in Berlin, arbeitet als Autor, Performer und Regisseur. Mit Irgendwas für Irgendwen an Irgendeinem Tag im Juni erhielt er 2018 den Jury-Preis der Körber Stiftung.

Laura Schilling (*1995) geboren in Wurzen, Sachsen, lebt zurzeit in Frankfurt a.M., wo sie den Masterstudiengang Curatorial Studies an der Städelschule und Goethe-Universität Frankfurt absolviert. Sie arbeitet als Kuratorin und Dramaturgin. calendal, (*1994) geboren und aufgewachsen in und um Berlin und Bremen, arbeitet mit choreographischen, performativen und szenografischen Mitteln als Teil der apokalyptischen tänzerin*nen, solo und in weiteren kollaborativen Arbeitsformen an Fragen wie sich Gesellschaften strukturieren, wie solidarische Strukturen in einer neoliberalen Gesellschaft denkbar sind und wie, auf massivem Unrecht beruhende, Hierarchien und Verhaltensmuster dekonstruiert und entlernt werden können.


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Im Juni 2020 haben wir, Akteur:innen und Institutionen im Bereich der Künste, die in Baden-Württemberg angesiedelt sind, uns zu einem offenen, unabhängigen und disziplinübergreifenden Bündnis für gerechte, diverse und inklusive Verhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb zusammengeschlossen: ein Bündnis, das auf regionaler, bundesweiter und transnationaler Ebene aktiv werden möchte, um einen systemischen Wandel herbeizuführen.

Was uns bewegt, sind die Sorge um die Zukunft der Künste sowie die Überzeugung, dass diese nur dann unabhängig bleiben, wenn sich die Strukturen und Bedingungen des Kunst- und Kulturbetriebs sowie für Kunst- und Kulturarbeiter:innen radikal verändern. Der Begriff „Kunst- und Kulturarbeiter:innen“ schließt für uns sämtliche im Bereich der Künste freischaffend oder angestellt Tätigen ein: von den Künstler:innen, Kurator:innen oder Dramaturg:innen bis hin zu Sicherheits- und Reinigungsdiensten.

Neben dem Anliegen, eine grundlegende Veränderung der bestehenden kulturpolitischen Strukturen und Förderpolitiken in Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung zu erreichen, ist es uns ebenso wichtig, unsere eigenen Arbeits-, Denk- und Entscheidungsweisen im Hinblick auf einen gerechten, diversen und inklusiven Kunst- und Kulturbetrieb auf den Prüfstand zu stellen.

Im Folgenden das erste ausführliche öffentliche Statement des Bündnisses für eine gerechte Kunst- und Kulturarbeit, Baden-Württemberg sowie die Liste der Erstunterzeichner:innen.

(Klick zum Vergrößern)

Vergangene Woche arbeitete die Cellistin Céline Papion im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ an ihrem Recherche-Projekt „Musik in Bewegung“. Seit Jahren entwickelt sie ihre Arbeit als Cellistin in Richtung “Neues Musiktheater”, hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. Hier ein kurzer Arbeitsbericht: “Welche Rolle spielt der Körper der Musikerinnen und Musiker auf der Bühne? Wie wird er in interdisziplinären Projekten thematisiert? Für diejenigen unter uns Musiker:innen, die sich auf Streifzüge in die Welt der “Sichtbaren Musik” begeben, die viel mehr erfordert als das, worin wir ausgebildet wurden, ist es an der Zeit, uns ernsthaft mit diesen neuen Formaten auseinanderzusetzen.

Wie werden wir gut darin (was auch immer das bedeuten mag), Körper auf der Bühne zu sein (faire corps)? Je mehr Musik-Akteur:innen sich im interdisziplinären Raum zwischen Theater, Tanz und Klangkunst niederlassen und sich die Einbeziehung von verkörperten und theatralischen Elementen in der neuen Musik normalisiert, desto intensiver sollten sich Musiker:innen mit Entwicklungsprozessen von Aufführungen befassen. Welche Erfahrungen oder Werkzeuge außerhalb der Musik kann ich in meinen eigenen Arbeitsprozess und meine eigene Ästhetik einfließen lassen? Finde ich überhaupt die Worte, um genau zu vermitteln, was ich hier entstehen lasse?”

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung Neues Musiktheater hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. In der durch COVID eingeschränkten Situation, hat sie sich vorgenommen, mittels Recherche und Konzeptionsentwicklung ihre performative Praxis weiterzuentwickeln und sich konkret der Frage nach der Beziehung zwischen Körper und Komposition zu widmen.

Der Kern ihrer Recherche konzentrierte sich zunächst auf den Körper des ausführenden Musikers und der ausführenden Musikerin und seine:ihre Beziehung zum Instrument im Allgemeinen. Dafür hat sie sich auf viele Quellen aus Kunst, Musik, Soziologie und Philosophie gestützt und mittels eines selbst erstellten Fragebogens den Austausch mit anderen Künstler:innen gesucht. Die Informationen und Reflexionen flossen in ein Tagebuch ein.

Gleichzeitig ist sie auf verschiedenen Ebenen in die Praxis eingestiegen: z.B. im Bereich Tanztheater durch Improvisations-Sessions mit der Schauspielerin Franziska Schmitz und der Choreografin Eva Baumann, aber auch in der Zusammenarbeit mit der Komponistin Yiran Zhao. Gemeinsam arbeiten sie an einem Stück, das sich dem Körper der Cellistin UND dem Körper ihres Instruments widmet: “Journal de mes deux corps”. Ausgangsidee und Materialquelle ist das aus der Recherche entstandene theoretische sowie persönliche und sinnliche Tagebuch.

Mehr über die Recherche auf der Website der Künstlerin: www.celinepapion.net/faire-corps/


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Das teatru-spălătorie, eine unabhängige Künstler*innen-Initiative, wurde 2010 als eine Plattform für Künstler*innen der moldawischen Independent-Kultur gegründet. 2011 hat teatru-spălătorie auch ein Residenz-Programm aufgelegt, das jungen moldawischen Künstler*innen die Möglichkeit zum Austausch mit lokalen und internationalen Gästen bietet. Seit 2018 waren sie mit mehreren Arbeiten am Theater Rampe zu Gast und eigentlich wären sie gerade für eine Residenz in Stuttgart, doch wegen der Pandemie kann die Gruppe nicht nach Deutschland reisen. Ein kurzer Bericht aus Moldawien:

„Letztes Jahr, am 19. Januar 2020, sind wir nach Stuttgart gereist, um DIE ABSCHAFFUNG DER FAMILIE im Theater Rampe aufzuführen. Das sollte unser letzter Auftritt auf der Bühne sein. Kurz darauf begann die Pandemie. Dieses Jahr, am 10. Januar 2021, sollten wir als Teil des Arbeitsprozesses für unsere neue Performance DIE SYMPHONIE DES FORTSCHRITTS (AT), eine Produktion des HAU Hebbel am Ufer, eine einmonatige Residenz an der Rampe beginnen. Da Deutschland bis Ostern im Lockdown ist, haben wir die Residenz hier, in Chisinau, organisiert. Mit der Unterstützung des Theater Rampe haben wir sogar die Möglichkeit bekommen, die Residenz auf zwei Monate zu verlängern. Das ist ein ganz großes Glück und Privileg. Wir haben keine eigene Spielstätte in Chisinau und einen Raum zu mieten, um zu arbeiten, zu proben und zu experimentieren, selbst für einen kurzen Zeitraum, wird immer teurer und unerschwinglicher.

In unserer neuen Arbeit wollen wir über Gewalt sprechen. Wenn wir über Gewalt sprechen, beziehen wir uns normalerweise auf verschiedene Formen physischer Gewalt, wir sprechen über Mord, Überfälle, Vergewaltigung; wir sprechen über Massentötungen, ethnische Säuberungen, Kriege. Wir neigen auch gewöhnlich dazu, Gewalt als etwas zu bezeichnen, das typisch für die Ungebildeten, für die Unzivilisierten ist. Und wir scheinen die anderen Formen, die Gewalt in unseren Gesellschaften angenommen hat, nicht zu bemerken oder ihnen wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt eine Gewalt in der Art und Weise, wie ein Staat beschließt, sich aus der Entwicklung und Unterstützung des Wohlergehens seiner Bürger zurückzuziehen; wenn er beschließt, Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken und Kulturzentren in ländlichen, armen, marginalisierten Regionen zu schließen. Es gibt eine Gewalt in der Demokratie selbst, in der Art und Weise, wie politische Entscheidungen auf demokratische Weise getroffen werden, die dazu neigen, mehr und mehr die Unterprivilegierten zu treffen und den Machthabern nutzen. Eine Gewalt, die definitiv während der Pandemie gediehen ist, wenn manche Länder ihre Bürger schützen und etwa Wanderarbeiter ausbeuten.

Noch wissen wir nicht, wann und ob, oder gar unter welchen Umständen wir unser Stück uraufführen können. Für den Moment sind wir dankbar, dass wir daran arbeiten können.“

DIE SYMPHONIE DES FORTSCHRITTS (AT) ist eine Produktion von HAU Hebbel am Ufer und teatru-spălătorie. Koproduktion: FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Theater Rampe Stuttgart, Festival Theaterformen. Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Alliance of International Production Houses.


++++ ENGLISH VERSION ++++

The teatru-spălătorie, an independent artists‘ initiative, was founded in 2010 as a platform for artists of Moldovan independent culture. In 2011, teatru-spălătorie also launched a residency program that offers young Moldovan artists the opportunity for exchange with local and international guest artists. Actually, they would be in Stuttgart right now, but because of the pandemic the group cannot travel to Germany. A short report from Moldova:

„Last year, on 19th January 2020, we were traveling to Stuttgart to perform THE ABOLITION OF THE FAMILY at Theater Rampe. That turned out to be our last time to perform on stage. Soon after the pandemic started. This year, on 10th  January 2021, as a part of the working process on our new performance THE SYMPHONY OF THE PROGRESS (working title), produced by HAU Hebbel am Ufer, we were supposed to start a one-month-residency at Theater Rampe, one of the co-producers of the performance. As Germany went into another lockdown until Easter, we organised the residency here, in Chisinau. We even got, with the support of Theater Rampe, the possibility to extend it into a two-month-period. This is quite a big luck and privilege. We don’t have our own venue in Chisinau and renting a space to work, rehearse and experiment even for a short period of time, is becoming more and more expensive and unaffordable. 

In our new work we want to talk about violence. When we discuss violence, we usually refer to different forms of physical violence, we talk about murder, assaults, rape; we talk about mass killings, ethnical cleansing, wars. We also usually tend to refer to violence as something that is typical to the uneducated ones, to the uncivilized ones. And we don’t seem to notice or pay much attention to the other forms that violence has taken in our societies. There is violence in the way a state decides to withdraw from developing and supporting the well-being of its citizens; when it decides to close schools, hospitals, libraries, and cultural centers in rural, poor, marginalized regions. There is a violence in the democracy itself, in the way political decisions are taken in a democratic manner tend to hit more and more the underprivileged communities and to benefit the ones in power. A violence that has definitely only flourished during the pandemic when in some countries own citizens were protected and migrant workers were exploited. 

We still don’t know when and if, or even under which circumstances we will be able to premiere our play. For the moment we are grateful that we can work on it.“

THE SYMPHONY OF THE PROGRESS is a production: HAU Hebbel am Ufer and teatru-spălătorie. Co-production: FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Theater Rampe Stuttgart, Festival Theaterformen. Funded by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media as part of the Alliance of International Production Houses.

Seit Anfang Dezember heißt es auf dem Marienplatz: „Suppe für alle“. Immer sonntags lädt die Bürgerstiftung Stuttgart in Kooperation mit dem Ensemble des VOLKS*THEATER RAMPE von 12 bis 13 Uhr zum Essen auf dem Marienplatz ein. Zur kostenlosen, warmen Suppe in Gläsern gibt es Gedichte oder Zeichnungen des VOLKS*THEATER-Ensembles to go!

Die Aktion knüpft an die jährliche Vesperkirche an, bei der Essen kostenlos oder für kleines Geld verteilt wird. So wird jedes Jahr ein Treffpunkt für viele verschiedene Menschen geschaffen und darüber hinaus Unterstützung für Bedürftige geleistet. Durch die Aktion sollen Stuttgarter*innen für die Situation von Menschen in prekären Lebenslagen sensibilisiert werden. Da die Essensausgabe auf diese Weise aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Winter nicht möglich war, ist die Essensverteilung mobil geworden und hat sich über die gesamte Stadt verteilt.

Das VOLKSTHEATER stieß auf die Aktion und beschloss, dass es auch am Marienplatz eine mobile Essensausgabe geben solle. Also wurde ein Wagen gestaltet, der nun jeden Sonntag zum Marienplatz gebracht wird. Verschiedene Mitglieder des Volkstheaters engagieren sich dabei – auch künstlerisch, indem sie zusätzlich zur Suppe auch selbstgeschriebene Texte und Gedichte to-go anbieten und sich manchmal zu spontanen künstlerischen Aktionen verleiten lassen. Damit sind sie jedoch nicht alleine – auch andere Helfer*innen steuern von Zeit zu Zeit eine Gesangseinlage bei.

Viele Helfer*innen begleiten diese Aktion: Der Eintopf im Glas wird im Januar gekocht vom Gasthaus Das Lehen und im Februar vom Da Loretta. Tatkräftig unterstützt wird die Aktion auch vom Verein Helfende Hände e.V., einer Initiative im Gebrüder Schmid Zentrum.

Ab Januar 2021 sind 13 Künstler*innen am Theater Rampe in Residenz. Sie nutzen jeweils bis zu acht Wochen des vermeintlichen Stillstands für Recherchen und zur künstlerischen Weiterentwicklung. Sie vertiefen nachhaltig ihre ästhetischen Fragestellungen, erschließen sich Felder oder Methoden, setzen Impulse für das postpandemische Theater. Wozu im produktionsorientierten Kulturbetrieb sonst kaum zeitliche, räumliche oder finanzielle Ressourcen verfügbar sind, dazu ist hier Gelegenheit.

Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Die Residenzen finden digital oder analog statt. Wir werden hier darüber weiter berichten. Das sind die Künstler*innen und ihre Vorhaben:

Céline Papion

Recherche – Musik in Bewegung

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung “Neues Musiktheater”, hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. Zur Frage nach Körper und Komposition wird sie während der Residenz recherchieren und ihre performative Praxis erweitern.

Philine Pastenaci

Am unteren Rand

Philine Pastenaci führt Interviews mit Menschen am Rand der Gesellschaft: mit Obdach-, Wohnungs- und Langzeitarbeitslosen spricht sie über ihre Lebensrealität, die sich seit der Coronakrise stark verändert hat. Die Recherche soll in eine Audio-Arbeit fließen und ggf. in ein Skript, die Grundlage für eine Neue Musik-Komposition werden kann. Sie möchte damit die oft nicht sichtbaren Geschichten hörbar machen.

Laura Schilling

Im Blick der Öffentlichkeit

Laura Schilling widmet sich einer szenischen Recherche dem „Lübcke-Prozess“, den sie am OLG Frankfurt beobachtet hat: Wie übersetzt sich das rechtliche Geschehen in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume? Das Theater als „andere“ Öffentlichkeit dient als Raum der Orientierung für die Frage: Wie kann man der Normalisierung rechter Diskurse entgegentreten?

Justyna Koeke

Age and the City

Justyna Koeke recherchiert zu älteren Frauen im öffentlichen Raum. Besonders nachts zeigt sich die Abwesenheit und Ängstlichkeit der älteren Generation deutlich. Die Künstlerin sucht nach Formaten, die dagegen wirken können. Geplant sind neben Interviews auch Interventionen im nächtlichen Stadtraum: Abendspaziergänge, Fotografieren, und Kostümentwicklungen, die Frauen ermutigen.

Ülkü Süngün

KulturKanakisierungsKommission

Ülkü Süngün möchte Stuttgarter Kulturinstitutionen kritisch unter die Lupe nehmen: Wird überall, wo Diversität draufsteht, auch Diversität gelebt? Eine umfassende Recherche und die Gründung einer KulturKanakisierungsKommission sollen helfen, Strukturen zu hinterfragen, Räume zu öffnen und rassismuskritische und dekolonisierende Praktiken zu stärken sowie ein erweitertes WIR zu konstituieren.

die apokalyptischen tänzerin*nen  –  Jasmin Schädler & Sara Glojnarić

Über-Setzen

Sara Glojnarić und Jasmin Schädler erforschen im Rahmen ihrer Residenz die Performativität des Übersetzens. Die Übersetzung wird zum künstlerischen Ausdruck – musikalisch, sprachlich und als Mittel der Intervention. Demgegenüber steht eine kritische Befragung gängiger Übersetzungspraxis. Sie erarbeiten während der Residenz übersetzungskritische Performance-Skizzen. 

Surja Ahmed

bond_ASAP_Raumrecherche

Die veränderten Bedingungen durch die SARS-CoV-2-Pandemie regen zu einem Überdenken vorherrschender Raumordnungen an. Die Notwendigkeit eines physischen Ortes des Austauschs wird offensichtlich, doch wie können solche Orte aussehen? Surja Ahmed untersucht welche Rollen Theater und Kunstvereine hier spielen, wie funktioniert an diesen Orten Begegnung und welchen Themen sollten sie Raum geben?

Magda Agudelo

Volks*theater-Vision für Cannstatt

Magda Agudelo sucht nach Bühnen im öffentlichen Raum: Was für ein Theater braucht Bad Cannstatt, der älteste Stadtteil Stuttgarts? Welche Geschichten wollen die Bewohner*innen erzählen oder sehen? Welche Formate passen zu diesen Geschichten? An welchen konventionellen oder alternativen Orten finden diese Geschichten ihren Platz?

Edan Gorlicki

Ghost Gestures

Seit 2015 entwickelt der israelische Choreograf Edan Gorlicki Stücke in Baden-Württemberg. In Arbeiten wie „Lucky Bastards“ und „Impact“ untersucht er gesellschaftliche Themen und die Verantwortung von Künstler*innen und Publikum. Sein Recherche-Projekt Ghost Gestures stellt die Frage, wie sedimentierte körperliche Erinnerungen und nicht inszenierte Bewegungen in der choreografischen Arbeit eingesetzt werden können.

Fender Schrade

Zuhören

Fender Schrade beschäftigt sich in seinem Projekt mit Zuhören als aktivem Prozess im Kontext von Musik/Klang und Theater. Wie kann Zuhören ein musikalischer/ künstlerischer Prozess sein? Schrade recherchiert u.a. nach Konzepten und Praxen des Zuhörens in öffentlichen Aufführungssituationen, speziell im Feld der zeitgenössischen Performance.

Gruppe CIS

Körper-Bild-Wert

Gruppe CIS ( Sabrina Schray & Judith Engel) flottiert als fluides Kollektiv interdisziplinär und mit unterschiedlicher Besetzung. Sie untersucht soziale Körperschaften im Spannungsfeld medialer Settings und gesellschaftlicher Szenarien. Während der Residenz arbeitet Gruppe CIS zum Material „menschlicher Körper“ anhand der Erstellung eines historischen Archivs und Strategien zum disruptiven Potential unseres Fleischs.

Für zwei Wochen war Caroline Creutzburg im Rahmen einer FREISCHWIMMEN-Residenz auf unserer Probebühne zu Gast. Unter dem Titel „deep net dark hole fake rabbit“ beschäftigt sie sich mit der Archäologie des online-Seins und mit dem Internet als einem Ort der Orientierung und des Verpassens. Sie berichtet von ihrer Arbeit:

„Das Konzept zum Stück entstand vor dem Corona-bedingten Streamingwahnsinn – umso wichtiger ist mir gerade, das Thema jenseits des Screens zu verhandeln und darzustellen. Geplant ist ein Bühnen-Hör-Stück im Dunkeln mit meiner mikrofonierter Stimme im schemenhaften Surf-Setting und Versorgung der Zuhörenden mit Links ins Internet auf deren Smartphones. Im www geht man leicht verloren, man spricht vom Internet auch als ein ‚Rabbit Hole‘. Mich interessieren zum einen diese endlosen Weiten, auf die man bei einer einfachen Google-Suche stößt und die einen an die Grenzbereiche des Bedeutungslosen führen.

Gleichzeitig frage ich mich, wie ich eigentlich am so omnipräsenten Internet teilnehme – jenseits davon, als Konsumentin angeprochen zu werden. Und wie kann ich über das online-Sein nachdenken, ohne nur auf die ernüchternde Bilanz einer einstigen Utopie zurückgeworfen zu sein und das Internet auf eine kapitalistische Dystopie zu reduzieren? 

Meine Suche führt mich in die Gefilde der Internetkultur. Diese reicht von Forenbeiträgen zu trivialen Spezialthemen über user-generated video content und Memes bis zu elaborierter Netzkunst und Hacktivismus. Es ist eine reichhaltige Aktivität, deren Schichten und Dynamiken man als non-digital-native aber erstmal durchsteigen muss. Die Premiere ist geplant für den 5.2.2021 im Frankfurter Mousonturm.“

FREISCHWIMMEN ist eine internationale Austausch- und Produktionsplattform für junge Gruppen und Künstler*innen aus Theater und Performance. Sie wird getragen durch brut WienFFT DüsseldorfGessnerallee ZürichHochX MünchenLOFFT – DAS THEATER LeipzigSchwankhalle BremenSophiensæle Berlin und Theater Rampe Stuttgart.

FREISCHWIMMEN bietet mit ResidenzenWorkshop-Showings und Gastspielen und Labs einzelne Module, die je nach den Bedürfnissen der Künstler*innen und Kapazitäten der Häuser unterschiedlich kombiniert werden können.