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Archiv für den Monat Dezember 2013

Grabesrede
 zur Beerdigung/Einpflanzung von Julia und Romeo
auf dem Grünstreifen gegenüber des Theater Rampe in Stuttgart 

 

Es ist nicht so, dass diese Anordnung aus Stechpalme und Scheinzypresse dem Zweck unterliegt, in erster Linie wie alle umgebenden Bäume, eine sinnhafte und stabile Einheit auszubilden damit durch sie ein bestimmter Nutzen für den Menschen erreicht wird. Vielmehr bilden sie das
›monsterbotanische Gefüge‹ aus, das sich aus den miteinander überwallenden Pflanze, ihren
technischen Bauteilen (den Schrauben) sowie aller verwendeten theatralischen Materialien einstellt.
›Monsterbotanische Gefüge‹ sind Materialsysteme, die es allen Beteiligten ermöglichen sollte, sich
als ›Fügende‹ in ihrer jeweils spezifischen Formen hervorzutun. Genau genommen bringen
›monsterbotanische Gefüge‹ je nach aktuellem Zustand ihres Wachstums und je nach den an sie
gestellten Anforderungen jeweils den Konstruierenden, Beleuchtenden, Gießenden, Übertitelnden,
Düngenden, beschallenden, Sägenden oder betrachtend Ruhenden Menschen hervor, der einen
wesentlichen Teil seiner ›künstlerischen Gestaltungshoheit‹ an die Pflanze abgegeben hat.
Indem sie diese durch ihr Austreiben und mögliches Verwildern selbst über den Zeitraum ihres
Wachstums hinweg ausübt, reicht jedoch nicht aus, sich beobachtend ›neben‹ die Pflanze zu stellen und zu versuchen, die Prinzipien zu erfassen, die ihr Wachstum bedingen, um sich dann entwurflich möglichst eng an diese ›anzuschmiegen‹. Das machen die beiden Pflanzen schon selbst. Vielmehr gilt es, die Verhältnisse zu bestimmen, die zwischen botanischen, technischen, kulturellen und anderen gesellschaftlichen Bedingungen vorherrschen.
Denn die Verhältnisse des Kontexts sind das ›Substrat‹ des Theaters wie das der Botanik . Es gilt,
das Risiko einzugehen, in die Gräben, die sich bei derartigen Aktionen ›auftun‹, einen ›kunstvoll
konstruierten Anfang‹ eines monsterbotanischen Stücks einzupflanzen, welches jedem Graben
(mehr oder weniger schnell) ›ent-sprießen kann‹.

AMEN.

 

Hannes Schwertfeger
Bureau Baubotanik
Stuttgart, am 22.12.2013

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anthropozän_motiv

 

Auch das Theater Rampe kommt 2014 im vom Menschen gestalteten Zeitalter, im Anthropozän, an, das den Menschen als größte Naturgewalt erkennt.

Die Rampe-Frage „Wem gehört die Welt“ sei damit vorübergehend beantwortet.

Drei Varianten menschlicher Gestaltungsprinzipien, Ideen des Eingriffs und Zugriffs auf Welt, sind in den nächsten Projekten angelegt: Wissenstransfer (Birthday), koloniale Eroberung (Kongo Müller) und die arbeitsförmige Gesellschaft (X-Freunde).

Mehr zum Anthropozän in Paul Crutzens Geology of mankind.

Am

22.12.2013 um 18:00

präsentieren Baubotanik und Monster Truck ihre Arbeitsergebnisse der etwas über dreiwöchigen Zusammenarbeit.

Veranstaltungslink

Ausgehend vom 2. Kapitel aus Flauberts Roman, das den Themen Ackerbau, Landwirtschaft, Gartengestaltung und Lebensmittelverarbeitung gewidmet ist, forschten die beiden Kollektive aus Stuttgart und Berlin über die Eigenzeit der Botanik, extrem lange Performances, Fragilität und Unvorhersehbarkeit in der Architektur und der Kunst und über Gewalt und körperliche Versehrtheit von Pflanzen und Menschen. Was letztlich Gegenstand des öffentlichen Experiments sein wird, entzieht sich der Kenntnis des Kurators…

Es dürfte Wildwuchs werden.

 

Mit dem öffentlichen Experiment von Monsterbotanik verabschieden wir uns auch in die Weihnachtspause.

Weiter geht es erst am 12. Januar 2014, dann mit dem 3. Kapitel und Ernährungswissenschaftler HK Biesalski und Performer, Autor und Regisseur Andreas Liebmann.

JP

 

Wir sind das nächste Mal live zu erleben im Labor des Theater Rampe am Mittwoch, den 18.12., wie immer ab 17:00 Uhr.

Diesmal bekommen wir um 19:00 Uhr Besuch von Hans-Jürgen Kugler, seines Zeichens Chief Scientist bei dem privatwirtschaftlichen Beratungsunternehmen Kugler Maag Cie. „Chief Scientist“ ist natürlich ein sehr schöner Begriff, eine Art Wissensschaftshäuptling. Wir freuen uns drauf! Was sich genau dahinter verbirgt, und was IT, Change Management, Baubotanik und Langzeit-Performance miteinander zu tun haben – mehr am Mittwoch im Labor.

 

JP

Malte Scholz spricht mit Rafael Capurro über Freundschaft und Abwesenheit. Das Videogespräch ist Teil der Installation „Rafael & Malte Perfect Enterprises“, die am 24. November als Abschluss und Ergebnis der Zusammenarbeit von Malte präsentiert wurde.
Dieses Video zeigt nur Malte Scholz. Ein zweites Video zeigt nur Rafael Capurro.
JP

Malte Scholz spricht mit Rafael Capurro über Freundschaft und Abwesenheit. Das Videogespräch ist Teil der Installation „Rafael & Malte Perfect Enterprises“, die am 24. November als Abschluss und Ergebnis der Zusammenarbeit von Malte präsentiert wurde.
Dieses Video zeigt nur Malte Scholz. Ein zweites Video zeigt nur Rafael Capurro.
JP

Wie wichtig ist eigentlich die Wiederholbarkeit eines Versuchs in der Naturwissenschaft? Wenn die Publikation eines möglichst unwahrscheinlichen Ergebnisses wichtiger ist, als die Überprüfbarkeit, dann nähert sich Forschung der Performance Art.

http://www.economist.com/news/briefing/21588057-scientists-think-science-self-correcting-alarming-degree-it-not-trouble?fb_action_ids=10201944427787600&fb_action_types=og.likes&fb_ref=scn%2Ffb_ec%2Ftrouble_at_the_lab&fb_source=other_multili