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Archiv des Autors: kuhlerampe

Wir gehen bald.

Was wollen wir hinterlassen?

Was kommt dann?

Bleibt alles beim Alten?

Oder was sortiert sich neu?
Wer sortiert was neu?

Der Leitungswechsel am Theater Rampe 2023 steht an. Aus zwei rassismuskritischen Workshops in den vergangenen 15 Monaten entstand der Wunsch des Rampe-Teams nach einer langfristigen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, Rassismus, Klassismus und generellen Öffnungsprozessen.

Das betrifft auch die Frage nach Leitungsmodellen (und den vorausgegangenen Entscheidungsprozessen). Wir haben uns entschieden, den anstehenden Leitungswechsel als offenen, transparenten Modellprozess zu gestalten, um gemeinsam zu lernen, Wissen zu generieren und dieses auch weiterzugeben. Ein Beitrag zur Debatte. Ein Experiment zur gesellschaftlichen Veränderung.

Gemeinsam mit der Prozessbegleiterin Handan Kaymak arbeiten wir seit April 2021 für die verbleibenden zwei Jahre an den genannten Themen. Zu Beginn geht es darum, ein grundsätzliches Verständnis dafür zu bekommen, dass wir alle Teil eines Systems sind, das auf Ausschluss aufgebaut ist, und alles dafür tut, sich selbst zu erhalten und zu reproduzieren.

Wir, das ist die Arbeitsgruppe „Rampe23“, bestehend aus drei Personen aus dem Rampe-Team: Anna Bakinovskaia, Paula Kohlmann und Kathrin Stärk. Unsere Erfahrungen aus dem Prozess teilen wir mit unseren Kolleg:innen und der Theaterleitung. Darüber hinaus wollen wir die Öffentlichkeit einladen und einbinden, Teil dieser Veränderung zu werden.

Öffnung passiert nicht aus neutralen Räumen heraus. Es geht uns darum, Neues auszuprobieren, gesellschaftliche Ungleichheiten hervorzuheben und Fragen zu Machtverteilung und Verhältnissen im Team und im eigenen Umfeld zu spiegeln. Die Gesellschaft wird zu dem, was wir leben und ruft Projektionen hervor. Die Frage der Verteilung von Macht und Strukturen in Verwaltungsabläufen wird sichtbar. Welche Rolle übernehme ich? Welche Privilegien bin ich bereit zu teilen, unter welchen Voraussetzungen?  

Von 21.-23. Oktober 2021 planen wir eine erste dreitägige Veranstaltung unter dem Titel „If you got it, give it“ mit öffentlichen Beratungen, Diskussionen, Workshops und mehr. Gemeinsam mit Publikum, Expert:innen und Gästen aus der Stadt diskutieren wir alternative Leitungsmodelle, gerechte Arbeitsstrukturen, sowie Teilhabe und Machtstrukturen in Kulturinstitutionen.

Wir wollen dafür Verantwortung übernehmen, dass andere sie bekommen.

Dies erfolgt bewusst offen und transparent, um Menschen zu ermutigen und zu aktivieren, Theaterleitung und Strukturen neu zu denken – und sich mit ihren Ideen und Konzepten zu bewerben. Welche Unterstützung brauchen bisher strukturell benachteiligte Personen und Gruppen, um sich perspektivisch auf eine neu ausgerichtete Ausschreibung bewerben zu können? Und natürlich die spannende Frage: Wann haben wir unsere Verantwortung erfüllt? 

Wir freuen uns über Resonanz, Rückmeldung, Fragen.

Schreibt uns!

Als Gründungsmitglieder:innen der Stadt der Frauen* in Esslingen (Theater Rampe, 2018) sind Paula Kohlmann, Sabrina Schray und die Matriarchale Volksküche seit 2019 im Gespräch mit dem Team des Atelierhauses „Condominio Cultural“ in São Paolo über die Idee einer Gründung der Cidade de mulheres* in São Paolo.

Die Pläne, das feministische Festival fortzuführen und als Plattform in Brasilien weiterzudenken, wurden durch die Covid19-Pandemie unterbrochen. Der Austausch und damit die Vorbereitungen für eine Cidade das mulheres* wurden Ende 2020 kurzerhand ins Virtuelle verlegt und sollen als Grundlage für einen realen Austausch 2022 dienen.

Zum Auftakt trifft das Condô Cultural auf die Matriarchale Volksküche, eine Künstler:innen-Gruppe aus Stuttgart. Gemeinsam skypen und filmten sie sich bei einer transatlantischen Kochsession zwischen São Paulo und Stuttgart inmitten der Pandemie. In einer Zeit, in der gemeinsames Essen selten und riskant geworden ist, bringen sich die beiden Kollektive gegenseitig ein traditionelles Gericht aus der jeweiligen Region bei. Auf dem Speiseplan: brasilianische Pamonha und deutsche Kartoffelpuffer. Während viele köstliche Texturen von dampfenden Pasten in die Kamera gehalten werden, tauschen die Köch:innen Wissen, Klatsch und Rituale rund ums Essen aus und lernen, sich an die unterschiedlichen Verfügbarkeiten von Zutaten und Werkzeugen anzupassen und zu improvisieren.

Video und Rezepte Pamonha und Kartoffelpuffer mit Apfelmus: https://condo.org.br/en/city-of-women/

Das Condôminio Cultural – ein Gemeinschaftszentrum und Atelierhaus in der ehemaligen Favela Vila Anglo Brasileira in São Paulo arbeitet seit mehreren Jahren in einem mehrheitlich femininen Zusammenschluss von Künstler:innen an einer gemeinschaftlichen Überlebensstrategie aber auch zusammen mit der Nachbarschaft, die sich als Drogenumschlagplatz von Gewalt bedroht sieht. Angesichts der globalen Krise, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, startete das Condô im März 2020 eine Reihe von Nothilfemaßnahmen aus Solidarität mit den Nachbar:innen und Communities, die für Aktionen von Regierung und größeren Organisationen unerreichbar sind, wie z. B. Obdachlose und indigene Communities. 

Die Matriarchale Volksküche wurde im Rahmen der Stadt der Frauen in Esslingen von Surja Ahmed, Sabrina Schray, Kristina Fritz, Marcela Majchrzak und Jessica Lipp gegründet. Seit 2018 realisieren sie verschiedene Küchen-, Dinner- und Diskurs-Situationen, in denen die Gäste beim gemeinsamen Kochen und Essen diskutieren über die ökonomischen, sozialen und politischen Dimensionen von Lebensmittelverteilung, Essenszubereitung und unsichtbarer Care-Arbeit.

Danke für die finanzielle Unterstützung an das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

Im November feierte STRESS – EIN SINNLICHES SPEKTAKEL noch im Theatersaal Premiere. Pandemiebedingt hat sich das fluide Kollektiv entschieden, die Bühnen-Performance in eine Video-Fail-Compilation zu verwandeln, die ab Dienstag fünf Tage lang zu sehen sein wird. Einen Vorgeschmack gibt dieser Arbeitsbericht:

„STRESS – Der Bildschirmschoner“ hat schon als Format schizophrene Tendenzen. In seiner Schonungslogik ist es einmal Löschwasser für die an Online-Events wundgeschauten Netzhäute, – denn Inhalt sucht man hier vergeblich – andererseits auch Quälerei für die empathischen Seelchen, die die Home-Office-Hölle von behind-the-screen kennen. STRESS ist Stress: Vorhölle mit endlosen Zoom-Meetings bei schlechtem W-Lan, Selbstdarstellungsdruck, neurotischen Kompensationshandlungen, Isolationswahn und dem finalen Hohl-Drehen des gesamten Geschäfts-/Lebens-/Gesellschafts-/Welt-Models.

Irgendwo hatten wir Ende 2019 in den ersten Gedanken zu STRESS einmal notiert, dass die Performance dem Blick in eine Petrischale gleichen soll, wo Bakterien zirkulieren und die Transparenz des gelierten Trägermediums langsam zukeimt. Damals war Covid noch Science-Fiction und Home-Office noch eine großzügige Geste. Die metaphorische Petrischale, durch die nicht nur Bakterien, sondern auch deren Lebensmilieus – sieben Performer*innen – zirkulierten, war in der live gespielte Bühnenversion das abstrahierte Setting eines funktionalen Micro-Appartements.

Dieses von uns obsessiv adaptierte Wohnmodell der Zukunft für Young-Professionals vereint leben, arbeiten, stoffwechseln, Yoga machen, connecten, Druck ausgleichen und kreativ sein auf nur 26 Quadratmetern. Was irgendwann Mal unter dem Titel „Privatsphäre“ als Refugium vom Business galt, wird zum Dampfkessel, in dem die Work-Live-Performance den Druck erhöht bis sich auch die stabilsten Verbindungen verbiegen.

Taubheit, Ticks und Aggressionen sind die Früchte dieser sich täglich wiederholenden Mikrodramen, die meist hinter ausgeschalteten Bildschirmkameras stattfinden, während im Vordergrund an der Stabilisierung einer Ordnung, global oder persönlich, gearbeitet wird. STRESS ist einfach die Umkehrung dieses Blicks: es lassen sich nur noch windige Ursachen, Ziele und Motivationen für die emotionalen Landschaften der performten Psychosomatik finden; es bleiben alle allein und eine größere Apparatur, die das Zerfleddern legitimieren oder fordern würde, stets unsichtbar.

STRESS ist deshalb mehr Atmosphäre oder eine Collage freigestellter Affekte als Inhalt; ein Bildschirmschoner eben wie die ikonische Microsoft-Wiese unter dem perfekt bewolkten Himmel, nur mit Menschen und schon ist es messy.

Die Übersetzung in Film fügt dem das hinzu, was im Petrischalenkontext das Mikroskop leistet, sie zoomt ran und aus dem Zirkulieren der Performer*innen durch den Bühnenraum ist Mitte 2021, – sicher auch gefüttert durch die pandemische Erfahrung – ein Reigen der gestressten Oberflächen und zerstäubenden Persönlichkeiten geworden.„STRESS – Der Bildschirmschoner“ rückt dem Schweiß, den Tränen und den Zuckungen der Young-and-Old-Professionals im Selbstoptimierungsparcour noch näher, löst die übriggebliebenen erfassbaren Zusammenhänge zwischen Hintergrund und Vordergrund und fordert auf zu einem letzten Tanz.

Fun Fact: In der performativen Durchführung war STRESS überraschend unstressig, Stress performen kennen und können offensichtlich alle. Wenn es darum geht, abzuliefern, dass man so richtig gestresst ist, ist das vielleicht fast wie Therapie. Keine*r der Performer*innen ist ausgebildete*r Schauspier*in, aber selten haben wir uns so professionell gefühlt wie beim Konzipieren und Perfektionieren der individuellen Stresszustände von Heulkrampf bis zur Weltflucht.

STRESS – DER BILDSCHIRMSCHONER ist ab Dienstag, 22. Juni, um 20:00 on demand zu sehen. Tickets und mehr gibt es hier.

Für das Festival 6 TAGE FREI 2021 war eine sechsköpfige Gruppe für die vierwöchige Arbeitsresidenz am Theater Rampe ausgewählt worden – ermöglicht durch das Festival und TANZPAKT Stuttgart. Laura Albrecht, Astrid Bischofberger, Lydia Eller, Miriam Lemdjadi, Rica Lata Matthes und Angela Siebold arbeiteten an der Rampe an ihrer Performance UNSICHT BAR, die Lebensrealitäten zwischen Mutterschaft und künstlerischer Tätigkeit sichtbar machen und neue Strategien entwickeln will.

Zwei Tänzerinnen, eine Theaterschaffende, eine Sängerin, eine Historikerin und eine Filmemacherin öffnen den Raum für das Unsichtbare und arbeitet mit Parallelwelten und Projektionen. Hier berichten sie, wie sie die Zusammenarbeit in der Residenz erlebt haben:

„Aus großer Verzweiflung heraus als freischaffende Künstlerin und Mutter während des ersten Lockdowns mit zwei Kindern zu Hause, keinerlei Zeit und Energie mehr zu haben, der beruflichen Tätigkeit nachzukommen, abgeschnitten von der Außenwelt, wurde die Idee der UnsichtBar geboren.

Diesen Zustand der Unfreiheit, der Bewältigung alltäglicher Routinen, Bedürfnisse stillen zu müssen und eigene zu unterdrücken und gleichzeitig die berufliche Existenz und künstlerische Schaffenskraft nicht zu verlieren, einmal sichtbar zu machen, mit anderen Künstlerinnen und Müttern zu teilen und neue Strategien zu entwickeln, Gestaltungsmöglichkeiten auszuprobieren und die Arbeit neu erfinden, war und ist ein großer Antrieb dieses Projektes. Die Idee zündete bei allen Beteiligten sofort und entfachte ein Feuerwerk an Ideen. Wertschätzung und Solidarität prägten von Anfang an den Prozess.

Dieser begann natürlich über Zoom, in ganz Baden-Württemberg verteilt saßen wir vor unseren Bildschirmen und bald kannten wir Kinder und Partner, fieberten mit bei Schwangerschaft und Geburt, bedauerten ausfallende Projekte und Vorstellungen und bereiteten die Residenz vor. Stillen, nicht erscheinen, später kommen oder sich früher verabschieden, all das war von Anfang an nicht nur geduldet, sondern gefordert; Arbeiten, so wie es für uns geht, das was möglich ist, ohne Druck und schlechtes Gewissen, die Grenzen akzeptieren, war unser Mantra, an welches wir uns gegenseitig erinnern mussten, zu tief saß die Gewohnheit, das Unmögliche möglich machen zu wollen.

Diese Atmosphäre führte dazu, dass alle das Projekt mit Enthusiasmus und Leidenschaft trugen, füreinander sorgten und das Ganze zusammen hielten, jede übernahm Verantwortung und die Kreativität und der Einfallsreichtum waren nicht zu bremsen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit verstärkte dies, da eine solche Neugierde und gegenseitige Inspiration vorherrschte und dass ohne dass sich alle vorher kannten oder je gesehen hatten.“

„Zu Beginn der Projektplanung konnte ich aufgrund meiner ‚frischen‘ Mutterschaft und aufgrund eines anderen Projektes, das zeitgleich stattfand, noch nicht einschätzen, inwieweit ich während der Residenz dabei sein kann. Während der Zoomtreffen merkte ich aber mehr und mehr, wie wichtig mir das Projekt wurde und wie ich von Mal zu Mal mehr dazulernte, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Als Künstlerin im Austausch mit den anderen Künstlerinnen zum Teil aus anderen Disziplinen. Als Frau, die auf der Suche ist nach einer für sie passenden Art und Weise ihr Frausein zu leben. Und als werdende Mutter, die sich die Herausforderungen des Zusammentreffens von Familie und Arbeit als Künstlerin zwar vorstellen kann und doch einfach noch nicht am eigenen Leibe kennengelernt hat. Nach manchen Treffen war ich bestärkt, weil diese anderen Künstler*innen/Mütter/Frauen mir gezeigt haben, dass es möglich ist, weil sie so mutig voranschreiten und ermutigend und empowernd mir gegenüber sind. Nach manchen Treffen war ich aber auch ängstlich bezüglich dessen, was alles noch auf mich zukommen würde. Als ich dann bei der Residenz mit meinem 3 Monate alten Sohn in Stuttgart war, da spürte ich die innere Zerrissenheit, obwohl jede Akzeptanz von allen Seiten da war. Der Wunsch sowohl für meinen Sohn als auch für meine Leidenschaft als Künstlerin da zu sein, stellte mich vor viele Herausforderungen. So dankbar war ich, als die anderen Künstlerinnen mir meinen Sohn abnahmen, mit ihm interagierten und lachten, sodass ich besser mitarbeiten konnte. So dankbar war ich, dass mir keine einen Vorwurf machte, weil ich mit dem Kopf nie zu 100% dabei war. Niemand beschwerte sich, dass ich nur so ‚wenig‘ Zeit während der Residenz hatte. Ich durfte und darf trotzdem dabei sein. Und vor allem will ich dadurch um so dringender dabei sein. 

Die anderen Künstler*innen stärken mir den Rücken, wenn ich dafür einstehen muss, dass ich Mutter und Künstlerin sein will. Ich habe in den Gesprächen so viel über die strukturellen Nachteile für (arbeitende) Mütter gelernt und werde weiter kämpfen um die Bedingungen für uns Mütter zu verbessern.“

„Montag: das Telefon klingelt – Miriam fragt nach einem Spontaneinsatz am Wochenende – Videografin mit Burnout, Ersatz gesucht. Ich schaue in den Kalender: voll. Samstag wäre aber machbar. Dafür fällt der Onlinespielenachmittag mit den Neffen/Nichten aus oder muss kürzer treten. Die anderen Künstlerinnen sind super nett und ich fühle mich sofort wohl – ich als einzige (Noch-)Nichtmutter. Die Performance hinterlässt Eindruck. Bringt mich trotz aller Spontanität zum langfristigen Nachdenken. Nachdenken über meine eigene Familienplanung. Muttersein und Kunst und Theater… wie geht das zusammen?“

„…Hier handelt es sich wohl um das erste Projekt, welches meine Kinder in positiver wohlgesinnter Erinnerung behalten. „Wir kommen auf jeden Fall wieder nach Stuttgart“ und gleichsam nicken sie mit den Köpfen, wenn ich Ihnen berichte, dass ich dann auch wieder 1 Woche mit Übernachtung dort proben werde.

Es waren nur 2 Tage mit Kindern vor Ort, aber da sie in der Residenzwohnung und im Theater eine bejahende Atmosphäre vorfanden, ein Ja zum Kind einer Tänzerin, sind sie so lustvoll damit verknüpft. Und natürlich sind wir mit der Zahnradbahn gefahren, haben Eis gegessen und auf dem Marienplatz in der Sonne gesessen, aber genauso selbstverständlich ließen sie sich für das Projekt interviewen oder zuckelten mit den Öffentlichen durch die Stadt, um noch fehlende Requisiten zu besorgen. Das alles gab ihnen einen tiefen Eindruck in den Ort, wo ihre Mutter tagelang abwesend ihre Probearbeiten absolvierte und absolvieren wird.

Das Ja zu meiner Mutter entspannte mich enorm, zumal ich keine Energie aufwenden musste, um den Faktor zu vertuschen oder im Falle zu bagatellisieren. Umso mehr war ich frei in meiner Arbeit am Stück und der Offenheit meiner Kolleginnen gegenüber. Keine zweifelte an, dass jede alle zur Verfügung stehende Energie in das Performance-Projekt geben wird und Keine ihre Kinder vorzuschieben versucht, um den Unannehmlichkeiten zu entkommen. Ich habe tatsächlich noch nie ein Projekt erlebt, welches so verständnisvoll und gleichsam hoch motiviert an der Kunst ein Kunstwerk zusammen erschaffen hat. Das direkt vor Ort sein, das Bett beinahe im Probenraum und doch so getrennt voneinander das private und berufliche zu erleben war enorm gewinnbringend. Morgens meine Kollegin Miriam aus dem Bett schlüpfen zu sehen und dann später mit ihr, nach einem ruhig angegangenen Frühstück, uns in voller Ekstase die Improvisationen, Proben der Choreografien, Entwicklung der Ideen und Vertiefung des Erforschten zu erleben, begeisterte mich absolut.

Die Unterschiedlichkeit der Künste vervollständigte unsere künstlerische Dimensionalität. Nach einem ausgiebigen Tanz- Warm-Up glitten wir in Lydias Gesangsübungen, um uns dann in Miriams Schauspiel-Training wiederzufinden. Ich war vollkommen überrascht, was da aus meiner Stimme herausgekitzelt wurde. Ich achtete diese Frauen, welche so frei und kreativ sich ins Volle stürzten, gerade für diesen Kontrast, gerade noch gestillt oder ihre Kinder versorgt zu haben. Und gerade diese Kraft und Bescheidenheit in den Umständen der eventuellen Müdigkeit oder dem Probenbedarf, weil etwas noch nicht ganz so lief, wie eine selbst wollte, sah ich von der Kraft der Mutter kommen.

Ein Genuss war es ebenso unsere Wissenschaftlerin Angela, die ich gefühlt schon kenne, jedoch nie mit ihr in einem realen Raum war, nur in Zoom-Meetings kenne. Zu erleben, wie tiefgründig und ernsthaft, jedoch mit Humor sie diese Forschungsreise mit uns antrat und zu Ende brachte. Ihre Art zu denken und die Dinge in aller Gründlichkeit zu hinterfragen und zu erforschen gingen für mich noch einmal eine Stufe weiter, was und wie ich es bis hier erlebt hatte. Ich habe eine so vertrauensvolle Gesamtstimmung in unserem Team erlebt, was ich gerade im reinen Frauenkreise als sehr energetisierend und unterstützend empfand. Auch unsere jüngste Mutter im Projekt ließ mich staunen und mich an damalige Zeiten erinnern, wie an zwei so wichtigen und wertvollen Orten Kunst und Mutter gegeben und aber auch gefordert wird. Jede einzelne hat für mich in diesem Projekt einen enorm hohen Anspruch an sich selbst gezeigt, welches einen echten Push bedeutete. Die Lust, zusammen in neue Bereiche zu gehen, hat das Projekt für mich sehr kompetent und tiefgreifend gestaltet.“

„Dass die eigentliche Residenz begann, vor Ort, und wir aus Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg zusammenkamen, trotz Pandemie und manchmal mit Kindern, mal ohne, mal zu dritt, mal zu zweit vor Ort, die anderen aber immer im Prozess über Telefon, über Zoom – zu wissen, dass es bei allen arbeitete und es mit uns allen etwas machte, wir uns bis heute nie alle auf einmal live gesehen haben und wir uns und unseren Familien trotzdem vertraut sind, das habe ich zuvor noch nie erlebt. Die drei Wochen der Residenz waren so intensiv, emotional und voller Freude an der gemeinsamen Arbeit. Unsere Arbeitshaltung führte dazu, stets zu hinterfragen wie es so gehen kann, dass es uns eben nicht zerreißt, wir aber trotzdem alle brennenden Dinge ausprobierten, offen und herausfordernd zugleich – das war faszinierend. An Tagen mit Kindern wurde nichts erzwungen, vor allem nicht das Arbeiten in einem für Kinder wenig einladenden Raum, was die meisten Theater mehr oder weniger sind. Wir sammelten Material und veranstalteten Arbeitstreffen auf dem Spielplatz oder ‚zuhause‘ in der Künstler*innenwohnung, welche gleich zum Wohlfühlort für uns wurde, wo Arbeit und Kinder zusammen liefen und tolle Interviews und Audiomaterial entstanden sind.“

„Die Residenz im Lockdown – in der Vorbereitungszeit zu 6 TAGE FREI haben wir gelernt, zu improvisieren, immer nur kurzfristig zu planen und alle Möglichkeiten offen zu halten. Das sind Fähigkeiten, die wir mit Beruf und Kindern ohnehin schon lange einüben (mussten). Durch die sich aufgrund der Pandemie ständig ändernden Rahmenbedingungen waren wir nun noch mehr in unserem Improvisationstalent gefragt – und das in einem sechsköpfigen Team, in dem jede von uns ganz nebenher noch Familie, andere Jobs, pandemische und persönliche Herausforderungen bewältigen musste.

Dennoch, und das ist, das, was mich am meisten beeindruckt hat, ist es uns gelungen, aus der UNSICHT BAR ein wahrhaftig gemeinschaftliches Projekt zu machen. Und ein persönliches – und das, obwohl wir uns bisher teilweise nur digital kennen. Die UNSICHT BAR ist gewachsen, nicht, obwohl wir all diese zusätzlichen Herausforderungen unter einen Hut bringen mussten, sondern weil: Weil wir alle in dieser Lage waren und sind, ist die UNSICHT BAR zu unserem gemeinsamen Hut geworden. Und sie hat Freude gemacht und war produktiver, als so manche andere berufliche Herausforderung, in der man alleine unter dem Druck einer scheinbaren Trennung von Privatem und Arbeit, unter dem ständigen Schein einer professionellen Ausschließlichkeit zu arbeiten versucht. Unser Credo war von Beginn an: Nicht so tun, als ob, sondern zeigen, wie es ist. Die Arbeit in der Residenz hat mir deutlich gemacht, dass Arbeit mehr sein kann, als sich entscheiden zu müssen. In der UNSICHT BAR war ich nicht nur eine Arbeitskraft. Ich war Wissenschaftlerin und Mutter, Ehefrau, Tochter, Freundin und ich hatte zugleich nicht das ständige Gefühl, eine dieser Rollen für die andere zu vernachlässigen. Wir haben uns gegenseitig ernst genommen und respektiert und das hat unsere Arbeit nicht eingeschränkt, sondern verbessert. Diese Art der Arbeit hat meinen drei kleinen Kindern, meinem Mann und mir gut getan – es hat aber auch meine und unser aller Arbeit authentischer, aussagekräftiger und besser gemacht.

Bei mir bleibt hängen: Wenn man die Strukturen schafft und wenn sich alle darauf einlassen, dann kann aus einer Zusammenarbeit ein Zusammenhalt werden, von dem alle profitieren.“

„Das Projekt hat viel mit mir gemacht, Themen aufgewühlt. Ein Theaterprojekt mit zwei kleinen Kindern (0 und 2 Jahre alt), in einer anderen Stadt, zu Corona-Zeiten, ein Stück entwickeln und eine neue Arbeitsweise ausprobieren/ausloten? Auf das hätte ich mich nie eingelassen, wenn ich nicht Vertrauen in Miriam gehabt hätte. Miriam war meine allererste Gesangsschülerin und schon damals unbeirrbar, kreativ, unzähmbar und extrem empathisch. Also wagte ich es und war schon nach dem ersten Treffen via Zoom inspiriert und beeindruckt von unserer Gruppe. 

Viele bis dahin unbewusste Entscheidungen wurden im Verlauf des Projektes aufgewühlt, hinterfragt, unterfüttert. Immer wieder öffnete sich ein Fenster aus meiner kleinen (sehr schönen, wenn auch superanstrengenden) Welt. 

Die Residenzzeit selbst war logistisch extrem herausfordernd. Nur zu stemmen durch meinen Mann und meine Schwiegermutter, die mir selbstverständlich den Rücken freigehalten haben, die mein Künstlerinnensein nie in Frage stellen. 

Der Konflikt in mir selbst blieb, aber ich wuchs- an mir, an uns. Wir (Mütterkünstlerinnen) bestärken uns, glauben an uns, achten uns, inspirieren uns. Das ergab und ergibt eine Energie, die alles mehr als kompensiert und kleinlich erscheinen lässt, was uns vielleicht objektiv schwächt. 

Selten habe ich mich so mit einer Sache, einem Stück identifiziert- selten so viele Diskussionen ausgelöst. Ich bin sehr dankbar für den Mut – unseren, den des Festivals und des Theaters. Jetzt freue mich auf ein mutiges Publikum.“

„WIR SIND GERETTET,
ABER NICHT BEFREIT.“
(NORBERT WOLLHEIM)

Am 8. Mai 2021 – anlässlich des Kriegsendes vor 72 Jahren – rufen DIE VIELEN Baden-Württemberg zum Putzen von Stolpersteinen auf. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg.

Dieser Tag soll als Gedenktag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung in jeglicher Form stehen. Unter Beachtung der Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen sollen an diesem Gedenktag die Stolpersteine gereinigt werden, um deren Inschriften wieder leserlich zu machen und so die Erinnerung an das Schicksal der Opfer aufrechtzuerhalten. Übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung dafür, dass so etwas #niewieder geschieht.

Für die Reinigung der Stolpersteine benötigen Sie:
einen handelsüblichen Abwasch-Schwamm
ein Putzmittel für Metalloberflächen
einige Blätter Küchenkrepp

zusätzlich kann hilfreich sein:
ganz feine Stahlwolle (000 oder 0000) am besten aus dem Baumarkt
eine kleine Flasche mit Wasser
ein Lappen

Um die Steine zu reinigen, gehen Sie wie folgt vor:
Beseitigen Sie den groben Straßenschmutz mit dem Lappen oder einem Papiertuch
Mit dem Schwamm (Sie können ruhig die grobe Seite verwenden)
Reiben Sie den Stein mit dem Metallputzmittel ein und lassen dies einwirken
Nach der Einwirkzeit reinigen Sie den Stein durch kräftiges Reiben mit dem Schwamm
Danach wenn möglich mit Wasser abspülen und mit Lappen oder Papiertüchern trocknen
Wenn vorhanden, dann den absolut trockenen Stein mit der feinen Stahlwolle polieren
Jetzt sollte der Stein wieder glänzen

Eine Übersicht der Stolpersteine in Stuttgart gibt diese Website: www.stolpersteine-stuttgart.de

Magda Agudelo suchte im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ nach Bühnen im öffentlichen Raum: Was für ein Theater braucht Bad Cannstatt, der älteste Stadtteil Stuttgarts? Welche Geschichten wollen die Bewohner*innen erzählen oder sehen? Welche Formate passen zu diesen Geschichten? An welchen konventionellen oder alternativen Orten finden diese Geschichten ihren Platz? Hier ein kurzer Arbeitsbericht der Künstlerin:

Magda Agudelo ließ sich bei der Recherche „Volks*theater – Vision für Cannstatt“ von einem Satz aus Peter Brooks Der leere Raum inspirieren: „Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist“. Den Satz formulierte sie für das Projekt folgendermaßen um: „Man kann unzählige Räume nehmen und zum Ort des performativen Geschehens umfunktionalisieren. Eine komplette Stadt kann zur Bühne gemacht werden.“

Der Schwerpunkt des Projekts war die Suche nach „Bühnen“ im öffentlichen Raum im Stuttgarter Bezirk Bad Cannstatt. Es ging auch um das Identifizieren von Themen, die für dieses Stadtgebiet wichtig sind und mit performativer Kunst behandelt werden können. Bad Cannstatt hat eine komplexe Überlappung von historischen Entwicklungen: von keltischen Fürstengräber über die Römer um 90 n. Chr., die Zeit der Industrialisierung mit metall- und steinverarbeitender Industrie, die Erfindung des Benzinmotors und die erste Büstenhalterfabrik. Sie war im 18. u. 19. Jahrhundert eine wichtige Hafenstadt und auch ein international bekannter Kurort mit orthopädischen Heilanstalten und Hautkliniken. Dabei spielten ihre Heil- und Mineralwasserquellen eine wichtige Rolle.

Parallel zur thematischen Recherche wurde der Bezirk besichtigt und zahlreiche Orte als potenzielle Bühnen identifiziert, aufgelistet und fotografiert. Es folgte eine Intervention auf digitalen Karten. „Bühnen“ in Parkanlagen, an den zahlreichen Brunnen des Bezirks, in der Altstadt, im damaligen Steinbruch – heute Travertinpark – und am Neckar wurden verortet. Dieses Material befindet sich in dem „offenen Arbeitsbuch „Bad Cannstatt – ein Ort für performative Kunst““. Dieses soll als Inspiration für performative Kunst im öffentlichen Raum dienen und eine partizipative Auseinandersetzung mit dem Bezirk und dessen Einwohner*innen, sowie eine transformative Wirkung oder eine Wiederbelebung der Orte anstoßen.

Während der Residenz hat Agudelo die Faszination für die urbane Landschaft – mit all ihren Phänomenen, ihrer Schönheit, ihren Prozessen, ihren Wiedersprüchen – wieder entdeckt. Ihre Vision für Bad Cannstatt ist ein laufendes Programm mit Darbietungen verschiedener performativer Kunstrichtungen. Sie will eine interdisziplinäre, performative Kunstpraxis in Bad Cannstatt etablieren.

Mehr über die Recherche auf der Website der Künstlerin: www.magda-agduelo.de


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Foto: Fabrizio Chiagano/unsplash
Foto: fabrizio-chiagano/Unsplash

TOOLS ist ein digitales Theaterlabor und Festival, das in Zusammenarbeit des Instituts für künstlerische Forschung Berlin (!KF) der digitalen Streaming-Plattform SPECTYOU und des audiovisuellen Online-Diensts Die Digitale Bühne sowie des Theater Rampe Stuttgart entsteht. Das Festival findet vom 14. bis 16. Oktober 2021 statt.
TOOLS bietet eine Plattform und ein Labor für Künstler*innen und Projekte, die an der Schnittstelle von analogem und digitalem Theater, Live Art und Medienkunst arbeiten, und in ihren Methoden und Erzählweisen auf die aktuellen Entwicklungen und Innovationen im künstlerischen und technischen Bereich reagieren.
TOOLS findet hybrid statt. Das dreitägige Festivalprogramm ist digital auf spectyou.com und der Digitalen Bühne zu sehen sowie am dritten Festivaltag im analogen Theaterraum des Theater Rampe in Stuttgart. Im Festival sollen
unterschiedliche digitale und hybride Versuche gezeigt werden.
TOOLS lädt drei Künstlerinnen-Teams ein, in einer zweiwöchigen Laborphase ihre Projektideen zu erarbeiten, weiterzuentwickeln oder umzuarbeiten. Die Digitale Bühne ermöglicht dafür eine virtuelle Ensemblearbeit auf Distanz. Zum Ende der Laborphase werden im Rahmen des Festivals die Tryouts oder Projekte präsentiert. Zusätzlich werden in einem Showcase drei weitere, bereits fertige digitale Theaterproduktionen gestreamt. In einem Workshop können die Künstlerinnen aller sechs Produktionen in den Austausch kommen.
TOOLS sucht drei neue Format- und Projektideen, die mit digitalen technischen Tools den theatralen Raum erweitern, und die Wechselwirkungen von Digitalem und Analogem erforschen möchten. Diese können in Zusammenarbeit mit SPECTYOU oder der Digitalen Bühne entstehen, oder komplett unabhängig entwickelt werden. Alle Genres sind zugelassen. Koproduktionen und bereits begonnene Projekte können ebenso gezeigt werden wie Neuproduktionen oder Tryouts. Im Programm sind sowohl rein digitale als auch hybride und interaktive Formate möglich.
SPECTYOU ist eine Streaming-Plattform für Live-Formate und Aufzeichnungen. Der audiovisuelle Online-Dienst der Digitalen Bühne ermöglicht live Ensemble-Proben und Auftritte über das Internet von verschiedenen Orten aus.
Die drei Versionen digitalstage-web (im Browser), digital-stage-pc (installierbares Programm) und digital-stagebox (erhältliche Hardware) bieten unkomprimiertes 3DAudio mit unterschiedlich niedriger Zeitverzögerung (Latenz). Weitere Informationen: digital-stage.org. Ein Test dieser Technik ist nach Absprache und Verfügbarkeit möglich.

Wir bieten:
• Gage für eine zweiwöchige Probenzeit/Residenz
• Materialkosten
• Premiere im Rahmen des Festivals (in einem rein digitalen oder hybriden Rahmen)
• Austausch und Workshop mit den anderen Künstler*innen innerhalb des Festivals
• Nach Absprache: technische Unterstützung durch die Digitale Bühne
Open Call:
Bitte schreibt ein 1- bis 2-seitiges Konzept zu eurer Projektidee, ein Motivationsschreiben, eine Skizze zur technischen Umsetzung und eine kurze künstlerische Vita bis 01.05.2021 an die Produktionsleiterin unseres Festivals Siri Thiermann: thiermann@theaterrampe.de

—-ENGLISH VERLSION —

TOOLS is a digital theatre laboratory and festival that is organised in cooperation
with the Institute for Artistic Research Berlin (! KF), the digital streaming platform
Spectyou and the audio-visual online service Die Digitale Bühne as well as Theater
Rampe Stuttgart. The festival will take place from October 14th to 16th, 2021.
TOOLS offers a platform and a laboratory for artists and projects who work at
the interface between analog and digital theatre, live art and media art, and who
react in their methods and narrative to current developments and innovations in the
artistic and technical fields.
TOOLS takes place in a hybrid form. The three-day festival program can be
viewed digitally on Spectyou.com and the digital stage, as well as on the third day of
the festival in the analogue theatre space of the Theater Rampe in Stuttgart.
Different digital and hybrid experiments are to be shown in the festival.
TOOLS invites three teams of artists to work out, develop or revise their project
ideas in a two-week laboratory phase. The digital stage enables virtual ensemble
work at a distance. At the end of the laboratory phase, tryouts or projects are
presented during the festival. In addition, three further, already finished digital theatre
productions will be streamed in a showcase. The artists of all six productions can
exchange ideas in a workshop.
TOOLS is looking for three new format and project ideas that use digital
technical tools to expand the theatrical space and explore the interactions between
the digital and the analog. These can be created in cooperation with Spectyou or the
digital stage, or they can be developed completely independently. All genres are
allowed. Coproductions and projects that have already started can also be shown, as
well as new productions or tryouts. Both purely digital and hybrid and interactive
formats are possible in the program.
Spectyou is a streaming platform for live formats and recordings. The audiovisual
online service of the digital stage enables live ensemble rehearsals and
performances over the Internet from various locations. The three versions digitalstage-
web (in the browser), digital-stage-pc (installable program) and digital-stagebox
(available hardware) offer uncompressed 3D audio with different low time delays
(latencies). Further information: digital-stage.org. A test of this technology is possible
after consultation and availability.


We offer:
Fee for a two-week rehearsal period / residence material costs
Premiere as part of the festival (in a purely digital or hybrid framework)
Exchange and workshop with the other artists within the festival
By arrangement: technical support from the digital stage
Open Call:
Please write a 1-2 page concept for your project idea, a letter of motivation, a sketch
for the technical implementation and a short artistic vita to the production manager of
our festival Siri Thiermann by 1.5.21
thiermann@theaterrampe.de

Beim Freiwilligendienst des FSJ Kultur blicken die FSJler*innen nicht nur in ihrer Einsatzstelle hinter die Kulissen, sondern haben die Möglichkeit, innerhalb der zwölf Monate mehrere Bildungstage an anderen Theatern, Archiven, Kunstschulen, Veranstaltungs- und Bildungseinrichtungen, Musikschulen, Museen, Bibliotheken und Kulturbüros absolvieren.

Während des FSJ Kultur können sie sich persönlich und beruflich orientieren, praxisnah lernen und ausprobieren. Im März war Emma Rebmann, die an den Stuttgarter Schauspielbühnen im Einsatz ist, für zwei Bildungstage an der Rampe. Hier Emmas Erfahrungsbericht:

„Im März durfte ich zwei Tage am Theater Rampe verbringen: Am 11. und 12. März arbeitete ich dort mit; um einen Einblick in die Öffentlichkeitsarbeit und auch in den Produktionsbetrieb zu bekommen. Für mich war die Rampe sehr ansprechend, da ich bis jetzt nur klassisches Theater kennenlernen konnte und ich auch einmal modernes Theater erleben wollte. Ich habe dadurch eine völlig neue Perspektive auf das Theater erlangt.

Bei der Produktion von PRINCESS HAMLET, einer digitalen Theater-Serie, durfte ich bei der Ausstattung helfen und konnte immer mal wieder beim Dreh zuschauen. Ich fand es total schön zu sehen, dass trotz der schwierigen Zeit, eine künstlerische Produktion möglich war, die eigentlich als Theaterstück geplant war und dann zu einer coronafreundlichen Webserie umgewandelt wurde.

Für den Jahrestag des ersten Lockdowns wurde ein gemeinsames Gedenken an die Corona-Verstorbenen organisiert, für das ich gemeinsam mit meiner FSJ-Kollegin Fenna noch Plakate gestaltet habe. Auch für den Social Media-Account der Rampe haben wir uns noch etwas überlegt und einen Post gestaltet.

Am Freitag war ich bei der Produktionsbesprechung für den Tag dabei und habe Einblicke in die Planung und Organisation so eines Drehs mitbekommen. Es wurden Close-Ups und Slowmos gedreht und ich hatte die Möglichkeit, die eine oder andere Schauspieler*in kennenzulernen. Zum Schluss habe ich zusammen mit Fenna noch alte Spielzeitplakate sortiert und mir auch gleich eins gesichert. Alles in allem, waren die beiden Tage für mich eine tolle Möglichkeit in die Arbeitsweisen eines anderen Theaters hineinschnuppern zu können.“

Nachdem das letzte EINMISCHEN zum Thema „How to be an Antiracist“ leider verschoben werden musste, fand am Sonntag den 28.02.21 eine Online-Version des Formats zum Thema Mode statt. Es war die erste EINMISCHEN-Veranstaltung in dieser Spielzeit. EINMISCHEN ist ein Open-Space-Format, das jungen Menschen einen offenen Ort des Austauschs zu den verschiedensten Themen bieten möchte, es ist eine Kooperation des Theater Rampe mit dem Schauspiel Stuttgart, dem JES und dem Theaterhaus.

Neben den zwölf Expert*innen, die eingeladen waren, dem Publikum mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, füllte sich der ZOOM-Raum mit über 40 Fenstern (siehe Bild oben).

Die Expert*innen zum Thema dieser Ausgabe, „Just Fashion“, kamen unter anderem von den Organisationen Future Fashion und Clean Clothes Campaign, außerdem waren Ausstatter*innen, Kostümbildner*innen und Schauspieler*innen von JES und Schauspiel, eine Modedesignerin und eine Mitarbeiterin des Stadtmedienzentrums dabei.

Es gab drei Gesprächsrunden zu den Themen Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit, Mode auf der Bühne/im Theater und eine lockere Austauschrunde, die Teilnehmer*innen konnten sich selbst aussuchen, wo sie teilnehmen wollten und einfach dem jeweiligen Breakout-Room beitreten. Neben den Gesprächsrunden gab es unter anderem ein „Laber Board„, ein „Statement-Shirt Atelier“ und ein „Mood Board“, Online Tools die einen Austausch auf kreative Art ermöglichten.

Insgesamt ist die Veranstaltung sehr gut gelaufen und hat auch als Online-Format gut funktioniert. In jeder Gesprächsgruppe sind interessante Gespräche zu weitgehend politischen Themen entstanden. So ging es zum Beispiel in der lockeren Austauschrunde lange um genderspezifische Mode und bei der Runde „Mode auf der Bühne“ wurde viel über Stereotypen gesprochen, die man bei der Kostümentwicklung bedient.

Im Juni 2020 haben wir, Akteur:innen und Institutionen im Bereich der Künste, die in Baden-Württemberg angesiedelt sind, uns zu einem offenen, unabhängigen und disziplinübergreifenden Bündnis für gerechte, diverse und inklusive Verhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb zusammengeschlossen: ein Bündnis, das auf regionaler, bundesweiter und transnationaler Ebene aktiv werden möchte, um einen systemischen Wandel herbeizuführen.

Was uns bewegt, sind die Sorge um die Zukunft der Künste sowie die Überzeugung, dass diese nur dann unabhängig bleiben, wenn sich die Strukturen und Bedingungen des Kunst- und Kulturbetriebs sowie für Kunst- und Kulturarbeiter:innen radikal verändern. Der Begriff „Kunst- und Kulturarbeiter:innen“ schließt für uns sämtliche im Bereich der Künste freischaffend oder angestellt Tätigen ein: von den Künstler:innen, Kurator:innen oder Dramaturg:innen bis hin zu Sicherheits- und Reinigungsdiensten.

Neben dem Anliegen, eine grundlegende Veränderung der bestehenden kulturpolitischen Strukturen und Förderpolitiken in Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung zu erreichen, ist es uns ebenso wichtig, unsere eigenen Arbeits-, Denk- und Entscheidungsweisen im Hinblick auf einen gerechten, diversen und inklusiven Kunst- und Kulturbetrieb auf den Prüfstand zu stellen.

Im Folgenden das erste ausführliche öffentliche Statement des Bündnisses für eine gerechte Kunst- und Kulturarbeit, Baden-Württemberg sowie die Liste der Erstunterzeichner:innen.

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