Archiv

Uncategorized

On Thursday evening, Wanja Saatkamp invited the congress to participate in a collective cooking and eating experience, prepared by two of our guests: the social anthropologist Sebastian Schellhaas from Frankfurt/Main and the writer Yemisi Ogbe from Lagos, Nigeria. Wanja has been working artistically with the format of meals for some time, creating a mixture of debate club, cooking show, restaurant and informal gathering. She presented the format as Vagabundenküche in Summer 2014 during the infamous Vagabundenkongress at Theater Rampe.

This time Wanja was rushing in to prepare a dinner-debate with two food experts from very different cultural backgrounds: Sebastian Schellhaas is a scientist who has specialized in cultures of food and consumption who used to conduct research in Africa for some time and has recently devoted his studies to the first nations in British Columbia, Canada. He is looking at myth and reality of the potlatch, an almost mystical cultural phenomenon, popularized by anthropologists like Marcell Maus and Franz Boas. It’s images of savage tribes offering absurdly big meals and hurling whole wagon loads of food into the deep waters of the bay just to out-spend a rivaling tribe or king that have dominated the debate about the potlatch – for the most part a misleading impression, as Sebastian claims. However I could not help thinking about Sebastian’s accounts while looking at the huge Mövenpick buffet offered to the Hunger-researchers at the conference hotel. A buffet that was presumably downsized to match the occasion…

The other host and cook was Yemisi Ogbe. Yemisi for years has written and blogged about Nigerian food. I had read a piece by her about fish soup and eroticism in Nigeria a while ago. And it was just that dish, fish soup, she offered to us. The interesting twist was this: Yemisi claimed that a woman offering fish soup to a man is as clear a sign for erotic intentions as – say – asking your date to come upstairs for one last coffee after a night out. Maybe more obvious, I don’t know. It astonishes me that a certain dish can carry such clear signs. I imagine a whole language made up of dishes, every ingredient a syllable, every course an argument, every spice an exclamation mark… So offering to make fish soup for this dinner seemed to me a beautiful gesture of admiration and sympathy to us. But we had to participate in the creation, chop the Okra and the tomatoes and so on. So it was not just a gift of sympathy from her to us, but it made us treat ourselves with some love. To extend love to the group, but also ourselves and each person individually. The act of preparing and giving food is an essential cultural and deeply emotional practice. Yemisi has written a piece for the conference about how giving food to your children as a mother is not only an act of love but also a complicated net of familial inheritances, care, guilt and knowledge.

Sebastian for his part suggested a dish, that was illustrating his thesis about what actually accounts as food. He prepared a typical rural and basic German dish: boiled potatoes, fried eggs and spinach. But it was prepared as a casserole and baked in the oven. The same ingredients but a very different effect, look and feel. Was this the familiar childhood dish or something totally different? Sebastian told two stories how during his field trips to central Africa he encountered the phenomenon, that people would not necessarily consider a certain dish – in his case a pizza – “food”, if it didn’t fulfill certain cultural expectations. What is food and what not, what is edible and what to be despised, depends on a whole array of factors, social, cultural as well as nutritional.

Wanja created out of all these ingredients an admirable atmospheric event in a former wine store in the building of Theater Rampe. A celebration of eating and talking food, sociability and care for one another. It’s intimacy was of course due to the small number of people who joined, but in many respects it was also an offer for an alternative approach to the sterile, nervous, fast paced, functional feel of the Conference.

Lieber Oliver,

Du gehst nun fort und machst dich auf die Reise. Alle unsere Reden haben nichts geholfen, wir wussten vermutlich, dass wir dich nicht aufhalten würden können. vermutlich waren sie deswegen auch so schlecht. aber ich will dir doch noch ein paar Worte mehr mit auf den Weg geben. Ich kann nicht sagen, dass ich es bedauere, denn es ist ja unvermeidlich.

Als ganz kleiner Junge hattest Du eine Leidenschaft für Landkarten. Du konntest Dir stundenlang Südamerika, oder Afrika, oder Australien betrachten und dich in die Wonnen der Erforschung versenken. Damals gab es noch viele weiße Flecke auf der Erde, und wenn Du auf einen stießt, der auf der Karte einladend aussah (aber das tun sie ja alle), dann legtest Du den Finger darauf und sagtest: ›Wenn ich groß bin, will ich dahin gehen.‹ An einigen davon bist Du gewesen und … nun, wir wollen nicht davon reden. Aber einen gab es noch, den größten, den weißesten sozusagen, nach dem Dir der Sinn stand. Aber tatsächlich ist es kein weißer Fleck mehr. Er ist mit Strömen, Seen und Namen angefüllt worden. Er hat aufgehört, ein Raum voll köstlicher Geheimnisse zu sein. Er ist zu einem Ort der Finsternis geworden.

Die Imagination Hunderter Forscher war schon vor Dir dort. Sie sind mit ihren Wanderstiefeln durchmarschiert und haben jedes Dinge benannt, bevor es überhaupt jemals jemand angeschaut hat. Sie haben mit der Fackel der Wissenschaft das Leuchten des Geheimnisses verdunkelt. Und schließlich sank die Sonne tief ans Ende ihrer Bahn, wechselte von blendendem Weiß zu tiefem Rot, ohne Strahlen und ohne Hitze, als wollte sie plötzlich verlöschen, zu Tode getroffen von der Berührung mit jener über einer Menschenmasse lastenden Düsternis.

Du wirst dort nicht finden, was Du suchst. Vorausgesetzt Du weißt überhaupt, was Du suchst. Mit deinem Fünf-Pfennig-Flussdampfer mit einem Kinderpfeifchen daran. Als wärst du einer jener Schaffenden mit einem Kapital. Eine Art Gesandter des Lichts, ein Apostel. Ist das eine Art Avantgarde-Komplex des Künstlers. Wo ich bin ist vorne? Oder wie bei Horst Mahler: Ob rechts oder links, Hauptsache radikal? Warum ist das Neue, unbekannte, eine Qualität für sich? Wird Kunst besser, nur weil sie sich weiterentwickelt? Oder Gesellschaft? Warum also interessiert man sich überhaupt für die Quantenwelt, wenn die Gesetze der Quantenphysik sowieso nur im atomaren Größenspektrum relevant sind? Wir leben doch ganz gut in der Makrowelt…

Du bist weder der erste noch der letzte, warum also überhaupt reisen? Frage Dich selbst, Oliver: Ist es eine Reise zu einem Ort hin oder bloß weg von einem anderen? Ich verrate Dir etwas: Du wirst genau das finden, was Du jetzt schon kennst. Das Neue, das wirst Du gar nicht erkennen, wenn Du ihm begegnest. Du wirst immer nur in Dich selbst hinabschauen, und es kann sein, dass das was Du siehst, sehr enttäuschend ist. Die Finsternis, das ist unser Geist. Nicht das Licht, die Finsternis. Der pulsierende Strom des Lichts oder der trügerische Fluß aus dem Herzen einer undurchdringlichen Finsternis. Da draußen gibt es nur Dich, sonst nichts.

Ich sehe Dich vor mir, wie Du deine Schuhe über Bord wirfst, zu dem Teufelsgott dieses Flusses. Du könntest Dich nicht einsamer und trostloser fühlen, wärst Du deines Glauben beraubt worden oder hättest Du die Bestimmung deines Lebens verfehlt.

Aber Du bist ja taub für alles außer himmlischen Bildern und Klängen, blind und taub. Die Erde ist für Dich nur ein Übergang. Für uns ist sie der Ort, an dem wir leben müssen, an dem wir uns mit Anblicken, Tönen, auch mit Gerüchen, bei Gott, abfinden müssen, wo wir auch einmal verfaultes Flußpferdfleisch riechen müssen, ohne uns vom Ekel unterkriegen zu lassen. Und hier, siehst Du, hier kommt die Kraft ins Spiel, der Glaube an die eigene Fähigkeit, die Kraft der Hingabe, nicht an uns selbst, sondern an ein finsteres, widerwärtiges Geschäft. Und das ist schwer genug.

Ich nehme an, dass Du mich für barbarisch oder gefühllos hälst. Aber in dem Raum in dem ich sitze ist eine Lampe – Licht, weißt Du – und draußen, da ist es so scheußlich, scheußlich finster.

 

 

 

JP

 

APOCALYPSE NOW

In this war, things get confused out there, power, ideals, the old morality, practical military necessity. But out there with these natives, it must be a temptation to be god. Because there’s a conflict in every human heart, between the rational and the irrational, between good and evil. And good does not always triumph. Sometimes, the dark side overcomes what Lincoln called the better angels of our nature. Every man has got a breaking point. You and I have one. Walter Kurtz has reached his. And very obviously, he has gone insane.

Lieutenant General Corman

 

„Wer über die Quantentheorie nicht entsetzt ist, der hat sie nicht verstanden.“

(Niels Bohr; Nobelpreis 1922)

 

In Gefahr und höchster Not, bringt der Mittelweg den Tod.

Alexander Kluge/Friedrich von Logau

 

 

 

 

Prolog.

Kaltstart. Das Patrouillenboot QUANTUM legt ab, fährt einen großen Bogen und begibt sich auf seine Reise in das Herz der Finsternis. An Bord Prof. Tilman Pfau, Prof. Tommaso Calarco, Oliver Schmaering, andere.

LOGBUCH-EINTRAG No.1

Fahrt in die Anderswelt. Aufmerksam, bewaffnet, ahnungslos.

Links der Dschungel, rechts der Dschungel, voraus das Ungewisse.

Die ANDERSWELT kann die Welt der Quanten sein, das Jenseits, die Unterwasserwelt, Nordkorea, ein Paralleluniversum, das Reich des King Kong hinter der großen Mauer, das Innere eines Schwarzen Loches.

Was braucht es, um sich in der Anderswelt zurechtzufinden?

Wie zähmt und/oder kartiert man das Fremde?

Welche Strategien sind dort erfolgreich?

Wie werde ich dort der Beste?

Wie überlebe ich dort?

LOGBUCH-EINTRAG No.2

Das Boot am wilden Ufer. Abstecher in den Dschungel. Erkenntnisse sammeln. Welche Pflanzen sind essbar und so weiter.

Entdecke, dass angeblich 30 Prozent des Weltbruttosozialprodukts mit der Quantenphysik verdient werden. Wie das? Smartphones, Rechner, CD-Player, Fernseher. Aber das sind noch keine 30 Prozent. Wahrscheinlich kommen etliche Steuerungseinheiten dazu? Autoelektronik, Signaltechnik, Satelliten, Luftfahrt etcetera?

ZIEL der Recherche:

Erstellung eines Ratgebers, eines Survival-Kits der Ideen.

In das Survival-Kit gehört:

-Mittelwege meiden

-Verstehen, dass die beobachterabhängige Welt des Glücklichen eine kausal andere sein muss als die des Unglücklichen. (Stichwort: Philosophiestudium nachholen? Oder ein neues Labor einrichten?)

Recherchebeginn 26.11.2014, 16:06 Uhr