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Archiv für den Monat Juli 2017

-� Daniela Wolf 02393Ein Gespräch mit Putte am 16.07.17, der Tag „danach“:

Es war zehn vor zehn und wir wußten, der Laden schließt, das HOUSE macht zu und Martin hatte ungefähr 27 Schlüssel, ich hatte ungefähr 22 Schlüssel. Und wir sind zum Roulette-Tisch gegangen und wussten genau, da liegt ja diese Karte „die Liebenden“, also die Liebe. Und dann war natürlich klar, wir setzen jetzt alles auf diese eine Karte. Und haben unseren Berg an Schlüsseln dahin gelegt und das Rad drehte sich – und wer hat gewonnen? Die Liebe!!
Das war das erste Highlight.
Wir haben über 700 Schlüssel gewonnen! Wir haben das HOUSE gesprengt. Und dann haben wir uns gefragt, was machen wir jetzt damit? Es war kurz vor Ende und wir haben uns in Windeseile überlegt, wir bringen jetzt alle Leute hier in der Mitte unter dem wheel of fortune zusammen und rufen das Bedingungslose Grundeinkommen für alle aus. Dann haben wir diesen ganzen Sack mit den Schlüsseln ausgeschüttet und Grundeinkommen heißt ja: Leute bedient Euch. Aber dann ist das allerschönste passiert. Es hat sich niemand bedient, sondern die Leute haben ihre eigenen Schlüssel auch noch auf den Berg gelegt. Und das werd ich niemals vergessen, und das mein ich so, wie ich’s sag.

Love. It’s love in the end!

 

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Kritik auf nachtkritik.de (13.07.17):
https://nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=14243:the-european-house-of-gambling-das-stuttgarter-theater-rampe-laedt-mit-tanja-krones-intellektuellem-zockerparadies-zum-nachdenken-ueber-herrschaftsfreie-raeume&catid=38&Itemid=40

Bericht/Vorankündigung in den Stuttgarter Nachrichten (14.07.17):
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.s-sued-theater-rampe-marienplatz-im-spielcasino-der-werte.41de06f3-f23f-462c-bc28-771fae434946.html

Kritik in der Stuttgarter Zeitung (17.07.17):

Kritik in der Eßlinger Zeitung (13.07.17):

Ja! Kommen Sie näher! Treten Sie ein! Hier finden alle ihr Glück!

Mitten auf dem Marienplatz ist ein Komet gelandet. Was für eine Jahrmarktsattraktion. Ein Jahrtausendereignis! Es herrscht Ausnahmezustand. Hypnotisierende Musik, blinkende Lichter, das Klirren irdischer Metalle durchdringen den abendlichen Sommerwind. Aus kleinen Buden fallen skurrile Showmaster, Gaukler*innen, Spielhüter und verführen die wartende Menge durch zauberhafte Gebärden und geheime Botschaften. Geht es gleich los – oder sind wir schon mittendrin im Spiel?

In einer waghalsigen Mischung aus Spielhölle, Schaubude und Wettkampfarena treffen sich die Besucher*innen, um zu zocken. Auf Brettern, die die Welt bedeuten, gilt es alles zu verlieren, alles zu gewinnen und stundenlang im Spiel zu bleiben. Karten fallen, Würfel rollen, Stäbe erzittern bei der kleinsten Bewegung. In der Mitte ein Ring. Hier wird um Werte gekämpft – denn wenn die Ressourcen erschöpft sind, muss geopfert werden. Alles steht zur Disposition: das Publikum wettet auf den*die Gewinner*in und feiert den gemeinschaftlichen Verlust. Die Schlüssel zum Glück fliegen uns um die Ohren, das Gehirn schüttet nonstop aus: Dopamin, Endorphine. Wir spielen uns in Ekstase. Denn über allem, jenseits von Urteil und Einfluss, von individuellem Geschick und Schicksal, schwebt das Glücksrad: „ALL IN!” Der Zufall verteilt um. Gewinn, Verlust, Status – alles wandert weiter. Ist das noch Willkür oder schon (wieder) Gerechtigkeit?

Mit einer internationalen Spieltruppe tingelt THE EUROPEAN HOUSE OF GAMBLING von Stadt zu Stadt, dem diversen Europa auf den Fersen und der einen Frage: Lässt sich soziale Gerechtigkeit zwischen den Schichten, den Ländern, den Nachbarn*innen, den Geschlechtern herstellen? Wer will das? Wer will was? Wie viel Lust haben wir (wirklich), unser Haben zu teilen mit denen, die im Soll sich baden? Was müssen wir opfern, wenn wir uns auf ein solches Unterfangen einlassen? Und: wer soll das eigentlich organisieren? Vielleicht sind es ja doch die Narren, die die Welt retten.

Vom 11.-16.07.17 ist THE EUROPEAN HOUSE OF GAMBLING auf dem Marienplatz in Stuttgart Süd.