Gehostet von Theater Rampe und der Schwankhalle Bremen haben sich am 16. und 17. November 2020 aktuelle FREISCHWIMMEN Künstler*innen und Häuser online zum Lab getroffen: Einem Kick-Off Treffen, das die neue FREISCHWIMMEN Runde einläutet.

Die Labs sind als intensive Arbeits- und Austausch-Formate konzipiert. Hier wird das Zusammentreffen aller Künstler*innen sowie Partnerhäuser der Plattform ermöglicht. Fast zwei volle Tage gab es in virtuellen Präsentationen und Gesprächen Austausch über die jeweiligen Projekte, Arbeitsweisen und Vorhaben der Gruppen in unterschiedlichen Online-Formaten. Dabei wurden die Beteiligten nicht nur in Probenprozesse und auf Theaterbühnen, sondern über Google Maps auch in betonierte Neubaugebiete in Leipzig und Zürich mitgenommen, bekamen ein kurzes Live-Konzert vorgespielt, konnten Duft-Erlebnisse durch visuelle Eindrücke und detaillierte Beschreibungen fast riechen und waren sich am Ende doch alle einig: Das sinnliche Theatererlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Das Zweiergespräch wiederum funktioniert auch virtuell sehr gut: In 15-minütigen „Breakout-Sessions“ gab es kurze Kennenlerngespräche zwischen den Leiter*innen/ Dramaturg*innen der FREISCHWIMMEN-Häuser und den Künstler*innen.

Am virtuellen Lagerfeuer mit Snapchat-Masken haben sich am Abend Ananas und Kartoffel über die Zukunft des Theaters ausgetauscht – als digitale WG Party. Input gab es dazu aus der vorherigen FREISCHWIMMEN-Runde von Caroline Creutzburg, Till Korfhage (Mobile Albania) und Cilgia Gadola (ehem. Produktionsleitung FREISCHWIMMEN).

Mit dabei im FREISCHWIMMEN-Netzwerk sind 2021/22:

CHICKS* freies performancekollektiv

Criptonite / Edwin Ramirez + Nina Mühlemann

DIE SOZIALE FIKTION

Gruppe CIS

Lau Lukkarila

Sandra Chatterjee

Saskia Rudat

Syndikat Gefährliche Liebschaften

Die Labs sind als intensive Arbeits- und Austausch-Formate konzipiert. Hier wird das Zusammentreffen aller Künstler*innen sowie Partnerhäuser der Plattform ermöglicht.

FREISCHWIMMEN ist eine internationale Austausch- und Produktionsplattform für junge Gruppen und Künstler*innen aus Theater und Performance. Sie wird getragen durch brut Wien, FFT Düsseldorf, Gessnerallee Zürich, HochX München, LOFFT – DAS THEATER Leipzig, Schwankhalle BremenSophiensæle Berlin und Theater Rampe Stuttgart.

FREISCHWIMMEN bietet mit Residenzen, Workshop-Showings und Gastspielen sowie Labs einzelne Module, die je nach den Bedürfnissen der Künstler*innen und Kapazitäten der Häuser unterschiedlich kombiniert werden können.

Die Reihe KEINE EINFÜHRUNG wird ins Digitale verlagert und ab sofort zum Podcast, den wir am 20.11. erstmals im RADIO RAMPE ausstrahlen. Die Kunstvermittlerin Sara Dahme widmet sich diesmal STRESS – EIN SINNLICHES SPEKTAKEL von Gruppe CIS. Sie ruft dafür – ganz coronakonform – bei den Künstler*innen an, um über das Stück zu sprechen, das am 30.10., also kurz vor dem lighten Lockdown, noch Premiere feiern konnte. Ob die Gruppe im Stress ist, oder jetzt gaaaanz viel Zeit hat? Hört selbst!

Folge 1 zum Nachhören

VOLKS*THEATER RAMPE ist ein Nachbarschaftstheater aus Stuttgart Süd, dass sich mit aktuellen Themen und Fragestellungen im Viertel beschäftigt. Auch dem 15-köpfigen Nachbarschafts-Ensemble aus Stuttgart Süd, dem VOLKS*THEATER RAMPE, fällt es schwer, die Füße stillzuhalten. Über die Einladung von Andreas Vogel ins RAKETENRADIO XXL, haben sie sich daher sehr gefreut: Ab sofort gibt es monatlich kleine Beiträge in der Webradioshow, die live aus der Rakete sendet: Stimmen aus Stuttgart-Süd passend zur aktuellen Sendung. Am 12.11. gab es einen ersten gutgelaunten Beitrag zum Thema schlechte Laune. 

Die Mitglieder des VOLKS*THEATER-Ensembles zeichnen in einer Umfrage auf dem Marienplatz ein Bild von der Gefühlswelt der Menschen, die ihn bevölkern: Damit bleibt das Volks*theater seinem Grundgedanken treu, den Marienplatz besser kennenzulernen und mit der Nachbarschaft des Theater Rampe ins Gespräch zu kommen. Alte Menschen, junge Menschen, ein Taxifahrer, Schüler*innen, Imbissbudenbesitzer*innen – jede*r kommt zu Wort. Obwohl die Gemütslagen der Passant*innen sehr verschieden sind, bleibt doch ein recht zufriedener Gesamteindruck, schließlich ist das Wetter schön. Die alltäglichen Eindrücke vom Marienplatz können dem*der ein oder anderen schlecht gelaunten Zuhörer*in ein Lächeln aufs Gesicht zaubern – da sind wir uns sicher:

Das RAKETENRADIO geht das nächste Mal am 13.12. auf Sendung – mit einem Weihnachtskonzert CHRISTMAS TIME IS HERE!, einer Benefizsendung mit Max Braun, BRTHR, Long Lost Souls, Los Santos & Tremolettes.

Freitag, der 13. war in unserem Falle ein Glückstag. Endlich konnte das JUNGE VOLKS*THEATER nach einer langen (coronabedingten) Pause die Arbeit aufnehmen und eine erste Probe stattfinden lassen.

Bei diesem Projekt arbeiten wir mit jungen Menschen zusammen und wollen gemeinsam ein Theaterstück zum Thema „Marienplatz“ auf die Bühne des Theater Rampe bringen. Bereits in der ersten Probe war die Ideenwerkstatt in vollem Gange – einige Teilnehmer*innen brachten schon ihre ersten Ideen mit. Ein professionelles Filmset mit Greenscreen wurde aufgebaut, eine komplette Nachrichtensendung aufgenommen und die Teilnehmer*innen konnten sich selbst und die anderen in Aufwärmspielen besser kennenlernen. Außerdem wurde eine „Schatzkiste“ mit allen Ideen angelegt, auf die wir im Laufe der Proben immer wieder zurückgreifen können. Alles in allem ein erfolgreicher Auftakt mit motivierten Schüler*innen, der definitiv Lust auf mehr machte!

In ihrer niemals endenden Abfassung DIE GROSSE ZOOLOGISCHE PANDEMIE erforscht Natascha Gangl seit dem Ausbruch der sogenannten Schweinegrippe in Mexiko 2009 die Bilder, Muster und Gegebenheiten einer Pandemie. Sie stellt dabei Mechanismen einer Sprache aus, die korrumpiert, infiltriert, pervertiert und schafft eine Zoologie der Einbrüche vom Privaten bis ins Politische. Die Figuren heißen „ich“, heißen „du“, springen von „die da“ zu „wir da“ und legen Festschreibungen des Eigenen und Fremden beständig aufs Kreuz. William S. Burroughs‘ These von Sprache als Virus fungiert dabei als Leitmotiv, die Textfläche bleibt lebendig, funktioniert wie ein Baukasten, dessen Module für jede Aufführung umgebaut, aktualisiert und weitergeschrieben werden können. Dieser Text ist niemals uraufführbar, dieser Text ist ständig uraufführbar. „Haus der Antikörper. Das Prinzip Nosferatu“ ist eine solche Adaption und Fortschreibung fürs Theater Rampe.

1.) TEXTE FÜR ALLE

1.1) TRAFFIC/ BLUTBAHN 1

1.2) POST KOLLAPS

2.) DUETT FÜR 2 VAMPIRE (GEHIRN)

3.) TEXTBAUSTEINE FÜR SONGS, OFF-TEXTE etc.

1.1) TRAFFIC /  BLUTBAHN I

FÜR BELIEBIG VIELE SPRECHER*INNEN

x            Weißt du noch genau den Tag, wo ES begonnen hat? Wo es sich eingeschlichen hat, wo                                                    es sich dann nach und nach den Raum genommen hat, die Kraft genommen hat, wo es egal wurde, wer Deine Freunde sind und wie man mit ihnen umgeht, und drauf               geschissen, was dein Körper durchhalten kann, und drauf geschissen, was der Garten                                                                und was das Feld – was das Wohnzimmer und was das Feld –  wo überall die Ernte               ausgeschrieen wurde und alles, was erreicht werden konnte von Oktopusarmen in                                                             Kisten verpackt, in Plastik eingeschweißt und verschifft wurde?

x          Also, das war am –

x          Also am –

x          Am?

x          Also, das war wie –

x          War wie –

x          Ist wie –

x          Als würde ES –

x          Als würde ES einer – innewohnen –

x          Jaja –  innenwohnen – genauso – ES –

x          Ja, ES –

x          Ging um –

x          Innen –

x          Es –

x          Wann immer Du begonnen hast den Mund aufzumachen –

x          Kam es raus –

x          Es kam raus –

x          Es kommt raus –       

x          ZACK! Erwacht es zu Leben –

x          Übernimmt das Ruder –

x          Kriecht hinfort von einer –

x          Zur nächsten und je weniger wir uns darunter vorstellen können –

x          Umso besser kriecht es, fliegt es –

x          Eine Bombe!

x          Von einer zu anderen, – ich rede da um ein Leben –

x          Welches?

x          Es geht ja um so viel –

x          Was?

x          Es muss weitergehen, ich muss ES teilen –

x          Ich muss es teilen –

x          teilen –

x          teilen –

x          teilen –

x          teilen –

x          schleudern –

x          teilen –

x          teilen –

x          teilen –

x          eine Verpflichtung anzustecken –

x          mit meinem Körper wurde ein Vertrag unterzeichnet –

x          Es hat mich umgebaut –

x          Es hat mich umfunktioniert –

x          Ich kann mein System nicht mehr aufrecht erhalten, ich packe Worte, Bilder, Panik –            formatiere sie zu einem Ganzen – sehe zu wie ich sie in andere Münder, in andere Augen     schiebe, auf die Rücken klopfe, schreie:

x          Weiter, kau es! Weiter, schluck es!

x          Das überlebt ja nicht bei mir,  ich muss es unterbringen –

x          Es muss sich vermehren, es muss weiter –

x          Weiter –

x          Es muss:

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Halt Dich zusammen. Bleib auf der Geraden, achte auf die Linie,  anstecken und bewegen,       anstecken und bewegen, DURCHBEISSEN, VAMOS. Du wirst schon wieder, wirst schon           wieder Teil des Stroms, Kern verlieren, mitzirkulieren, DURCHBEISSEN –

x          Saug Dir etwas aus Deinen Fingern!

x          Oder saug Dir was aus anderen Fingern!

x          DURCHBEISSEN!

x          Du drehst am Rad, drehst ab, und hast ein Rad ab –

x          Abgefahren.

x          DURCHBEISSEN!

x          Du hast eine Schraube locker und eine Schraube ab. Plemplem –

x          Aua Aua.

x          DURCHBEISSEN!

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Hey, was suchst Du da?

x          Was trägst Du da?

x          Wen trägst Du da?

x          Du wirst zu schwer – Ballast abwerfen – Du musst jetzt –

x          Ballast abwerfen!

x          Finde die überflüssige Stelle, DURCHBEISSEN, finde die schmalste Stelle –

x          Da unter dem Kopf, DURCHBEISSEN, diese Landenge zwischen Kopf und Brust –

x          DURCHBEISSEN, beiß sie durch, jetzt beiß sie durch –

x          Du beißt sie durch –

x          Du beißt sie durch –

x          Bravo –

x          Bravo.

x          Es hat sich, wer sich opfern kann.

x          Feste Reste sichern Ordnung.

x          Du findest jetzt die optimale Route, Go!

x          Du verlässt Dein Zimmer und verlässt es nicht, Du gehst durch die Luft –

x          Engel, Geist, Überschallflugzeug –

x          Sitzt vom Deinem Haus in Dein Auto –

x          Von Deinem Auto in Deinen Zug –

x          Von Deinem Zug in Dein Flugzeug –

x          Weiter –

x          Du sitzt in Deinem Tunnel, Deinem Schlauch, Deinem Kanal – weiter – Wo ist das Licht? 

x          Perfekte Symmetrien, reibungsloses Gleiten, aneinander vorbei gleiten. Du verborgen,            geborgen, aber Teil dieser Präsenz, die alles bewegt –

x          Da ist das Licht!

x          Alles bewegt sich, webt ein Lichtnetz, einen Teppich, einen roten Teppich, auf dem die Zukunft golden voran schreitet!

x          Golden an uns vorbei schreitet! 

x          Wo gehst Du hin?

x          Mit bedecktem Gesicht – durchziehst die Oberfläche –

x          Wo der Weg aussetzt, setzt Du Fuß in die Wand –

x          Wo gehst Du hin?

x          Worauf steuern wir zu?

x          Du durchbrichst die Haut –

x          Du durchbrichst die Schallmauer –

x          Kollaps oder Ausbau?

x          Kollaps oder Ausbau?

x          Kollaps oder Ausbau?

x          Ausbau!

x          Ausbau!

x          Da ist nichts kaputt, das ist kein bleibender Schaden.

x          Das geht schon, das geht schon –

x          Das erholt sich wieder –

x          Das hat keiner mitbekommen –

x          Das wird schon wieder –

x          Weiter weiter weiter –

x          Das war doch nur ein Filter, so ein kleiner Filter – du bist im nächsten Leben!

x          Weiter – es geht die glatten Wände hoch, da sind Wege zu finden, wo nie zuvor Wege          waren und wer zuerst durchbricht, wer zuerst die Barriere einreisst, hebt danach die Maut        ein, darf die Preise festsetzen –

x          Die Preise stehen, die Masse läuft.

x          Für die, die nachkommen ist da kein Leck, ist da keine Wunde.

x          Wo eine vorläuft, kommen die anderen leicht nach! Ein neues Gebiet, ein gänzlich neues     Gebiet!

x          Hoch auf die Pionierin!

x          Hoch auf die Erfinderin, die Entdeckerin!

x          Hoch auf die Anfängerin!

x          Hier holen wir noch was raus!

x          Hier bauen wir noch was ab!

x          Ist da draussen schon jemand?

x          Ist da jemand aussen vor?

x          Können die zuarbeiten?

x          Die schliessen wir an.

x          Wir beziehen die ein.

x          Da holen wir was raus.

x          Wir holen alles raus.

x          Den Kraftaufwand minimieren.

x          Den Zeitaufwand minimieren.

x          Da wird markiert

x          Determiniert, optimiert, kalkuliert – da geht was!

x          Wir bleiben im Bild, im Diskurs, im Kasten, im Kästchen, das Kästchen im Kästchen,

            auch 5 Meter unter der Erde, liegen wir wach und warten auf die Nacht in der wir leuchten      können!

x          Achte auf die Gewohnheiten –

x          Keine Auffälligkeiten –

x          Schöne Leiber – tapfre Seele. Gutes Gedeihen – maßvolle Lust.

x          Reg Dich nicht auf!

x          Denk mal an Antriebsenergie –

x          Denk mal an Verschwendung –

x          Denk mal daran wie Du Deinen persönlichen Einsatz minimieren kannst –

x          Denk mal an Lasttiere, Zugtiere, Träger –

x          Bewegst Du noch oder transportierst Du schon?

x          Fühlst Du Dich getragen? Fühlst Du Dich oben auf?

x          Gehts noch? Gehst Du noch?

x          Bist Du schnell oder siehst Du schnell aus? 

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Du gehst Deine geraden Wege, das heißt solche, die nicht krumm sind, aber wenn       irgendwo ein Hindernis auf Deinem Weg liegt, stößt Du es mit dem Fuß zur Seite – ruckedigu ruckedigu, Blut ist im Schuh! Das ist der Unterschied zwischen Menschen und          Wegen, daß die Menschen Füße haben, die Wege aber keine –

x          Und weiter!

x          Wer gehen muß, kann nicht stehen bleiben, denn wenn einer ansteht, geht er nicht.

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Weiter –

x          Nachlegen –

x          Leuchten, Verglühen –

x          Nachlegen –

x          Aufflammen – 

x          Verglühen –

x          Nachlegen –

x          Schwimmen, Verschwimmen –

x          Gewimmel, um Dich Masse, die trägt –

x          Teilt –

x          Leuchtet –

x          ES trägt –

x          Teilt –

x          Leuchtet –

x          ES trägt –

x          Teilt –

x          Leuchtet –

x          ES trägt –

x          Teilt –

x          Leuchtet –

(Dieser Kreislauf – wird – hier – nicht –  enden.)

1.2) POST KOLLAPS / BLUTBAHN II

FÜR BELIEBIG VIELE SPRECHER*INNEN

x          Nähern wir uns der Seele des Einbruchs, des Verbrechens, das wir aneinander begehen,             solange an, bis wir es durchsteigen!

x          Oder zertreten!

x          Ergeben wir uns der Selbstläuferin Sprache.

x          Huch, ein Lauffeuer!

x          Zündeln wir an der lebendigen Lüge von Außen und Innen.

x          Infizieren wir uns an der verbalen Influenza – lassen wir sie von einer Zunge zur nächsten   springen.

x          Tauchen wir ab in den Wortstrom, der uns an ein Neuland führt oder in den      Abwasserkanal unserer Denkstätten.

x          Wir hoffen, wir haben die Gummistiefel dabei.

x          Und verstehen wir heute mal, verstehen wir heute endlich einmal, das wir in die Geschichte geknüpft sind,             die wir zu verstehen versuchen. Dieser Faden, dieser rote Faden läuft

            durch

            uns durch!

x          Es wird schon gesprochen.

x          Es wird schon gesprochen.

x          Es wird schon gesprochen.

x          Schon nach wenigen Dutzend Todesfällen wird von einer potenziell weltweiten Pandemie             gesprochen. Gesprochen wird seit Jahren davon, die Pandemie kommt. Die Frage: Nicht        ob, sondern wann.

x          Das öffentliche Leben wird von drastischen Maßnahmen bestimmt, das wurde besprochen,    drastische Maßnahmen wurden besprochen, mit denen die Regierung das Virus

x          den Virus

x          Das Virus in den Griff bekommen will.

x          Da wird besprochen.

x          Da wurden besprochen das jetzt –

x          Erst mal die Soldaten, dass die –

x          Soldaten an Bahnhöfen nach Erkrankten suchen. Der Präsident ermächtigte per          Besprechung die Gesundheitsbehörden, Erkrankte zu isolieren, deren Wohnungen zu        inspizieren. Quarantäne. Die Befallenen, die Überfallenen müssen isoliert werden –

x          Ermächtigungsgesetze. Indirekte Ausgangssperre. Medikamentöse Massenbehandlung.

            Wurden besprochen, versprochen.

x          Herzlichen Glückwunsch.

            Es ist ganz klar dass Sie befallen sind. Aber keine Sorge, hier ist die Welt vor Ihnen sicher!

x          Willkommen im Quarantäne-Zentrum ihres Vertrauens! Wir geben auf Sie Acht,    versprochen!

x          Besser kein Händeschütteln,

            Ich bin Ihre Schwester.

x          Besser keine Küsse,

            Ich bin Ihre Ärztin.

x          Entspannen Sie sich. Niemand verlässt dieses Land. Niemand verlässt diese Stadt.    Niemand verlässt diesen Raum.

x          Wir drehen Ihnen jetzt den Rücken zu,

            Ganz ruhig.

x          Sie werden uns doch nicht von hinten anspringen?

x          Sie werden uns doch nicht in den Nacken beißen?

x          Ein Virus lässt dich immer seine unerwünschte Anwesenheit spüren:

x          Hier bin ich!

x          Lebensgemeinschaft!

x          Er lässt dich spüren: Du bist nicht allein.

x          Spürst du meine Hand in Deiner?

x          Spürst du meinen Atem in Deinem Nacken?

x          Spürst du das Kratzen in Deiner Kehle?

x          Spürst du das Jucken und Brennen in der Nase?

x          Du bist nicht länger auf Dich alleine gestellt!

x          Nehmen Sie das nicht persönlich. Sie waren am falschen Ort zur falschen Zeit als der   kleine Einbrecher Ihr Haus erreicht hat.

x          Nehmen Sie das nicht persönlich,  der Einbruch ist eine Seuche, er findet immer auf die   selbe Weise statt. Er erfindet sich – wir erfinden sie –  er findet sie –  unerwartet –

x          Und er wartet im Dunkeln, nur darauf dass er eine lebende Zelle infiltrieren kann, es ist            alles ganz einfach, wartet in ihrem Haus, in ihrer eigenen persönlichen Dunkelheit, um           eine Infektion in Gang zu setzen und sich auf diese Weise zu vermehren.

x          Und bleibt unsichtbar.

x          Erst mit 7000facher Vergrößerung ist es möglich diesen Eindringling zu sehen.

x          Oh – nein mit 8000facher – oh nein – wir sehen ihn nicht mehr!

x          SHIFT! Er formt sich um!

x          Die Antikörper können ihn nicht erkennen! Ihnen ist nichts derartiges begegnet!

x          Die Antikörper fallen, sie fallen zum Fraß, da liegen Sie, liegen zum Fraß!

x          Wir  sammeln sie!

x          Wir sammeln sie!

x          Und töten sie ab!

x          Und töten sie ab!

x          Und die Toten –

x          Die Toten –

x          Können Sie sie sehen?

x          In 7000-facher,

x          In 8000-facher Vergrößerung,

x          Die Toten

x          Shift,

x          Die toten Viren

x          Unsere Hoffnung

x          Die Toten

x          Die Toten

x          Die toten Viren,

x          Die machen uns immun!

x          Wir erkranken nicht!

x          Schwören Sie!

x          Dass die uns immun machen!

x          Schwören Sie!

x          Schwör!

x          Jetzt Schwör!

x          Schwör auf die lückenlose Schutzimpfung!

x          Schwör auf die Quarantäne!

x          Schwör auf unseren gemeinsamen Raum!

x          Niemand verlässt diesen Raum!

x          Der Patient wird von einer hermetischen Schutzhülle in die nächste umgebettet.

x          Dieser Patient entwischt uns nicht.

x          Dieser Patient bleibt uns erhalten.

x          Können Sie ihn sehen?

x          In 7000-facher, 8000-facher Vergrößerung,

x          Shift

x          Verkleinerung

x          Muss er uns derselbe bleiben

x          In diesem Raum!

x          NIEMAND verlässt diesen Raum!

x          Versprechen Sie mir, dass ich heil werde!

x          Wir verlieren Sie.

x          Dass ich ganz werde.

x          Wir verlieren Sie.

x          DASS ICH ALLEINE EINE GANZER TEIL DIESER MENSCHHEIT, SELBSTSTÄNDIG,    OHNE DIE MENSCHHEIT SEIN KANN!

x          Jede Zuckung auf der einen Seite des Globus kann auf der anderen Seite irgendeine       Existenz ruinieren. Wir verlieren Sie.

x          Scheiße.

2.) DUETT FÜR 2 VAMPIRE

Der Anfang von Textbausteinen FETT markiert für mögliche Schnitt/Streichstellen.

…Schlau entgingen die Zwillinge A und B allen Fallen, die ihnen die Herrscher des Totenreichs stellten, und bestanden alle Prüfungen, denen sie unterworfen wurden. Schließlich verkleideten sie sich als vagabundierende Tänzer,

die einzigartige Wundertaten vollbringen konnten.

Sie töteten einander und kehrten dann ins Leben zurück…

A         Wer ist da?

            Hallo?

            Hallo wer ist denn da?

            Hallo hallo hallo …

            Das …

            Das war einmal mein Haus. Es liegt hier jetzt ganz im Dunklen – aber es war ganz mein            Haus. Vor dem Fenster war ein Hügel wo – wo – keiner ist.

            Hallo?

            Von dem Hügel aus, dem Hügel, den es nie gegeben hat, war das Fenster, mein Fenster,           leicht zu erreichen. Sie haben einmal dagegen gedrückt. Es war alles ganz einfach.

            Dachten sich die Einbrecher und dachten sich: Na, hallo! Hier. Hier wird es uns einfach            sein. Hier werden wir holen, was uns nicht gehört und ich dachte mir, was soll man mir             rauben, wo ich doch lebe in so einem kleinen Haus,

            winzigem Haus,

            mini Haus, was kann da schon sein, für andere- (…)

B         Na?

A         Nichts. Das sahen auch die Einbrecher ein und sie             schrieben für mich auf die Wand – hier       – sieh hin – sieh genau hin: Hier! Über die ganze Wand, da stand geschrieben:

            Herzlichen Glückwunsch.

Herzlichen Glückwunsch. Nichts das Dir wertvoll ist kann man Dir rauben.

B         Das war einmal Ihr Körper, das Haus Ihrer Seele, na, da war also einmal etwas das Sie             ausgemacht hat, vor dem Einbruch, wir werden es finden, keine Sorge, es ist in Ordnung,         entspannen Sie sich, machen Sie sich frei, wir legen gleich Hand an,

            leise, ich spüre etwas, die dicke Farbe der Fassade,

            ich rieche etwas, ich lege mal hier den Kopf an die Wand des Hauses Ihrer Seele, ja?!

            Gut so, entspannen Sie sich. Achtung! Ich klopfe da mal leicht mit dem Zeigefinger     dagegen, ja so, da, da sollte noch etwas fest  stehen, etwas von Ihrem ursprünglichen Sein…

            Achtung! Ich lecke mal kurz an der  Wand, mal die Zungenspitze an die Wand ein bisschen,

            das war einmal Ihr Haus, mal sehen ob wir das noch schmecken?  Na? Schmecken was         von Ihnen da blieb und schmecken  was die Einbrecher, was sie Ihnen da hinzugefügt            haben, beruhigen Sie sich, ich sag Ihnen –

A         Nichts. 

Das Dir wertvoll ist kann man Dir rauben.

Herzlichen Glückwunsch

B         Wo soll das gestanden haben?

A         Hier sollte es stehen. Genau hier sollte es stehen.

Herzlichen Glückwunsch.

B         Es ist so dunkel.

A         Ja, es ist dunkel.

B         Pah! Das liegt aber im Dunkeln.

A         Ganz dunkel, ja.

            Nichts, dass dir wertvoll ist kann man dir rauben. Und: Du bist sehr schön. Hier sollte das            stehen.

            Also hier. 

B         Vielleicht war da immer schon so ein Chaos, vielleicht hat hier immer schon so viel gefehlt.

            Kein Einbruch.

            Verfall, könnte das sein.

Der Tunnel den niemand befährt,

der stürzt früher ein, wie die Pflanze, die keiner bespricht.

A         Wie das Kind, das keiner…

                                    Die Klospülung, die niemand …

Den Kuli, den keiner –

B         Ein Einbruch ist eine Seuche.

            Er befällt nicht nur dich.

A         (Keine Küsse, kein Händeschütteln.)

B         Kein Abschütteln des Eigenen hinein in das Fremde.

A         Der Einbruch findet überall statt.

B         Das Fremde wieder aus dem eigenen Heim schütteln.

A         Die Fremden.

B         Der Einbruch findet überall statt.

A         Die ganze Straße lang.

            Immer auf die selbe Weise.

B         Werden die Opfer gemacht.

A         SERIENOPFER!

B         Nimm das nicht persönlich!

A         Komm hoch!

B         Grab dich wieder aus!

A         Komm hervor aus den zerschmetternden Trümmern, die dein Leben waren!

B         Pack deine freigebombten Kellerleichen auf den Leiterwagen und fahr sie selbst aus der       Stadt! Nimm das alles um Gottes Willen nicht persönlich!

A         Wenn du befallen wirst, wenn du bestohlen wirst, wenn jemand deine Geheimnisse klaut,    wenn jemand deine ganze Arbeit stiehlt, wenn jemand dir das Vertrauen raubt, wenn    jemand dein Herz aus der Vitrine holt, ohne dafür was in die Kasse zu legen, wenn jemand     dich vollständig infiziert und deine Wege, die Wege des Anderen werden –

B         Dann nimm das bitte nicht persönlich!

            Es wäre jedem passiert.

A         Alles ist ersetzbar.

B         Wir bohren in dein Haus ein, es möge sicher werden.

            Wir hämmern auf dein Haus ein, es möge sicher werden.

            Wir schrauben durch dein Haus, es möge sicher werden.

            Wir klopfen, wir werfen die Türen auf und zu und zu und auf.

            Wir schütteln die Türen, wir rütteln die Türen,

            Und schwören,

            Wir schwören:

            Hat man ein gutes Schloss, lässt es sich viel leichter mit dem Bewegungsdrang zurecht      kommen!

A         Du wirst Neues finden, das Du bestimmt bald auch so gerne haben wirst,

            dass Du es vor aller Welt verschließen willst.

B         Da können Sie draußen beruhigt laufen so weit sie wollen.

            Und keiner muss im Haus bleiben und die Tür zu halten.

            Gemeinsam wird dann gesund und glücklich über Wiesen gesprungen und keiner muss         eine Angst haben. Erzählen Sie das weiter, erzählen Sie das Ihren Lieben, geben Sie ihre      Freude weiter, teilen sie ihre Gefühle, ihre schönen, teilen Sie sie aus und springen sie mit     ihrer Liebe und den Gefühlen federballschlagend über Feldwege und

            lassen Sie ihre Gefühle dann sicher, in sicherer Hand

            zu sicherer Faust geballt, bei ihrer Liebe ruhen

            so angstfrei,

            Tun sie das mal!

            Rufen sie mal!

            Sagen sie das mal weiter!

            Na?

            Na?

            Ist denn niemand da, der helfen kann ihre Gefühle abzufangen?

A         (Nein)

B         Ist denn da keine –

A         (Nicht wirklich)

B         Da haben Sie doch bestimmt jemanden irgendwo,

A         (M-m)

B         So eine Person, die kräftige Fäuste zu einem kräftigen Herz hat und die gemeinsam für Sie     zu schlagen.

A         (Nein)

B         Sagen Sie es ruhig, Ihre große eine Liebe fühlt sich mitverantwortlich. Sie können zu            geben, dass nicht nur Sie bestohlen wurden, dass das alles auch einen zweiten betrifft.

            So unabgesichert lebt man aber auch nicht ohne Rückendeckung.

            So unabgesichert kann ja keiner sein, der noch etwas zu vergeben hat, der noch ein   Schätzchen im Kistchen, so unabgesichert ist man nicht allein.

            Da sagen Sie Ihrem Liebling, merken Sie sich das für die Zukunft,

            da sagen Sie:

ICH BIN NICHT GANZ DICHT.

HIER BRAUCHT ES EINEN RIEGEL

WIE EIN STALL EINEN RIEGEL HAT

EINEN SAUSTALL- RIEGEL SO EINEN ANSTÄNDIGEN

WIE BEI DEN TIEREN, dass sich da nichts allzu schnell verflüchtigen mag.

A         Es wird Unsummen kosten, ES WIRD MICH ALLES KOSTEN –

B         Soviel ist es auch wieder nicht. Sprechen Sie mir nach: Die Informationsbroschüre zum   Mitnehmen habe ich erhalten und gelesen.

A         Die Informationsbroschüre zum Mitnehmen habe ich erhalten und gelesen.

B         Die Verhaltenshinweise werde ich beachten.

A         Die Verhaltenshinweise werde ich beachten.

B         Im Aufklärungsgespräch wurden mir die Wahl der Methode erörtert.

A         Im Aufklärungsgespräch wurden mir die Wahl der Methode erörtert.

A+B     Ich bin im Bild über die Vor- und Nachteile gegenüber anderen Methoden, über mögliche      Komplikationen, risikoerhöhende Besonderheiten, Verhaltensweisen, Kontrollen.

A         Meine Fragen wurden vollständig und verständlich beantwortet. Ich benötigte keine           zusätzliche Bedenkzeit.

B         Sie haben Ihr Einverständnis abgegeben, das Einverständnis ist weg, schon weg! Sehen     Sie, das hat gar nicht wehgetan.

            Der Einbruch ist eine Seuche, er findet immer auf die selbe Weise statt.

            Er erfindet sich – wir erfinden sie –  er findet sie – unerwartet, und er wartet im Dunkeln, 

            nur darauf, dass er eine lebende Zelle infiltrieren kann, es ist alles ganz einfach, wartet in        ihrem Haus, in ihrer eigenen persönlichen Dunkelheit,  um eine Infektion in Gang zu setzen            und sich auf diese Weise zu vermehren.

            Und bleibt unsichtbar, während auf Ihrer Haut sichtbar Knötchen auftreten

A         Blutende Knötchen

B         Schweißausbrüche

A         Schmerzen

B         Quälendes Brennen

A         Im Mund

B         In Speise und Luftröhre

A         Schwindel

B         Gleichgewichtsstörungen

A         Fieber

B         Kurzatmigkeit

A         Müdigkeit

B         In sanguine veritas

A         Messen Sie.

B         120 zu 80

A         129 zu 84

B         136 zu 87

A         140 zu 86

B         140 zu 87

A         151 zu 99

B         152 zu 99

A         154 zu 100

B         165 zu 106

A         170 zu 109

B         174 zu 109

A         179 zu 109

B         180 zu 110

A         190 zu 114

B         220 zu 120

A         240 zu 120 – WAS IST MIT MIR?

B         Durch die Blutdruckschwankungen bersten kleinere Blutgefäße. Das bedingt ein      Auftreten von Blutpunkten im Fleisch. Inwieweit diese Blutpunkte die Haltbarkeit des     Fleisches beeinflussen, bedarf noch Klärung.

A         Kopfschmerzen, ich habe solche Kopfschmerzen, die Fragen, sie … sie haben sich      verändert, die Fragen rücken immer  dringender, enger, drängender auf den Leib, sie             besteigen mich übers Rückgrat, sie fahren mit Seilzügen ununterbrochen den Nacken hoch, sie steigen zu Kopf und dann! Nehmen sie den Kopf EIN! Es rieselt und rollt und    knirscht und knackt. Ich bin an einem Ort angekommen, an  dem kein Name mehr stimmt       für die Dinge, die sich ereignen.

B         Ah-

A         Na?

            WAS IST MIT MIR? WAS SOLL AUS MIR WERDEN? Wer? Was? Um Himmels Willen ist      in mich gefahren?

B         Pulsus celer, altus, durus

A         Hallo?

B         Pulsus celer et parvus

A         Hallo?

B         Pulsus filiformis (parvus, frequens, mollis)

A         HALLO?

B         Pulsus intermittens. Ah – da kommt ihr Blutbild –  Nur mit der Ruhe. Wir nähern uns     dem Ziel, wir kommen zu Ergebnissen!

A         Mein Blutbild ist aus dem Rahmen getreten –

B         Schwester, mehr Licht bitte!

A         Mein Blutbild es ist so verschwommen, unmöglich irreführende von relevanten       Strukturen zu unterscheiden.

B         Schwester, weniger Licht bitte!

A         Alles das zu sehen ist: Ein schwammartiges Labyrinth und darin Inseln und Archipele,            infantile Zellen, zurückgebliebenen. 

B         Die Diagnose hilft die Veränderungen und Schwierigkeiten zu verstehen.

            Dieses Wissen kommt unseren Beziehungen zu Gute.

A         Da sind Stammzellen aus denen rote Blutkörperchen hervorgehen sollten,            einfliessend in den grossen Blutstrom, aber da reift nichts, da ist nicht genug rot,          da teilt             sich nichts mehr, die Färbung bleibt aus – und trotzdem strömt das heiße Blut so heraus         aus mir, dass man weder Haut noch Wunde sieht, als ob der ganze Körper aus Blut             bestehen würde, und wenn das Blut dort ankommt,    wo es dem Körper entkommt und             eigentlich niedergehen müsste, ist da –

B                                                                       Nichts!

Dass Nichts Dir wertvoll ist!

Dass Nichts Dir wertvoll raubbar ist,

Dass das Nichts, Dir wertvoll und raubbar, das Nichts dir wertvoll und dass das raubbar!

So eine Sauerei!

DU WIRST DICH IN DEM ALLEN NICHT ERKENNEN!

                                                                                                                                                          Du … Ahm … Sie … Sie haben sich ja sehr verändert. Haben Sie heute schon in einen Spiegel gesehen? Können Sie sich überhaupt noch im Spiegel ansehen?

A         Ich brauche Luft, lassen Sie mich endlich an die frische Luft!

B         Unmöglich. Der Einbruch ist eine Seuche.

A         Ich brauche Licht, lassen Sie mich an die Sonne!

B         Unmöglich. Eine Seuche verlangt Schutzmaßnahmen.

            Schutzmaßnahmen brauchen Zeit, Bitteschön.

            Öffnen Sie die Beine.

            Rücken Sie ein Stück weit vor.

A         Ob die Einbrecher von meinem Haus träumen, ob sie es träumen wie –

B         Einen Körper den sie angefasst haben –

A         Wie einen Organismus den sie durchkrochen haben –

B         Haben Teile von sich  hier gelassen und man fragt sich welche –

A         Ich bin mir sicher es waren Teile die sie nicht lassen wollten –

B         Freiwillig –

A         Die ihnen abhanden gekommen sind –

B         Herausgerutscht aus den behandschuhten Fingerspitzen hinein –

A         In die bestohlene Welt.

B         Hinein tasten der behandschuhten Fingerspitzen –

A         In flüssige Oberflächen –

B         Kreiswellen –

A         Niemand.

B         Zärtlichkeit.

A         Niemand.

B         Niemand kann unmarkiert aus meiner Welt verschwinden.

A         Ich finde euch im Supermarkt, auf Parkbänken, wir werden uns erkennen-

B         Erkennen in all dem liegt

            …

            Etwas vermissen

            eine Lücke füllen

            Eigentlich ist das

            …

            Zärtlichkeit

A         An der Gegenständlichkeit erkannt – habt ihr mir über die Schulter gesehen – sehe ich    zurück in ein Haus das meines war.

            An den Spuren erkennt man deutlich:

            Es waren zwei.

B         Drei

A         Vier

B         Zwei

A         Drei

B         Vier

A         Die Auswahl erzählt …

B         Einiges.

A         Die Spuren auf den Wangen –

B         den Wänden solange nachzeichnen –

A         Die Küsse –

B         Die Nachrichten –

A         So lange nach zeichnen –

B         Bis man verstanden und weiß –

A

Dass diese Gefässe immer zerbrechen,

Klack

Knack

Krach.

B         Es kann einem schon ganz schön auf die Nerven fallen, es könnte auch einmal etwas halten, es könnte mehr Personal für die Scherben geben. Man fühlt sich doch immer so        allein verantwortlich, wenn man durch die Nacht her geschrien wird, fühlt sich so allein          verantwortlich, wo man hier sitzt und in die kleinen kranken Äuglein starrt,

            fühlt sich so allein, wenn man Köpfe tätschelt und Hände drückt mit einem:

            Wir haben alle ein Recht darauf die Welt auszuschließen.

A         Du hast mich aufgerissen! ICH BLUTE HIER AUS.

B         ICH BLUTE HIER AUS.

            Heute bin ich extra früh aufgestanden, ich wusste ich kann so nicht weiter machen, dass ich hier definitiv an mein Ende komme, das hier auf der Stelle eine neue Energie her muss   denn – ich oder die – ich oder die – und ich bin vor allen hierher und ich hab mich          begonnen, mich aufgerissen, bevor sich die anderen aufgerissen haben und ich hab den          Raum auf meinen Knien gewischt, ich hab ihn mit meinen Nägeln ausgekratzt, ich hab ihn   mit meinen Händen poliert, ich, ich hab ihn mit meinem Mund abgesaugt und diesen Müll     auf meinen Körper geladen und abtransportiert.

            Schon klar, dass DU das nicht bemerkt hast.

            Aber ich habs gemacht! Ich hab das wirklich gemacht!  Ich schwitze hier und mein Blut liegt     am Linol wie der Tau auf der Wiese, während Du einfach nur bleich und bleicher wirst,             kalt und kälter – du saugst mich ab! Ich weiß ja gar nicht mehr ob du da tot bist oder           schlafend  Was bist du da?! – Die Augen offen, steinern, die Wangen warm in aller Bleiche,     die Lippen rot wie immer – kein Puls, kein Atem, kein Herzschlag – ich kann da kein             Lebenszeichen finden, aber Du bist immer noch da und plapperst plapperst plapperst    weiter – weiter – weiter – Hast Du Dich schon mal gefragt ob Deine Probleme    PSYCHOSOMATISCH sein könnten? Hast Du schon mal gehört, dass es auch dafür    Medikamente gibt? Ist Dir klar, dass Deine Bedrohung von innen kommt, aus Deinem   eigensten Inneren? Mach mal nicht die Anderen ständig für Dich verantwortlich. Vielleicht        findest Du mal einen Urmythos für Dich in dem Du nicht das ständige Opfer bist.

A         DU HÄLTST MICH HIER FEST

            TÜREN, TÜREN, TÜREN, ÜBERALL, TÜREN

            ALLE VERSCHRAUBT –

B         ENTSCHULDIGUNG?! DU HÄLTST MICH HIER EINGESPERRT, EINE MUSS SICH JA          UM DICH KÜMMERN –

A         EINE SOLLTE SICH UM DICH KÜMMERN –

B         Pass auf –

A         Mich auf –

B         Jetzt pass doch auf –

A         Mich –

B         Auf auf mich!

A         Du wirst jetzt sicher nicht das Handtuch werfen und Dir einen Strick daraus drehen!            Untersuch mich! Da! Da greif auf mein Herz, mein Herz ist ein Jesu Herz es ist          geschwollen, es steht vorne und hinten aus dem Körper, es drückt sich durch mit seiner          dünnen Haut, es schwillt so an, dieses weiche Ding, der ganze Saft drinnen – einmal          anstoßen – dann rinnts, es rinnt die           Suppe über die Finger und in die Hose, tropft in die             Schuhe. Dann haben wir die Sauerei!  

B         Du hast eines deiner Antennen Kabel genommen und es geradewegs in die Hauptarterie          meines Herzens gerammt, du hast eine Leitung gebaut aus deinen Antennen und meinen    Arterien, aus Zeug, das sich nicht eignet für             Leitungen, Du bist ins Innere der Leitung und          hast sie bis zum Bersten ausgereckt, hast dich gestreckt, die Arme hoch und auseinand, die Beine, bist Hampelmann gesprungen, und als wirklich nichts mehr ging, da bist du        mit dem Beton gekommen und hast die Leitung ausgegossen mit dem Beton und der             Beton ist fest geworden und jetzt steckt da in meinem weichen Herz der Betonkanal. Den   ich auch nicht schließen kann, für den keiner ein Tor erfunden hat, ich komm da auch gar             nicht ran.

            Schon mal jemanden gesehen, der in seinem Herz gestanden hat? Ich nicht.

            Schon mal jemanden gesehen, der den Finger so weit den Hals runter stecken konnte?         Ich nicht.        

            Und das ist jetzt ein Kanal. Ein Tunnel. Und durch den lässt du deine Antennenfrequenz      direkt rein, du lässt da alles rein. Mit voller Absicht. Du Sau.

A         Dürfte ich mich kurz etwas zurückziehen?

B         Niemand verlässt den Raum, leider, SIE dürfen sich aber gerne etwas mehr anziehen.

A         Hätten SIE vielleicht etwas zu essen für mich?

B         Essenszeiten haben Sie gerade verpasst, leider, hier müssen sich alle nach den gleichen      Zeiten, den gleichen Regeln richten, das ist unser gemeinsamer Raum.

            Essen ist außerdem nicht sonderlich empfehlenswert in Ihrem Zustand – Hören Sie den         Ärzten nicht zu? Sind denn Ihre kleinen Öhrchen auch schon befallen?

A         Ich würde jetzt gerne versuchen zu schlafen

B         Tun sie das.

            Derweil:

            Wir bohren in Ihr Haus ein, es möge sicher werden.

            Wir hämmern auf Ihr Haus ein, es möge sicher werden.

            Wir schrauben durch Ihr Haus, es möge sicher werden.

            Wir klopfen, wir werfen die Türen auf und zu und zu und auf –

A         ICH ertrage das nicht!

            Ich will nach Hause, hier kann man nicht heilen, wie soll ich hier gesund werden, wie soll          ich hier zur Ruhe kommen, wie soll ich mich hier daran erinnern wie mein Körper einmal      war, wie er wieder werden soll?

B         Es ist gut für Sie hier zu sein, bald werden Sie andere Infizierte treffen, da erkennen Sie         dann mal was Sie da eigentlich haben, was das machen kann, was da wirklich hinein kam      in Sie und für welchen Teil Sie ganz alleine verantwortlich sind.

            (…)

            Hallo.

A         Hallo.

B         Na, was glauben Sie: Wessen Grab ist das?

A         Meines Herr, aber es sind Ihre Schlösser, die es zu einem machen, also ist es auch Ihres.

B         Es ist ganz klar dass Sie befallen sind!

A         Der Virus ist eine Lüge er wandert von einem zum anderen.

B         Das Leben ist eine Lüge es wandert von einem zum andern.

A         Die Lüge ist ein Virus sie wandert von einem zum anderen.

B         Das Virus ist ein Leben es wandert von einem zum andern.

A         Die Lüge ist ein Leben sie wandert von einem zum andern.

B         Das Leben ist ein Virus es wandert von einem zum andern.

A         Daher besteht die Welt fort und besteht dadurch, dass sie eine Wiederholung ist – Hurra! B  Hurra. Wenn wir nichts finden erfinden wir was. Wir finden schon was, keine Sorge!

A         Ist das Blut?

B         Wo?

A         Ist das Dein Blut oder mein Blut?

            Hast Du mich angeblutet?

B         Hast DU MICH ANGEBLUTET?

A         Wir beide sind uns verbunden in diesem Alptraum! Wenn du ausm Fenster springst,

            dann fall ich, dann fall ich schon lange. Immer wenn ich mir einen Satz denke, so einen          absoluten Auswegs-Satz, mit dem ich mir eine Öffnung in diesen Raum schneiden kann,

            dreh ich mich um und da stehst du, und du sagst meinen Satz.

            Denk ich mir: Ist nicht wahr!

            Sagst du ihn nochmal.

            Und nochmal.

            Und nochmal.

            Da ist mein Satz, da bist du, da ist dein Mund, mein Satz und der tanzt da durch das ganze   Haus. Und das ist schon ein ganz schönes Stück für mich.

            YOU ARE NOT ALONE!

            Du bist befallen und überfallen wie ich es bin! Es gibt andere wie mich! Ich liebe dich! Ich       liebe dich! Du bist mein Erlösung! Auf der anderen Seite nervt mich das unwahrscheinlich.

B         Auf der anderen Seite nervt mich das unwahrscheinlich. Du hast ja überhaupt keine         Ahnung. Ich mein bei aller Verbundenheit, das ist dann kein Auswegs-Satz mehr sondern    nur wieder ein Im-Haus-Satz. Allerhaussatz. Denk mal drüber nach, ja?!

            Denk mal an diese Kette zwischen uns und denk in Zukunft daran, dass egal was du sagst,     ich es längst gesprochen haben werde.

            Merk dir: Ich brauche meinen Platz, ich brauche einen Raum für meinen persönlichen   Rhythmus! Was hilft es, wenn ich weiß welcher Teil dieses Zustands hier, in diesem Raum,       von mir beigesteuert wurde, wenn dieser Teil abgestellt wird und nur noch der infizierte Teil den Lebensraum gestalten darf?!

            Und außerdem: DU WIRST DICH IN DEM ALLEN NICHT ERKENNEN!

            Ich verlange meine Heimat.

A         WIR VERLANGEN UNSERE HEIMAT!

B         Ich verlange meine Heimat.

A         WIR VERLANGEN UNSERE HEIMAT!

B         NIEMAND VERLÄSST DIESEN RAUM!  DIESER RAUM IST VON AUSSEN BEGRENZT           UND VERRIEGELT, NIEMAND KANN HIER RAUS.

A         Dann werden wir kämpfen, wir werden kämpfen Zentimeter für Zentimeter um unseren          Boden. JEDER MENSCH HAT DAS RECHT AUF SEINE HEIMAT!

B         Ich auch!

A         Ich will ein Stück Land und eine Schrotflinte.

B         Und Augen im Rücken.

A         Und acht Arme.

B         Nein, besser: Ich will Euch auf meiner Seite.

A         Nein! Ich will euch für meine Seite! Kämpfen wir Seite an Seite über Seiten für meine Seite!

            Seid die Mauer, über die die Seuche des Verbrechens NICHT kommt!

            Die Waffen gehen hoch!

B         Die Waffen gehen runter!

A         Die Waffen gehen hoch!

B         Die Waffen gehen runter!

A         Aber die Wut! 

B         Hoch!

A         Und das Misstrauen!

B         Hoch!

A         Und es geht über Leichen und über die Würde der Leichen. Runter!

B         Hass. Wille. Recht. Hoch!

A         Runter!

            Meine Herrschaften, liebe Leute, wenn ich Eure Aufmerksamkeit kurz, ganz kurz haben         dürfte…

            Ich würde mir gerne einen Feind wünschen bitte.

            Ich würde mir gerne jemanden wünschen, den ich von ganzem Herzen hassen darf.

            Ich würde mir meinen Feind auch anstellen,

            ich würde ihm ein grauenhaftes Monatsgehalt zahlen.

            Vielleicht würde ich ihn meinen Assistenten nennen,

            ich würde jemanden wählen der mich bewundert, unaufrichtig, jemand von außen, der auch immer außen bleiben wird, jemanden von dem ich glaube, dass er mit mir nichts teilt außer      die Luft, die wir atmen, und ich schwöre, ich würde ihn oder sie, Tag für Tag, genüsslich   schlachten.

            Ich würde ihn vor allen entlassen und einstellen und wieder entlassen,

            ich würde ihn 24h pro Tag mit Nachrichten terrorisieren und

            ich würde die Leute die mir am Herzen liegen alle dabei zusehen lassen.

            Wir würden sagen: Das ist anständige Arbeit und alle würden einander herzlich auf die           Schultern klopfen.

B         Wie fruchtbar! Wie furchtbar! So was kann man sich doch nicht wünschen, grauenhaft! Oh    nein! Oh nein! Wir kämpfen nicht gegen Personen deren Gesichter wir kennen! Wir foltern       niemanden der Sprache, Herkunft oder berufliche äh religiöse Ansichten mit uns teilt! Nein,   nein!

            Unsere Gegner, die schauen wir nicht an!

            Unsere Gegner kommen uns nicht auf Augenhöhe, Armesbreite, Fußeslänge!

            Unsere Gegner teilen keine Zeitzone mit uns, in diesem und keinem anderen Krieg!

A         AUF DIE UNSICHTBAREN! AUF DIE NAMENLOSEN!

            Wir haben auch einen Verein gegründet: FREUNDE DES NICHTS! Wir lassen uns NICHTS   sagen! Wir bieten da auch Kurse an:

            + Patios und Innenhöfe. Wie man das Nichts in sein Haus integriert.

            + Bombenbasteln I

    und

B          + Bombenbasteln II – Gib dem Nichts einen Raum!

KABOOOOOOOOOOM!

A         Hallo?

B          Ist da jemand?

A          Hallo?

B          Hallo, wer ist denn da?

A          Hallo hallo hallo

B          Das …

A          Das war einmal mein Haus. Mein Körper. Mein Land. Meine Heimat. Hallo?

B          Es liegt da alles so im Dunklen – hallo – ist da noch jemand? HALLOOOO!!!

A          STEHEN WIR AUF DER RICHTIGEN SEITE? AUF WELCHER SEITE STEHEN WIR                        DENN?

A          HALLO?

B          Es ist so dunkel!

            Es liegt alles im Dunklen hier!

            Wo ist denn hier mal ein General?

            Wer setzt denn hier die Grenzen? Wo sind denn hier die Befehlshaber? Wer ist denn hier                    als Soldat vermerkt? Wo sind die Leutnants? Wer kennt sich denn hier aus mit Krieg? Wer                  weiss denn was wir hier tun? Es tragen hier alle dieselben Kleider! Es gibt jetzt im              Abverkauf für alle Military Jackets! 29.90! 29,90! 29-

KABOOOOOOOOOOM!

A         Ärmelabzeichen statt Ellbogen, Ärmelstreifen statt Arm, Armbinden statt Sehne,            Achselstücke statt Achsel, Führerschnüre statt Finger, Schulterknöpfe statt Köpfe,   Kragenspiegel statt Kehle, Binder statt Augen – und was sonst noch da ist! Ab- Ab-   Abzeichen statt Herz, Abzeichen statt Niere, Abzeichen statt Leber, Abzeichen statt         Lungen, statt Galle, statt Haut. Kraftfahrerabzeichen, Rangabzeichen,          Zahnarztabzeichen, Apothekerabzeichen, Ärzteabzeichen, Ab- Ab- Ab-            

B         Abzeichen! Eine dicke Haut, eine richtig dicke Haut, eine dicke dicke dicke Haut, eine         Körperschaft des öffentlichen Rechts! Ein gesunder Volkskörper hisst die Flagge:

A         Ein Zeichen, endlich ein Zeichen!

B         Die Flagge hat sichtbar zu sein, sie wird sichtbar sein, auch wenn wir von ihr kurz     bedeckt werden, alle halten sich an dem, was sie sehen, klar und deutlich sehen.    Es braucht kein Orakel, damit wir wissen, wer wir sind, wir wissen alles, wir halten    die Blutlinie und verfolgen sie zurück, hundert Jahre –

A         Wahnsinn!

B         Zweihundert Jahre –

A         Wahnsinn!

B         DreihundertJahre – was sag ich – DREITAUSEND JAHRE.

A         WAHNSINN!

B         Wo auch das Blut unsichtbar in den Menschen ist, momentan –

A         Es wird sich noch zeigen, wir werden es schon noch nach außen bringen, es kommt     ans Licht, es bleibt nicht ohne Konsequenzen, wir gehen der Sache auf den Grund,     es wird rechtliche Konsequenzen für das unsachgemäße Verhalten geben, wir wissen           genau was wir tun, wir werden aufdecken, was dahinter steckt, es wird fließen, wir           werden die Farbunterschiede erkennen, wir sehen Primär Rot in Umbra, Ocker,             Rotorange, Zinnoberrot,

B         Wir sehen Alizarinkarmesin, Mohnrot, Mundtot, Echtrot, Nahtot –

A         Kirschrot,  Krapphell, Krapprot, Krapprubin, Karmin, Karmesin, Kadium, Weinrot –

B         Trinkt alle draus, wir sehen Winsorrot, Venezianischrot,, Chinacridonrot, magnifique      Magenta, Oxydrot, Pyrrol, Schlachlack, Rötel, Rotbraun –

A         Braun, es krustet, stockt, vergessen, äh vergossen –

B         Ah, braun!

A         Braun, wir sind uns einig, die Diskussionen haben ein Ende.

KABOOOOOOOOOOM!

A         DER BEFEHL IST ANGEKOMMEN!

B          Ja super! Grossartig! Der Befehl ist da! Willkommen! Willkommen!

            Und wer hat ihn gesprochen?

A          Ja, woher kam er denn?

B         Hallo?

A         Ich seh hier nichts!!

B         Wo ist denn mein Körper?

A         JA, wo ist er denn?

B         Wo sind denn die Körper hier? Ich kann mir bei so was keine Körper mehr vorstellen!

            Da haben keine Körper Platz! Was für Körper soll man sich dazu denn bitteschön       vorstellen? STEHEN WIR AUF DER RICHTIGEN SEITE?

            AUF WELCHER SEITE STEHEN WIR DENN?

            WAS IST DENN HIER LOS?!?!

KABOOOOOOOOOOM!

A         Licht!

B         Du wartest auf Licht, es kommt kein Licht.

A         Licht!

B         Du wartest auf das Licht, kein Licht kommt.

KABOOOOOOOOOOM!

A         Was – ist – das ?

B         Das ist so –

            Feucht.

            Es ist so –

            Schwer und –

            Feucht.

            Wo – Wo bist du? Gehts dir gut?

A         Es geht mir gut.

B         Gut.

A         Gut.

B         Wen – Wen hat es getroffen? Es muss doch jemand getroffen haben?

            Von wem, von wem kommt dieses …

            Feucht? Dieses Feucht –

            Es –

            Es –

            klebt nicht.

            Es ist einfach feucht.

A         Und rot.

            …

            Das ist kein Blut.

B         Das ist kein Blut.

A         Das ist kein Blut.

B         Das ist kein Blut.

            Das ist –

A         Rot.

B         Das ist einfach nur rot.

A         Das ist einfach nur rot.

B         Das ist kein Krieg, Das ist –

A         Ein Märchen.

B         Das ist kein Märchen, das ist –

A         Kampf.

B         Das ist kein Kampf das ist eine –

A         Show.

B         Das ist keine Show das ist ein –

A         Kampf.

B         Das ist kein Kampf, das ist ein –

A         Bericht, das ist keine Nachricht, das ist –

B         Das ist rot.

A         Es ist einfach rot.

            Das ist kein Märchen, das ist eine –

B         Show.

A         Das ist ein Kampf, das ist doch –

B         Rot

A         Das ist einfach rot –

B         Rot.

A         Rot.

B         Hallo?

KABOOOOOOOOOOM!

A         Ich halt das nicht aus, wenn ich sprechen muss wie jeder andere und ich halt das       nicht aus, wenn alle hier gleich klingen, die klingen alle total gleich! WIE SOLL ICH DENN       DA KÄMPFEN?

            Die reden hier alle doch den selben Müll!

            Das sind doch alles dieselben Lügen, im selben Tonfall.

            Ich finde wir brauchen hier alle eigene Sprachen.

            Jeder eine eigene. Eine eigene Sprache. Für sich.

            Nur. Für sich. Dann erkennt man auch im Dunklen, wer wer ist.

            Bitte kannst du dich darum kümmern?

            Kümmer dich bitte als nächstes darum, dass jede hier eine eigene Sprache bekommt, gut?

            Ich will meine eigene Sprache solange ich hier in diesem Raum vorkommen muss, ist das      klar?

            Ich wünsch mir einen Feind!

            Ich wünsch mir einen Feind!

            Mit einer eigenen Sprache!

            Da ist meine Bitte an dich. Ich bitte dich. Kümmer dich doch da drum.

            Kümmer dich doch. Mach das mal. Ja, Liebes, weißt du ich stell mir das total gut vor, wenn      jeder eine eigene Sprache hier drinn hätte.

            Ich mein, wir verstehen uns ja sowieso nicht. Das würd echt viel besser klingen.

            Total schön. Und man wüsste so genau, wer jemand ist. Und könnte ihn angreifen.

            Und das könnte sich dann später auch wieder mischen. Später könnte der eine dann auch    mal in der Sprache vom andern reden. Und man wüsste sofort, was da los ist, und wer da      bei wem einbricht! Wer da geklaut hat! Wer da schuldig ist! Und was mit dem Geklauten           passiert! Aber dafür müsste jeder vorher etwas ganz eigenes haben.

            Etwas, das nur ihm gehört. Ganz alleine. Total isoliert. Etwas ursprünglich monadisches.

B         Fick dich ins Knie wir sind alle eins – äh

            Fick dich im Kreis wir sind alle am knien – äh

            Knie dich ins Eins wir sind alle am kreisen –

            NIEMAND VERLÄSST DIESEN RAUM!

            BIS EINER WEINT

            DU

            ODER ICH

            ODER WIR

            BEIDE

            DU ODER ICH

            ODER WIR

            BEIDE

A         Schatz, hörst du das auch?

B         Was denn Liebes?

A         Schreit da jemand?

B         Ach wo.

A         Schatz. Da schreit doch jemand.

B         Das bildest du dir ein.

A         Schatz, ich glaube es ist unsere Beziehung. Sie macht Geräusche.

B         Ach ja?

A         Unsere Beziehung wird einbrechen.

B         „Zerbrechen“ heisst das.

A         Unsere Beziehung wird einbrechen.

B         Nein, wird sie nicht.

A         Unsere Beziehung wird einbrechen.

B         Unsere Beziehung wird zerbrechen.

A         Unsere Beziehung wird einbrechen.

B         Nein, wird sie nicht.

A         Doch.

B         Nein.

A         Doch.

B         Nein.

A         Nein!

B         Nein!

A         Doch!

B         Wer hat das gesagt? WER HAT DAS GESAGT?

A         Na, du!

B         Nein du!

A         Du hast die ganze Zeit davon geredet.

B         Du hast davon geredet!

A         Du hast es heraufbeschworen.

B         Das warst du!

A         Nein du!

B         HALTS MAUL! ICH MACH DICH FERTIG!

B         ICH MACH DICH FERTIG! ICH MACH KURZEN PROZESS MIT DIR!

            ODER LANGEN!

A         Wir haben nichts gemeinsam. Wir sind uns am unähnlichsten.

            Ich werde eine Liste aufschreiben, von den Dingen die ich dir schulde und von Dingen die    du dir aus meinem Raum herausgeholt hast, wir werden Bakterie für Bakterie verrechnen

            wir werden uns endgültig entmischen.

B         Wir müssen wieder zwei werden.

A         Die aneinander an keinem Punkt anstoßen.

B         Die einander durch keine Bewegung in Bewegung versetzen.

KABOOOOOOOOOOM!

A         Da wir diesen Raum alle nicht verlassen können, wird es Zeit für Bündnisse.

            Vielleicht sollte ich etwas sagen, wovon ich nichts verstehe:

            Wir haben ja alle zuviel zu geben,

            wir haben ja alle soviel ausgenommen

            und – ja – alle – soviel – eingenommen.

            Kommen wir jetzt zu den lebensbeschreibenden Maßnahmen – Inhalten.

            Lebenserhaltenden Inhalten. Nun da die Wirtszelle erobert ist kann der Stoffwechsel   einsetzen, wir haben erfolgreich angedockt und können mit Stolz verkünden:

B         Es war mehr eine Vereinigung als ein Angriff.

A         Es war mehr eine Vereinigung als ein Angriff.

B         Es war mehr eine Vereinigung als ein Angriff.

A         Es kracht die Welt da draussen nieder,

B         Aber es glänzt unsere Hütte!

A         Es brauchen sich alle Ressourcen auf,

B         Aber wir werden tragen!

A         Wir haben einander,

B         Wir hängen ineinander,

A         Ein Gehalt,

B         Ein Halt für alle!

A         Weil du das Kind bist,

B         Bin ich der Vater.

A         Weil du die Angestellte bist,

B         Bin ich die Chefin.

A         Weil du das Opfer bist,

B         Bin ich der Täter.

A         Kommen wir zurück auf Gemeinsinn und gesunden Menschenverstand.

B         Hier sind wir fleissig. Hier wird das Blut geschwitzt.

A         Fortschritt,

B         Rückschritt,

A         Arbeit,

B         Sorge!

B         Eine Hochzeit ist ein schönes Fest.

A         Für Dich will ich immun sein.

B         Ich verspreche, ich werde Dir fremd bleiben.

A         Ich verspreche, ich werde mich nicht mit Dir mischen.

B         Für Dich will ich immun sein gegen Dich.

            Ich will nicht befallen sein von den Stoffen, die Dich befallen,

            Du wirst mich ansehen können und einmal ganz klar wissen.

            Das bin nicht ich.

A         Ich will niemals einholbar sein für Dich.

            Und willst Du DIR einmal etwas aneignen, dass du so sehr liebst an mir, willst es ganz selber sein, so werde ich es fallen lassen wie einen alten Eidechsenschwanz und etwas          Neues werden.

KABOOOOOOOOOOM!

3) TEXTBAUSTEINE FÜR SONGS, OFF-TEXTE etc.

HEILUNGSVERSUCH EINS

„Cruor in fossam confusum, ut indemanis elicerent, animas responsa daturas“

Für Dich, mein Eigenstes, mein Gemeinstes.

Mein Wärmstes, dampfend ins –

Ins eigene Fleisch geritzt, gestochen, zugedrückt,

In die Fingerkuppe, in die Zungenspitze,

Und aus –

Aus der Fingerkuppe, aus der Zungenspitze

ausdrücken, Tropfen und Silben

Das Zwischen wird warm, das Zimmer platzt

( ich sinke in der Küche 4000 Meter tief )

Kann das Leben so wieder hergestellt werden?

Ist das die Schwelle?

Zittert jetzt die Ordnung der Dinge?

Für Dich zittert mein dickster Tropfen,

Hängt in der Luft –  Wunde auf Wunde:

Füttere ich Dich, geht eine Türe auf?

Wird eine Kreuzung erreicht?  Wird Dein Gestocktes, Dein Geronnenes wird wieder flüssig?

Wirst Du tauen? Rot?

HEILUNGSVERSUCH ZWEI

blicke nach vorne

blicke zurück

blicke einen Bogen

            blicke das Firmament zum Bogen

über dem Kopf

knöpfe das Hemd auf

lege das Brustbein frei

auf die Erde lege dich

und versuch zu animieren

                                    reanimieren

die Muskelstränge lose gelegt

an den Ästen anknüpfen

an den Gräsern die Nerven

fest gemacht

rah wie hölzern

ein flügel in seinem licht sich rührt, er treibt den schatten

sie schwimmen sanft zwischen wolken und dem tau des himmels

sie haben kein ziel und wissen nicht wohin sie kommen

sie fliegen und kommen und wissen nicht wohin sie kommen

sie kommen und wissen nicht, wo sie halten

sie fliegen hin und her und wissen nicht, wo es endet

schauen wir nach ihnen, ohne sie zu sehen

horchen, ohne sie zu hören

greifen wir nach ihnen, ohne sie zu fassen

nie haben wir sie landen sehen.

„Seit Jahren verzehrt mich die Sehnsucht“

Ich weide an grünen Auen.

Ich weide an Deiner Brust.

Mir wird nichts mangeln.

Ich labe an frischem Wasser.

Ich labe an Deiner Freude.

Ich esse die Furcht Deiner dunklen Täler.

Und Du bist durch mich.

Im Angesicht meiner Feinde.

Im Angesicht Deiner Feinde,

Läuft Öl

In Strömen in die Meere,

Einer schenkt voll ein und wird mir folgen mein Leben lang und wird alle meine Mauern brechen, die Türen brechen, an meine Wände schmieren:

Herzlichen Glückwunsch,

NICHTS DAS DIR WERTVOLL IST KANN MAN DIR RAUBEN.

(HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH, nichts, dass dir wertvoll ist, kann man dir rauben, SOLLTE DA STEHEN. Schau jetzt endlich mal genau, schmeck da nach, such! Suchen wir! Nichts! Das Nichts, dass dir wertvoll raubbar ist, dass das Nichts, dir wertvoll und raubbar, dass Nichts dir wertvoll und dass das raubbar, das kannst du jetzt mal suchen hier!)

Ich will ein Hase sein, der einen Haken schlägt,

Sich in einen Löwen verwandeln und umdrehen kann.

Ich kann all den Menschen die ich war nicht mehr gerecht werden,

Ich kann da nichts wiederherstellen

Und ich kanns nicht wiederfinden.

Ich will das Tier sein dass sich in alle anderen Tiere verwandeln kann.

Spüren Sie Ihren Atem, vielleicht ist ein Atem in dieser Position überhaupt nicht möglich!

Spüren Sie Ihren Körper, spüren Sie ihn als Ganzes, vielleicht ist dieser Körper niemals als ein Ganzes spürbar!

Bist Du müde? Bist Du fertig? Hättest Du gerne eine Pause? Du kannst ja gehen. Kannst ja hinschmeißen. Wieso bleibst du denn da? Zwingt dich ja keiner. Du musst schon Verantwortung für deine Entscheidungen übernehmen. Wenn du bleibst musst du das auch durchhalten. Das ist der Preis. Ganz einfach. Da brauchst du keinen Anspruch stellen auf bessere Bedingungen, das soll ja wohl ein Witz gewesen sein. Und du brauchst auch nicht verteidigt zu werden, dafür verdienst schon zu viel.  Du musst da schon mitmachen. Das ist jetzt deine Welt. Innen musst du mitmachen. Innen sind die Regeln und innen bist du und das sind deine Regeln. Niemand verlässt diesen Raum.

Du bist Teil dieses Körpers.

Der Finger verlässt auch nicht einfach so die Hand.

Du bist Teil dieses Leibes

Das ist dein Leib

Das sind die Regeln, die du zulässt.

Das bist alles du.

Geh auf!

Geh auf!

Im Großen!

Vergeh! Vergeh!

Im Großen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Zu den Ereignissen der letzten Zeit kann man nur sagen: Aufgeregtheit begegnet man am besten mit Sachlichkeit, vielleicht sollte ich etwas sagen, wovon ich nichts verstehe:

Alle anwesenden sind schuldig.

Alle Anwesenden sind gefährlich.

Gefährdet.

Alle Anwesenden sind vom Aussterben bedroht.

Alle Anwesenden scheinen sich keinesfalls in natürlicher Umgebung zu befinden.

Alle Anwesenden brauchen Schutz.

Alle Anwesenden sind rare und besondere Geschöpfe, die es in ihrer Schönheit verdienen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden.

x          Kann ich eine Zigarette haben?

x          Völlig ausgeschlossen. Niemand verlässt diesen Raum, darum muss dieser Raum,

            unser gemeinsamer Raum, angenehm für uns alle sein.

            Seien sie rücksichtsvoller. Und hören Sie auf zu rauchen!

x          Da hab ich mir gedacht, gut, hör ich auf zu rauchen!

            Und ich hatte wirklich das Gefühl mein Körper hat das entschlossen!

            Das ist mein ganz eigener Entschluss gewesen – wie der Anfang so das Ende und jetzt ist        Schluss mit dem alten Lebenshass und der Selbstzerstörung, das haben ich und mein   Körper gesagt. Der hat das fast selbstständig ohne mich durchgezogen, der Körper, und da          war ich so stolz auf mich, und dachte mir: Da hast du aber was geschafft, da darfst du mich    mal entspannen!

            Und hab mir einen eingeschenkt.

            Und noch einen.

            Und noch einen.

            Und dachte mir, Mädchen, Mädchen, viel denkst du nicht mehr, denkst es wird mal Zeit mit    dem Trinken aufzuhören – und das war viel leichter als ich dachte und dieses Nicht-trinken!

            Diese gesunde Zukunft die mir da als Versprechen bevorstand! Golden und scheinend,           gesetzlos und offen, (aber gesund!), die hat mich getragen und ich hab begonnen sehr viel     Sport zu machen, und so hab ichs geschafft, das zu überwinden.

            Mit dem Sport hab ich das geschafft.

            Erst dreimal die Woche.

            Dann jeden Tag.

            Dann jeden Tag 5 Stunden.

            Und dann lag ich da im Krankenhaus und dachte: Scheiße.

            Aber du erholst dich jetzt mal und –

            entspannst, weil du dieses Leben einfach so liebst,

            da tust du dir was Gutes und achtest auf deine Ernährung, damit du nicht immer fetter wirst           wo du hier nur so herumliegst, wo du dich mal ausruhen kannst, denn du liebst dieses       Leben und diesen Körper, die liebst du tief. Und da hab ich einfach angefangen das Essen       genau unter die Lupe zu nehmen, hab nur noch Portionen zu mir genommen, die unter der       Lupe aussahen, als wären sie eine volle Mahlzeit (und da relativiert sich dann ja einiges)           – weil ich ja so unbedingt leben wollte!

            Da bin ich dann umgefallen, das war ganz schön traurig, da hab ich mir gedacht,

            rauch einfach eine, rauch einfach eine und komm mal runter.

Schon lange wurden sie in der Rampe freudig erwartet, ursprünglich waren Termine im Mai geplant, die der Corona-Pandemie zum Opfer fielen. Nun der zweite Anlauf im Herbst, die Hotelzimmer waren gebucht, das Technikteam vorbereitet, doch mit dem erneuten Lockdown ab 2. November 2020 musste das geplante Gastspiel erneut abgesagt werden: She She Pops Performance KANON an der Rampe stand offensichtlich unter keinem guten Stern…

Zum Glück hatte die Performancegruppe längst eine coronataugliche Version erarbeitet, die bereits im Frühjahr in Berlin gelaufen war. Der TELEFON-KANON ist eine, wie der Name bereits sagt, Telefonperformance. She She Pop & friends erzählen mit Mut zur Lücke Erinnerungen an Theateraufführungen und auch die Anrufer*innen von ihren unvergesslichen Kunst-Erlebnissen mit und auf der Bühne erzählen. Diese werden kanonisch aufgeschrieben und sind auf der Rampe-Website veröffentlicht. Damit nicht vergessen wird, was nicht weitererzählt wird.

Das THEATRE OF THE LONG NOW dehnt sich nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich aus – wie immer sehr langsam: Eine Baumreihe wird als Vorstellung von Zukunft gepflanzt und vorgestellt. Es wäre möglich, dass dem einen oder anderen die dabei entstehenden Szenen bekannt erscheinen. Künstler*innen der Wagenhalle stellen sich vor – auch als Teil der mindestens 100-jährigen Vorstellung des Theaters. Verträge werden geschlossen, neue Allianzen geknüpft und eine utopische Zukunft beschworen. Der Weg dahin führt einmal quer durch die Container City.

Der neue Audiowalk entstand während der VERLÄNGERUNG im Jahr 2019 und ist nun permanent auf dem Gelände des THEATRE OF THE LONG NOW und der Fläche der Containercity installiert. Der Startpunkt der elf Stationen am Rande der Theaterbrache, dort wo die Hedwig-Dohm-Straße von der Haltestelle „Pragfriedhof“ auf die Brache trifft, ist gut erkennbar an dem gelben Schild. Per QR-Code ist der Audiowalk 24/7 zugänglich und kann individuell besucht werden, Vorstellungsdauer sind ca. 40 Minuten.

Was brauchst Du?
Ein Smartphone mit mobilem Internet und QR-Code-Reader, sowie Kopfhörer. Falls Dein Handy kein QR-Code Reader hat, können die jeweiligen Web-Adressen im Browser von Hand eingegeben werden (Anweisung auf den Schildern.)

Ort:
Kunstverein Wagenhalle e. V. / Brache bei der Container City
Innerer Nordbahnhof 1
70191 Stuttgart
Deutschland


Das THEATRE OF THE LONG NOW ist das Versprechen, auf einer Brachfläche in Stuttgart eine mindestens 100 Jahre andauernde Aufführung stattfinden zu lassen. Es hat kein Dach, aber ein Ensemble. Es ist eine Institution, aber nirgendwo rechtlich erfasst. Es hat Zuschauer, aber weder ein Mensch noch ein Tier wird je die ganze Aufführung erleben. Das THEATRE OF THE LONG NOW ist sehr langsame Aktionskunst. Das THEATRE OF THE LONG NOW ist eine Produktion von Hertel+Ferl und dem Bureau Baubotanik in Zusammenarbeit mit Kunstverein Wagenhalle e.V. und dem Theater Rampe.


Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Stuttgart, dem Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende
 Baden-Württemberg e.V. sowie dem Förderprogramm urbanes Grün des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart.

Seit Anfang November ist es wieder soweit: Die kulturelle Welt steht still. Grund ist der Beschluss der Bundesregierung zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus. Warum die pauschale Stilllegung des gesamten Kulturbereiches aufgrund der Corona-Krise problematisch ist, erklärt Dietrich Heißenbüttel im „Kontext“-Artikel „Absage an die Absage“ vom 04. November 2020.

Obwohl er auch kurz die Situation der Staatstheater umreißt, konzentriert sich Heißenbüttel darin hauptsächlich auf die freie Szene, die vom Lockdown am meisten betroffen ist und zeigt anhand des Fallbeispiels „Die empathische Stadt“, ein Programm der „Bewegung für radikale Empathie“ die daraus entstehenden Probleme auf. Auch die Intendantinnen des Theater Rampe, Martina Grohmann und Marie Bues kommen zu Wort.

https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/501/absage-an-die-absage-7102.html

Die Сorona-Krise hat uns alle gezwungen, unsere Beziehung zur Digitalisierung zu überdenken. Für einige ist es eine Frage des Überlebens, für andere eine Suche nach neuen Formen. Aber es ist klar, dass aufgrund der Corona-Krise eine rasante Digitalisierung des kulturellen Lebens notwendig sein wird.

Diese wichtigen Fragen waren Thema einer Veranstaltungkooperation von Europe Direct Stuttgart, Institut français Stuttgart, IZKT Universität Stuttgart und Literaturhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der französischen Kulturinstitute in Baden-Württemberg.

Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen haben in kleinen Videostatements ihre Meinung zur Situation mitgeteilt. Unsere Kollegin Anna Bakinovskaia hat diesen Beitrag über die ersten Monate im Lockdown produziert. Das Gespräch zu diesem Thema wurde mit zwei Gästen fortgesetzt: Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski und Emmanuel Suard, der als Verwaltungsleiter und Mitglied des Vorstands bei arte die Prozesse der Digitalisierung verantwortet.

DIE VIELEN wenden sich aus aktuellem Anlass an die Öffentlichkeit:

Wir, Die VIELEN Baden-Württemberg, nehmen die Ängste und Sorgen vor den ökonomischen Folgen der Pandemie sehr ernst. Gerade viele Kulturschaffende und Künstler*innen sind zum Teil in existentielle Not geraten. Wir sehen es dennoch als eine unserer Hauptaufgaben an, kritisch zu hinterfragen, warum die Reaktionen auf die Pandemie bereits existierende Ungleichheiten, Rassismus und diffuse Verschwörungsmythen offen legen. Diffuse Behauptungen und Rassismus dürfen keinesfalls die Antwort auf die Herausforderungen der Pandemie sein. Auch den “Normalzustand” wiederherzustellen ist nicht das Ziel, denn die Unsicherheit und die z.T. prekären Arbeitsbedingungen existierten bereits bei vielen Kulturschaffenden vor der Krise. Vielmehr müssen wir die Strukturen des Kunstbetriebs grundlegend neu verhandeln.

Der erste Schritt hierfür ist zu lernen, mehr Perspektiven mitzudenken, eigene Privilegien anzuerkennen und die notwendigen Veränderungen gemeinsam zu gestalten und politisch einzufordern, anstatt den einen gesellschaftlichen Bereich gegen den anderen auszuspielen. Auch darf uns die Corona-Krise nicht dazu verleiten, die globalen Zustände vor dem Ausbruch der Pandemie zu vergessen: Klimakrise, Fluchtursachen, Kriegsgeschehen rund um den Globus – Deutschland ist an diesen Vorgängen in einer Form beteiligt, die nach wie vor nicht hinnehmbar ist und politisch verändert werden muss.

Die Pandemie betrifft uns alle und jede*r Einzelne von uns muss mit persönlichen Einschränkungen umgehen. Dennoch, und das stimmt uns hoffnungsfroh, gab und gibt es hier in Baden-Württemberg viele solidarische Aktionen aus der Zivilgesellschaft heraus. Das stärkt das Zusammenleben in unserer diversen Gesellschaft. Auch wenn Corona-bedingte Ein-schränkungen aufgehoben werden und das gesellschaftliche Leben verstärkt im öffentlichen Raum stattfindet, stellt sich die Frage: Wie vieles davon hat über die Krise hinaus Bestand? Schaffen wir es, diesen Zusammenhalt zu wahren?

Wir tragen als Künstler*innen und Kulturschaffende mit unserer Reichweite eine Verantwortung. Wir suchen in unserer Arbeit ständig nach Möglichkeiten des Dialogs, den wir als unabdingbare Grundlage aller demokratischen Prozesse verstehen. Aber wir blicken mit Sorge auf die jüngsten äußerst fragwürdigen Aktionen u.a. der sogenannten Querdenker an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg, die sich angeblich für den Erhalt des Grundgesetzes einsetzen. Rechte Gruppierungen laufen auf diesen Demonstrationen selbstbewusst mit.
Wir distanzieren uns eindeutig von demokratie- und freiheitsfeindlichen, faschistoiden und damit letztlich auch kunst- und kulturfeindlichem Gedankengut. Unser Kunstbegriff ist immer ein offener, vielstimmiger und freiheitlicher.

Lasst uns Zeichen gegen den Populismus setzen, lasst uns an die Solidarität appellieren, lasst uns Aufklärungsarbeit betreiben und – vielleicht am Wichtigsten – lasst uns Stellung beziehen gegen Rechts und für eine nachhaltige, gerechte und diverse Gesellschaft.

Wir, DIE VIELEN und all jene, die diesen Brief unterschrieben haben, wollen die Komplexität der aktuellen Lage anerkennen und die Herausforderungen gemeinsam angehen.

Wir stehen weiter zu den notwendigen Maßnahmen, die diese Pandemie eindämmen sollen, auch wenn es uns – wie allen Betroffenen – nicht immer leicht fällt.

Wir erklären uns solidarisch mit allen unseren Kolleg*innen aus Kunst und Kultur und all jenen, die damit verbunden sind und somit von der Situation nicht nur finanziell sondern auch ideell betroffen sind.

Uns allen fehlte der Kontakt zueinander und zu unserem Publikum, und wir sind froh wieder sichtbar für alle spielen, singen, tanzen, ausstellen und schreiben zu können.

Wir sind VIELE – die Kunst bleibt frei!

Glänzende Grüße

Die VIELEN Baden-Württemberg