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Archiv für den Monat September 2018

Stadt der Frauen* in Esslingen am Neckar

Ein Gründungsfestival vom 28. bis 30. September 2018

Kunst und Theater, Musik und Performance, Tanz und Literatur, Diskurs und Parade

Eine idyllische Stadt in Süddeutschland wird als Stadt der Frauen* neu gegründet und damit zum Zentrum einer globalen Frauen*bewegung erklärt.  Die Stadt der Frauen* vereint für drei Tage Künstler*innen, Bürger*innen, Vereine, Initiativen, Musiker*innen, Chöre und Gründer*innen zu einem Stadtfest, einer theatralen Behauptung, einer utopischen Neugründung, einem Modell für eine Stadt der Zukunft.  Alle sind eingeladen mitzumachen und die eigene Stadt aktiv mitzugestalten.

Es ist eine spielerisch-theatrale Umordnung der Dinge aus feministischer Sicht. Und die ist so divers wie die Akteur*innen, so vielfältig wie die künstlerischen und diskursiven Formate. Stadt der Frauen* ist ein Gründungsfestival für Kunst und Theater, Musik und Performance, Tanz und Literatur, Diskurs und Parade für alle. Der Eintritt ist frei.

Alle drei Jahre richtet die Stadt Esslingen a.N. das große Kulturfest „Stadt im Fluss“ aus. Zur diesjährigen sechsten Ausgabe des Festivals ziehen Künstler*innen und Vereine in das Alte Rathaus ein und besetzen repräsentative Orte der Stadt mit ihren Ideen zur Umverteilung von Privilegien und einer gerechten Stadtgesellschaft. Auf einer Bühne im Freien, in einem Parlament, in der matriarchalen Volksküche, dem Gesundheitszentrum oder der Schule der Frauen* geht es um Gemeinwesen: z.B. um Pflege, um Gewaltfreiheit, um Geschlechtervielfalt, um Gesundheit,  um die Sicherheit von Daten – und in der Nacht ums reine Vergnügen!

Das Festival folgt der Dramaturgie einer Gründungsfeier: Mit dem Einzug von Bürger*innen und Akteur*innen in die Stadt Bürger*innen starten die Feierlichkeiten, der Grundstein wird gelegt, eine Hymne vorgestellt und eine Gründungsakte verfasst.

Für die Idee und die künstlerische Leitung zeichnet das Theater Rampe Stuttgart mit den Intendantinnen Martina Grohmann und Marie Bues sowie der Dramaturgin Paula Kohlmann verantwortlich. Gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Esslingen haben sie freie und städtischen Kultureinrichtungen, Vereine und Künstler*innen aus Esslingen mit überregionalen und internationalen Performer*innen und Akteur*innen vernetzt.

Programm-Beispiele:

Die moldawische Autorin Nicoleta Esinencu schrieb für die Stadt der Frauen* den Theatertext „Who run the world: das Evangelium nach Maria / die Apokalypse nach Lilith“. Die Uraufführung durch das teatru spalatorie und das Theater Rampe in der Regie von Nicoleta Esinencu und Marie Bues ist an der Württembergischen Landesbühne Esslingen zu sehen. Mit auf der Bühne: Der Chor Liederlust aus Mettingen.

Peter Frost und die Gruppe LeFrau aus Berlin erforschen gemeinsam mit dem Esslinger Shantychor der Marinekameradschaft „Tsingtau“ Matriarchate.

Aus Wien reisen die Künstlerin und Performerin Barbis Ruder als INFLUENCA #likemetoo an, sowie Klitclique (Is it Art? Is it Music?). Ein Frauenchor aus der letzten Inszenierung von René Pollesch am Schauspiel Stuttgart versammelt sich, das Performance-Duo christians//schwenk schlägt eine neue Formder Auseinandersetzung im Parlament vor: „nicht reden, sondern schwitzen“. Die in Esslingen lebende Feministin Frigga Haug lädt zum Dialektik-Camp. Die Künstlerin Cornelia Sollfrank erweitert die Stadt der Frauen* ins Digitale und stellt ihr neues Buch „Die schönen Kriegerinnen“ zum Cyberfeminismus vor.

Viele Esslinger Kulturschaffende, Vereine, freie Künster*innen und Bürger*innen haben Projekte für die Stadt der Frauen* entwickelt, unter anderem KOMMA – Jugend und Kultur mit Konzerten und female DJs, das Kulturzentrum Dieselstraße mit einem Stadtspiel „Neu-Stadt! Neu-Esslingen!“ der urbansupergroup sowie dem Musiktheater „Ettenna“, PODIUM Esslingen mit dem Konzert „Musik in Cis und Queer. post-Genre trifft post-Gender“, das interreligiöse Musikprojekt TRIMUM, sowie der Frauenrat, das Referat für Chancengleichheit, die Antidiskriminierungsstelle.

Stadt der Frauen* ist eine Veranstaltung des Kulturamts der Stadt Esslingen in Kooperation mit dem Theater Rampe, dem Netzwerk Kultur Esslingen, der Württembergischen Landesbühne Esslingen und vielen mehr. Die ZukunftsStiftung Heinz Weiler, die Stiftung Kreissparkasse, die Eßlinger Zeitung, die Stadtwerke Esslingen, die Daimler AG, Ritter Sport und Kessler Sekt unterstützen das Kulturfest.

Das Festival beginnt am Freitag, 28. September um 17:30 Uhr mit dem Einzug der Frauen* vom Bahnhofplatz zum Rathausplatz, wo um 18:00 Uhr die offizielle Grundsteinlegung erfolgt.

 

Das Festival findet statt:

Freitag, 28. September, 17:30 bis 22:00 Uhr (Altes Rathaus, Open-Air und sonstige Spielorte), ab 22:00 Uhr im KOMMA – Jugend und Kultur

Samstag, 29. September, 14:00 bis 22:00 Uhr, (Altes Rathaus, Open-Air und sonstige Spielorte), ab 22:00 Uhr im KOMMA – Jugend und Kultur

Sonntag, 30. September, 13:30 bis 20:00 Uhr (Altes Rathaus, Open-Air und sonstige Spielorte)

 

Öffnungszeiten des Informationsstands am Marktplatz:

Freitag, 28. September, 16:00–22:00 Uhr

Samstag, 29. September, 14:00 bis 22:00 Uhr

Sonntag, 30. September, 14:00 bis 20:00 Uhr

 

Der Eintritt ist frei, außer für die Vorstellungen im Kabarett der Galgenstricke. Für „Who run the world: das Evangelium nach Maria / die Apokalypse nach Lilith“ in der Württembergischen Landesbühne Esslingen (Freitag, 28.9., 19:30 Uhr; Samstag, 29.9., 19:30 Uhr und Sonntag, 30.9., 16:00 Uhr) sowie für „Musik in Cis und Queer. post-Genre trifft post-Gender“ vom PODIUM Esslingen in der Schickhardt-Halle, Altes Rathaus am Sonntag, 30.9., 14:30 Uhr und 16:30 Uhr sind kostenlose Einlasskarten an den Informationsständen erhältlich.

 

http://www.stadt-der-frauen.de

PRESSEINFORMATION

Stuttgart, 12.09.2018  

Das THEATER RAMPE startet in die Spielzeit 2018/2019 und damit auch in das sechste Jahr der Intendanz von Marie Bues und Martina Grohmann. Das heutige Pressegespräch stand im Zeichen des Spielzeit-Mottos JETZT GEHT WIEDER ALLES VON VORNE LOS, das auch als Zeitdiagnose auf aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland und Europa zu sehen ist. „Wir spüren eine gewisse Geschichtsvergessenheit und möchten deshalb eindeutig Haltung beziehen, indem wir einen Raum für Reflexion öffnen“, betonte Martina Grohmann. Angesichts von faschistischen Ausbrüchen wie jüngst in Chemnitz sowie konservativen Backlashs gegenüber Frauen setzt die Rampe dem ein engagiertes Programm entgegen. Das Motto sei jedoch nicht resignativ zu verstehen, sondern als Imperativ und Verpflichtung für Kulturinstitutionen.

Mit einer Rückschau auf die ersten fünf Jahre ihrer Intendanz in Stuttgart verknüpfte Marie Bues dieses Motto: „Fünf Jahre, in denen wir das Autor*innentheater erneuert und Performance in Stuttgart etabliert haben, in denen künstlerische Forschung und Experimentierfreude einen Ort gefunden haben.“ In den kommenden fünf Jahren möchte das Intendant*innen-Duo die bestehenden, insbesondere auch überregionalen Netzwerke und Kooperationen erweitern und diese mit Spaß und Lust ausbauen, so Bues.

Die bestehenden internationalen, interkulturellen und nachbarschaftlichen Beziehungen sollen perspektivisch erweitert werden. „Dazu gehört eine Vernetzung mit der Stadtgesellschaft, aber auch neue Netzwerke wie etwa das Freischwimmer-Festival. Es ist uns eine große Ehre, aufgenommen zu sein und mit anderen Produktionshäusern wie Sophiensæle Berlin, FFT Düsseldorf, Künstlerhaus Mousonturm, brut Wien und Gessnerallee Zürich zusammenzuarbeiten“, betonte Bues.

Auch zahlenmäßig hat das Haus Positives zu vermelden, wie Geschäftsführer Julian Bogenfeld bestätigt: „Die Auslastung lag im Durchschnitt bei 80 Prozent, was eine nochmalige Steigerung zu den Vorjahren darstellt.“ In den vergangenen fünf Jahren (Stand: Haushaltsjahr 2017) sei es mit dem Ergebnis ständig bergauf gegangen.

Bogenfeld betonte die signifikant hohe Zahl der Veranstaltungen mit sechs großen Produktionen, vier Koproduktionen, 36 Gastspielen am Haus und fünf Rampe-Gastspielen außerhalb Stuttgarts, „was natürlich auf die Vernetzungsarbeit zurückzuführen ist“. Dieses Programm sei jedoch nicht mit der Förderung von Stadt und Land zu stemmen, sondern erfordere das Einwerben von Drittmitteln, deren Anteil bei 16 Prozent lag. „Hier herrscht notgedrungen eine große Expertise am Haus“, betonte er. Mit Ausnahme einer Anpassung 2015 seien die Mittel nicht erhöht worden. „Das ist für ein kleines Theater umso wichtiger, um Löhne anzupassen und Expertise am Haus zu halten.“

Der Spielplan bietet ein breit aufgestelltes Programm aus Festivals wie STADT DER FRAUEN* und 6 TAGE FREI, Performances, darunter Herbordt/Mohren, O-Team oder Markus&Markus, Swoosh Lieu und Ant Hampton. Im Bereich des Tanzes wird die  Kooperation mit backsteinhaus produktion als enge Partner des Hauses fortgeführt, hinzu kommt eine neue Produktion des 6 TAGE FREI-Preisträgers Edan Gorlicki.

Im Autor*innentheater kommt in der Eröffnungsproduktion WHO RUN THE WORLD: DAS EVANGELIUM NACH MARIA / DIE APOKALYPSE NACH LILITH von Nicoleta Esinencu eine feministische Haltung zum Ausdruck, die weit über eine weiße, privilegierte Perspektive hinausgeht und sich am Urtext der patriarchalisch geprägten Gesellschaft, der Bibel, orientiert. Esinencu, die gemeinsam mit Marie Bues inszeniert, stellt dabei zwei Dissident*innen, Maria Magdalena und Lilith, in den Mittelpunkt ihres Textes und verwebt deren Geschichten mit denen heutiger Frauen.

Das zweite große Projekt, ermöglicht durch die Förderung im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes, der in neuer Auflage eine Kooperation zweier Häuser mit einer freien Gruppe erlaubt, beschäftigt sich mit Nosferatu als Folie, dem Vampir als mythisches Bild für Menschen im kapitalistischen System. Hier kooperiert backsteinhaus produktion neben dem THEATER RAMPE auch mit dem Theater Lübeck.

Der Vorverkauf für die Vorstellungen des ersten Quartals ist bereits gestartet: täglich an der Tageskasse (12-18 Uhr), telefonisch unter (0)711  620 09 09 15 und online über http://www.theaterrampe.de

Eine Übersicht des gesamten Programms finden Sie im Anhang, Probenfotos zur Eröffnungsproduktion WHO RUN THE WORLD: DAS EVANGELIUM NACH MARIA / DIE APOKALYPSE NACH LILITH können Sie hier downloaden: www.flickr.com/gp/theaterrampe/2RB97V