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In Residenz

Magda Agudelo suchte im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ nach Bühnen im öffentlichen Raum: Was für ein Theater braucht Bad Cannstatt, der älteste Stadtteil Stuttgarts? Welche Geschichten wollen die Bewohner*innen erzählen oder sehen? Welche Formate passen zu diesen Geschichten? An welchen konventionellen oder alternativen Orten finden diese Geschichten ihren Platz? Hier ein kurzer Arbeitsbericht der Künstlerin:

Magda Agudelo ließ sich bei der Recherche „Volks*theater – Vision für Cannstatt“ von einem Satz aus Peter Brooks Der leere Raum inspirieren: „Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist“. Den Satz formulierte sie für das Projekt folgendermaßen um: „Man kann unzählige Räume nehmen und zum Ort des performativen Geschehens umfunktionalisieren. Eine komplette Stadt kann zur Bühne gemacht werden.“

Der Schwerpunkt des Projekts war die Suche nach „Bühnen“ im öffentlichen Raum im Stuttgarter Bezirk Bad Cannstatt. Es ging auch um das Identifizieren von Themen, die für dieses Stadtgebiet wichtig sind und mit performativer Kunst behandelt werden können. Bad Cannstatt hat eine komplexe Überlappung von historischen Entwicklungen: von keltischen Fürstengräber über die Römer um 90 n. Chr., die Zeit der Industrialisierung mit metall- und steinverarbeitender Industrie, die Erfindung des Benzinmotors und die erste Büstenhalterfabrik. Sie war im 18. u. 19. Jahrhundert eine wichtige Hafenstadt und auch ein international bekannter Kurort mit orthopädischen Heilanstalten und Hautkliniken. Dabei spielten ihre Heil- und Mineralwasserquellen eine wichtige Rolle.

Parallel zur thematischen Recherche wurde der Bezirk besichtigt und zahlreiche Orte als potenzielle Bühnen identifiziert, aufgelistet und fotografiert. Es folgte eine Intervention auf digitalen Karten. „Bühnen“ in Parkanlagen, an den zahlreichen Brunnen des Bezirks, in der Altstadt, im damaligen Steinbruch – heute Travertinpark – und am Neckar wurden verortet. Dieses Material befindet sich in dem „offenen Arbeitsbuch „Bad Cannstatt – ein Ort für performative Kunst““. Dieses soll als Inspiration für performative Kunst im öffentlichen Raum dienen und eine partizipative Auseinandersetzung mit dem Bezirk und dessen Einwohner*innen, sowie eine transformative Wirkung oder eine Wiederbelebung der Orte anstoßen.

Während der Residenz hat Agudelo die Faszination für die urbane Landschaft – mit all ihren Phänomenen, ihrer Schönheit, ihren Prozessen, ihren Wiedersprüchen – wieder entdeckt. Ihre Vision für Bad Cannstatt ist ein laufendes Programm mit Darbietungen verschiedener performativer Kunstrichtungen. Sie will eine interdisziplinäre, performative Kunstpraxis in Bad Cannstatt etablieren.

Mehr über die Recherche auf der Website der Künstlerin: www.magda-agduelo.de


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Laura Schilling widmet sich im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ einer szenischen Recherche über den „Lübcke-Prozess“, den sie am OLG Frankfurt beobachtet hat: Wie übersetzt sich das rechtliche Geschehen in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume? Das Theater als „andere“ Öffentlichkeit dient als Raum der Orientierung für die Frage: Wie kann man der Normalisierung rechter Diskurse entgegentreten? Hier ein kurzer Arbeitsbericht der Künstlerin:

Es ist kurz vor sechs Uhr am 16.06.2020, im dämmrigen Morgenregen vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat sich eine lange Warteschlange gebildet. In dem Gebäude gleich um die Ecke der Konstablerwache wird in vier Stunden der Prozess gegen Stephan Ernst und Markus H. eröffnet. Verhandelt wird der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der rassistische Angriff auf Ahmed I.

Vor dem Gerichtsgebäude, über dessen Eingang Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in groben, sperrigen Buchstaben geschrieben ist, stehen Journalist_innen teilweise seit den späten Abendstunden des Vortages an. Ein Journalist erzählt uns, dass er für das Freihalten eines Platzes über Nacht 200 Euro gezahlt habe. Der Prozess in Frankfurt steht unter besonderer Beobachtung: Juristisch ist der Strafprozess ein Staatsschutzverfahren wegen des politischen Charakters der Straftat. Medial erfährt der Prozess erhöhte Aufmerksamkeit, weil ein Neonazi mutmaßlich zum ersten Mal seit 1945 einen Politiker ermordete.

„Prozessbeobachtung“ ist der Versuch den über sieben Monate laufenden Gerichtsverhandlung performativ zu befragen. Wie kann eine Übersetzung des rechtlichen Geschehens in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume geschehen? Wie ist sie bereits geschehen? Wir beginnen diese Erinnerungsarbeit, in der unsere subjektiven Erfahrungen als Zeug:innen des Verfahrens durch intersubjektive Erinnerungen der Medien, die Narrative der Öffentlichkeit, versuchte objektive Prozessprotokolle herausgefordert werden. Wir werden zu doppelten Zeug:innen: Wir können bezeugen, wie Zeug:innen während der Verhandlungen versucht haben sich zu erinnern, während wir uns in dem Prozess selbst zu erinnern versuchen. Der Grundsatz der Öffentlichkeit ist neben dem Mündlichkeitsgrundsatz und Unmittelbarkeitsprinzip eine Prozessmaxime des Strafrechts, die nur in absoluten Ausnahmen eingeschränkt werden darf. Aber welche Öffentlichkeit sitzt eigentlich im Gerichtssaal? Wer wohnt der Verhandlung bei? Wie halten wir das Gesehene, Gehörte, Gefühlte fest? Über die Ausgestaltung des Öffentlichkeitsgrundsatzes kann der Strafsenat entscheiden und der vorsitzende Richter Sagebiel hat entschieden, dass keine elektronischen Geräte im Publikumsraum erlaubt sind. Erinnern heißt, assoziativ statt wortwörtlich, subjektiv statt dokumentarisch vorzugehen. Beobachtungen werden nachträglich nach Schwerpunkten und Thematiken geordnet, statt chronologisch wiedergegeben, sind oftmals unverfügbar, bis sie durch eine Gesprächssituation wachgerufen werden. Vergessen ist Teil unserer Prozessbeobachtung, der keine unmittelbare Stütze erlaubt ist, denn ohne Akkreditierung darf nicht mitgeschrieben werden. Unsere Prozessbeobachtung ist darauf angewiesen, sich zu erinnern. Zur Begleitung des Prozesses haben wir wöchentlich ein Podcastformat aufgenommen, in dem wir über unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen gesprochen haben.

Die erste szenische Versuche innerhalb des Residenzzeitraums waren Hinweise für uns und eingeladene Betrachter:innen, dass die künstlerische Bearbeitung des Prozesses und der gesammelten Erinnerungen performativ etwas ‚Anderes‘ als die Medienberichterstattung über diesen Prozess entstehen lässt. Diese ‚andere‘ Öffentlichkeit des Theaterraums kontextualisiert die Öffentlichkeit des Gerichtraums. Denn diese bleibt, wie Cornelia Vismann, Medientheoretikerin, herausstellt, immer auch ein Ideal: Die Architektur des Gerichtssaals ist immer zugleich die Umsetzung des Öffentlichkeitsgrundsatzes. „Es beginnt mit dem Rückzug in ein geschlossenes Gebäude, in dem die Zahl der Sitzplätze über die Größe der Öffentlichkeit entscheidet.“ (Vismann 2011, 134) Diese andere Öffentlichkeit bleibt auch der Raum, in dem eine andere Erzählung von dem Prozess stattfinden kann, eine andere Erzählung über Hass, rechte Gewalt und Rassismus. Ein anderer Raum, in dem Betroffenen zugehört wird. Ein anderer Raum, in dem Rassismus und rechte Gewalt nicht normal sind. Ein anderer Raum, in dem wir entwerfen können, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.

Artikelreihe diskus: https://diskus.copyriot.com/news/prozessbeobachtung-mythos-einzeltaeter

Kontaktmöglichkeit: prozessbeobachtung@gmx.de

Josephine Stamer, Arthur Romanowski, calendal und Laura Schilling trafen sich in Gießen beim Studium der Angewandten Theaterwissenschaft. Gemeinsam interessieren sie sich in ihrer Theorie und ästhetischen Praxis für gesellschaftliche und politische Strukturen der Vergangenheit und Gegenwart, ohne den Fluchtpunkt eines zukünftigen emanzipierten Miteinanders aufgeben zu wollen. In unterschiedlichen Konstellationen arbeiteten sie gemeinsam an Theater-, Performance-, Choreografie- oder Soundprojekten kollaborativ.

Josephine Stamer (*1992) ist wohnhaft in Köln und arbeitet als Performerin, Sounddesignerin, DJ und Kuratorin. Sie studiert aktuell Klang und Realität an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Sie arbeitet in verschiedenen Konstellationen und in verschiedenen Rollen an künstlerischen Projekten – meist an den Schnittstellen zwischen Klang, Bewegung und Installation.

Arthur Romanowski, (*1992) geboren in Berlin, arbeitet als Autor, Performer und Regisseur. Mit Irgendwas für Irgendwen an Irgendeinem Tag im Juni erhielt er 2018 den Jury-Preis der Körber Stiftung.

Laura Schilling (*1995) geboren in Wurzen, Sachsen, lebt zurzeit in Frankfurt a.M., wo sie den Masterstudiengang Curatorial Studies an der Städelschule und Goethe-Universität Frankfurt absolviert. Sie arbeitet als Kuratorin und Dramaturgin. calendal, (*1994) geboren und aufgewachsen in und um Berlin und Bremen, arbeitet mit choreographischen, performativen und szenografischen Mitteln als Teil der apokalyptischen tänzerin*nen, solo und in weiteren kollaborativen Arbeitsformen an Fragen wie sich Gesellschaften strukturieren, wie solidarische Strukturen in einer neoliberalen Gesellschaft denkbar sind und wie, auf massivem Unrecht beruhende, Hierarchien und Verhaltensmuster dekonstruiert und entlernt werden können.


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Vergangene Woche arbeitete die Cellistin Céline Papion im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ an ihrem Recherche-Projekt „Musik in Bewegung“. Seit Jahren entwickelt sie ihre Arbeit als Cellistin in Richtung “Neues Musiktheater”, hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. Hier ein kurzer Arbeitsbericht: “Welche Rolle spielt der Körper der Musikerinnen und Musiker auf der Bühne? Wie wird er in interdisziplinären Projekten thematisiert? Für diejenigen unter uns Musiker:innen, die sich auf Streifzüge in die Welt der “Sichtbaren Musik” begeben, die viel mehr erfordert als das, worin wir ausgebildet wurden, ist es an der Zeit, uns ernsthaft mit diesen neuen Formaten auseinanderzusetzen.

Wie werden wir gut darin (was auch immer das bedeuten mag), Körper auf der Bühne zu sein (faire corps)? Je mehr Musik-Akteur:innen sich im interdisziplinären Raum zwischen Theater, Tanz und Klangkunst niederlassen und sich die Einbeziehung von verkörperten und theatralischen Elementen in der neuen Musik normalisiert, desto intensiver sollten sich Musiker:innen mit Entwicklungsprozessen von Aufführungen befassen. Welche Erfahrungen oder Werkzeuge außerhalb der Musik kann ich in meinen eigenen Arbeitsprozess und meine eigene Ästhetik einfließen lassen? Finde ich überhaupt die Worte, um genau zu vermitteln, was ich hier entstehen lasse?”

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung Neues Musiktheater hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. In der durch COVID eingeschränkten Situation, hat sie sich vorgenommen, mittels Recherche und Konzeptionsentwicklung ihre performative Praxis weiterzuentwickeln und sich konkret der Frage nach der Beziehung zwischen Körper und Komposition zu widmen.

Der Kern ihrer Recherche konzentrierte sich zunächst auf den Körper des ausführenden Musikers und der ausführenden Musikerin und seine:ihre Beziehung zum Instrument im Allgemeinen. Dafür hat sie sich auf viele Quellen aus Kunst, Musik, Soziologie und Philosophie gestützt und mittels eines selbst erstellten Fragebogens den Austausch mit anderen Künstler:innen gesucht. Die Informationen und Reflexionen flossen in ein Tagebuch ein.

Gleichzeitig ist sie auf verschiedenen Ebenen in die Praxis eingestiegen: z.B. im Bereich Tanztheater durch Improvisations-Sessions mit der Schauspielerin Franziska Schmitz und der Choreografin Eva Baumann, aber auch in der Zusammenarbeit mit der Komponistin Yiran Zhao. Gemeinsam arbeiten sie an einem Stück, das sich dem Körper der Cellistin UND dem Körper ihres Instruments widmet: “Journal de mes deux corps”. Ausgangsidee und Materialquelle ist das aus der Recherche entstandene theoretische sowie persönliche und sinnliche Tagebuch.

Mehr über die Recherche auf der Website der Künstlerin: www.celinepapion.net/faire-corps/


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Das teatru-spălătorie, eine unabhängige Künstler*innen-Initiative, wurde 2010 als eine Plattform für Künstler*innen der moldawischen Independent-Kultur gegründet. 2011 hat teatru-spălătorie auch ein Residenz-Programm aufgelegt, das jungen moldawischen Künstler*innen die Möglichkeit zum Austausch mit lokalen und internationalen Gästen bietet. Seit 2018 waren sie mit mehreren Arbeiten am Theater Rampe zu Gast und eigentlich wären sie gerade für eine Residenz in Stuttgart, doch wegen der Pandemie kann die Gruppe nicht nach Deutschland reisen. Ein kurzer Bericht aus Moldawien:

„Letztes Jahr, am 19. Januar 2020, sind wir nach Stuttgart gereist, um DIE ABSCHAFFUNG DER FAMILIE im Theater Rampe aufzuführen. Das sollte unser letzter Auftritt auf der Bühne sein. Kurz darauf begann die Pandemie. Dieses Jahr, am 10. Januar 2021, sollten wir als Teil des Arbeitsprozesses für unsere neue Performance DIE SYMPHONIE DES FORTSCHRITTS (AT), eine Produktion des HAU Hebbel am Ufer, eine einmonatige Residenz an der Rampe beginnen. Da Deutschland bis Ostern im Lockdown ist, haben wir die Residenz hier, in Chisinau, organisiert. Mit der Unterstützung des Theater Rampe haben wir sogar die Möglichkeit bekommen, die Residenz auf zwei Monate zu verlängern. Das ist ein ganz großes Glück und Privileg. Wir haben keine eigene Spielstätte in Chisinau und einen Raum zu mieten, um zu arbeiten, zu proben und zu experimentieren, selbst für einen kurzen Zeitraum, wird immer teurer und unerschwinglicher.

In unserer neuen Arbeit wollen wir über Gewalt sprechen. Wenn wir über Gewalt sprechen, beziehen wir uns normalerweise auf verschiedene Formen physischer Gewalt, wir sprechen über Mord, Überfälle, Vergewaltigung; wir sprechen über Massentötungen, ethnische Säuberungen, Kriege. Wir neigen auch gewöhnlich dazu, Gewalt als etwas zu bezeichnen, das typisch für die Ungebildeten, für die Unzivilisierten ist. Und wir scheinen die anderen Formen, die Gewalt in unseren Gesellschaften angenommen hat, nicht zu bemerken oder ihnen wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt eine Gewalt in der Art und Weise, wie ein Staat beschließt, sich aus der Entwicklung und Unterstützung des Wohlergehens seiner Bürger zurückzuziehen; wenn er beschließt, Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken und Kulturzentren in ländlichen, armen, marginalisierten Regionen zu schließen. Es gibt eine Gewalt in der Demokratie selbst, in der Art und Weise, wie politische Entscheidungen auf demokratische Weise getroffen werden, die dazu neigen, mehr und mehr die Unterprivilegierten zu treffen und den Machthabern nutzen. Eine Gewalt, die definitiv während der Pandemie gediehen ist, wenn manche Länder ihre Bürger schützen und etwa Wanderarbeiter ausbeuten.

Noch wissen wir nicht, wann und ob, oder gar unter welchen Umständen wir unser Stück uraufführen können. Für den Moment sind wir dankbar, dass wir daran arbeiten können.“

DIE SYMPHONIE DES FORTSCHRITTS (AT) ist eine Produktion von HAU Hebbel am Ufer und teatru-spălătorie. Koproduktion: FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Theater Rampe Stuttgart, Festival Theaterformen. Gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Alliance of International Production Houses.


++++ ENGLISH VERSION ++++

The teatru-spălătorie, an independent artists‘ initiative, was founded in 2010 as a platform for artists of Moldovan independent culture. In 2011, teatru-spălătorie also launched a residency program that offers young Moldovan artists the opportunity for exchange with local and international guest artists. Actually, they would be in Stuttgart right now, but because of the pandemic the group cannot travel to Germany. A short report from Moldova:

„Last year, on 19th January 2020, we were traveling to Stuttgart to perform THE ABOLITION OF THE FAMILY at Theater Rampe. That turned out to be our last time to perform on stage. Soon after the pandemic started. This year, on 10th  January 2021, as a part of the working process on our new performance THE SYMPHONY OF THE PROGRESS (working title), produced by HAU Hebbel am Ufer, we were supposed to start a one-month-residency at Theater Rampe, one of the co-producers of the performance. As Germany went into another lockdown until Easter, we organised the residency here, in Chisinau. We even got, with the support of Theater Rampe, the possibility to extend it into a two-month-period. This is quite a big luck and privilege. We don’t have our own venue in Chisinau and renting a space to work, rehearse and experiment even for a short period of time, is becoming more and more expensive and unaffordable. 

In our new work we want to talk about violence. When we discuss violence, we usually refer to different forms of physical violence, we talk about murder, assaults, rape; we talk about mass killings, ethnical cleansing, wars. We also usually tend to refer to violence as something that is typical to the uneducated ones, to the uncivilized ones. And we don’t seem to notice or pay much attention to the other forms that violence has taken in our societies. There is violence in the way a state decides to withdraw from developing and supporting the well-being of its citizens; when it decides to close schools, hospitals, libraries, and cultural centers in rural, poor, marginalized regions. There is a violence in the democracy itself, in the way political decisions are taken in a democratic manner tend to hit more and more the underprivileged communities and to benefit the ones in power. A violence that has definitely only flourished during the pandemic when in some countries own citizens were protected and migrant workers were exploited. 

We still don’t know when and if, or even under which circumstances we will be able to premiere our play. For the moment we are grateful that we can work on it.“

THE SYMPHONY OF THE PROGRESS is a production: HAU Hebbel am Ufer and teatru-spălătorie. Co-production: FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, Theater Rampe Stuttgart, Festival Theaterformen. Funded by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media as part of the Alliance of International Production Houses.

Ab Januar 2021 sind 13 Künstler*innen am Theater Rampe in Residenz. Sie nutzen jeweils bis zu acht Wochen des vermeintlichen Stillstands für Recherchen und zur künstlerischen Weiterentwicklung. Sie vertiefen nachhaltig ihre ästhetischen Fragestellungen, erschließen sich Felder oder Methoden, setzen Impulse für das postpandemische Theater. Wozu im produktionsorientierten Kulturbetrieb sonst kaum zeitliche, räumliche oder finanzielle Ressourcen verfügbar sind, dazu ist hier Gelegenheit.

Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Die Residenzen finden digital oder analog statt. Wir werden hier darüber weiter berichten. Das sind die Künstler*innen und ihre Vorhaben:

Céline Papion

Recherche – Musik in Bewegung

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung “Neues Musiktheater”, hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. Zur Frage nach Körper und Komposition wird sie während der Residenz recherchieren und ihre performative Praxis erweitern.

Philine Pastenaci

Am unteren Rand

Philine Pastenaci führt Interviews mit Menschen am Rand der Gesellschaft: mit Obdach-, Wohnungs- und Langzeitarbeitslosen spricht sie über ihre Lebensrealität, die sich seit der Coronakrise stark verändert hat. Die Recherche soll in eine Audio-Arbeit fließen und ggf. in ein Skript, die Grundlage für eine Neue Musik-Komposition werden kann. Sie möchte damit die oft nicht sichtbaren Geschichten hörbar machen.

Laura Schilling

Im Blick der Öffentlichkeit

Laura Schilling widmet sich einer szenischen Recherche dem „Lübcke-Prozess“, den sie am OLG Frankfurt beobachtet hat: Wie übersetzt sich das rechtliche Geschehen in künstlerische und gesellschaftliche Resonanzräume? Das Theater als „andere“ Öffentlichkeit dient als Raum der Orientierung für die Frage: Wie kann man der Normalisierung rechter Diskurse entgegentreten?

Justyna Koeke

Age and the City

Justyna Koeke recherchiert zu älteren Frauen im öffentlichen Raum. Besonders nachts zeigt sich die Abwesenheit und Ängstlichkeit der älteren Generation deutlich. Die Künstlerin sucht nach Formaten, die dagegen wirken können. Geplant sind neben Interviews auch Interventionen im nächtlichen Stadtraum: Abendspaziergänge, Fotografieren, und Kostümentwicklungen, die Frauen ermutigen.

Ülkü Süngün

KulturKanakisierungsKommission

Ülkü Süngün möchte Stuttgarter Kulturinstitutionen kritisch unter die Lupe nehmen: Wird überall, wo Diversität draufsteht, auch Diversität gelebt? Eine umfassende Recherche und die Gründung einer KulturKanakisierungsKommission sollen helfen, Strukturen zu hinterfragen, Räume zu öffnen und rassismuskritische und dekolonisierende Praktiken zu stärken sowie ein erweitertes WIR zu konstituieren.

die apokalyptischen tänzerin*nen  –  Jasmin Schädler & Sara Glojnarić

Über-Setzen

Sara Glojnarić und Jasmin Schädler erforschen im Rahmen ihrer Residenz die Performativität des Übersetzens. Die Übersetzung wird zum künstlerischen Ausdruck – musikalisch, sprachlich und als Mittel der Intervention. Demgegenüber steht eine kritische Befragung gängiger Übersetzungspraxis. Sie erarbeiten während der Residenz übersetzungskritische Performance-Skizzen. 

Surja Ahmed

bond_ASAP_Raumrecherche

Die veränderten Bedingungen durch die SARS-CoV-2-Pandemie regen zu einem Überdenken vorherrschender Raumordnungen an. Die Notwendigkeit eines physischen Ortes des Austauschs wird offensichtlich, doch wie können solche Orte aussehen? Surja Ahmed untersucht welche Rollen Theater und Kunstvereine hier spielen, wie funktioniert an diesen Orten Begegnung und welchen Themen sollten sie Raum geben?

Magda Agudelo

Volks*theater-Vision für Cannstatt

Magda Agudelo sucht nach Bühnen im öffentlichen Raum: Was für ein Theater braucht Bad Cannstatt, der älteste Stadtteil Stuttgarts? Welche Geschichten wollen die Bewohner*innen erzählen oder sehen? Welche Formate passen zu diesen Geschichten? An welchen konventionellen oder alternativen Orten finden diese Geschichten ihren Platz?

Edan Gorlicki

Ghost Gestures

Seit 2015 entwickelt der israelische Choreograf Edan Gorlicki Stücke in Baden-Württemberg. In Arbeiten wie „Lucky Bastards“ und „Impact“ untersucht er gesellschaftliche Themen und die Verantwortung von Künstler*innen und Publikum. Sein Recherche-Projekt Ghost Gestures stellt die Frage, wie sedimentierte körperliche Erinnerungen und nicht inszenierte Bewegungen in der choreografischen Arbeit eingesetzt werden können.

Fender Schrade

Zuhören

Fender Schrade beschäftigt sich in seinem Projekt mit Zuhören als aktivem Prozess im Kontext von Musik/Klang und Theater. Wie kann Zuhören ein musikalischer/ künstlerischer Prozess sein? Schrade recherchiert u.a. nach Konzepten und Praxen des Zuhörens in öffentlichen Aufführungssituationen, speziell im Feld der zeitgenössischen Performance.

Gruppe CIS

Körper-Bild-Wert

Gruppe CIS ( Sabrina Schray & Judith Engel) flottiert als fluides Kollektiv interdisziplinär und mit unterschiedlicher Besetzung. Sie untersucht soziale Körperschaften im Spannungsfeld medialer Settings und gesellschaftlicher Szenarien. Während der Residenz arbeitet Gruppe CIS zum Material „menschlicher Körper“ anhand der Erstellung eines historischen Archivs und Strategien zum disruptiven Potential unseres Fleischs.

Für zwei Wochen war Caroline Creutzburg im Rahmen einer FREISCHWIMMEN-Residenz auf unserer Probebühne zu Gast. Unter dem Titel „deep net dark hole fake rabbit“ beschäftigt sie sich mit der Archäologie des online-Seins und mit dem Internet als einem Ort der Orientierung und des Verpassens. Sie berichtet von ihrer Arbeit:

„Das Konzept zum Stück entstand vor dem Corona-bedingten Streamingwahnsinn – umso wichtiger ist mir gerade, das Thema jenseits des Screens zu verhandeln und darzustellen. Geplant ist ein Bühnen-Hör-Stück im Dunkeln mit meiner mikrofonierter Stimme im schemenhaften Surf-Setting und Versorgung der Zuhörenden mit Links ins Internet auf deren Smartphones. Im www geht man leicht verloren, man spricht vom Internet auch als ein ‚Rabbit Hole‘. Mich interessieren zum einen diese endlosen Weiten, auf die man bei einer einfachen Google-Suche stößt und die einen an die Grenzbereiche des Bedeutungslosen führen.

Gleichzeitig frage ich mich, wie ich eigentlich am so omnipräsenten Internet teilnehme – jenseits davon, als Konsumentin angeprochen zu werden. Und wie kann ich über das online-Sein nachdenken, ohne nur auf die ernüchternde Bilanz einer einstigen Utopie zurückgeworfen zu sein und das Internet auf eine kapitalistische Dystopie zu reduzieren? 

Meine Suche führt mich in die Gefilde der Internetkultur. Diese reicht von Forenbeiträgen zu trivialen Spezialthemen über user-generated video content und Memes bis zu elaborierter Netzkunst und Hacktivismus. Es ist eine reichhaltige Aktivität, deren Schichten und Dynamiken man als non-digital-native aber erstmal durchsteigen muss. Die Premiere ist geplant für den 5.2.2021 im Frankfurter Mousonturm.“

FREISCHWIMMEN ist eine internationale Austausch- und Produktionsplattform für junge Gruppen und Künstler*innen aus Theater und Performance. Sie wird getragen durch brut WienFFT DüsseldorfGessnerallee ZürichHochX MünchenLOFFT – DAS THEATER LeipzigSchwankhalle BremenSophiensæle Berlin und Theater Rampe Stuttgart.

FREISCHWIMMEN bietet mit ResidenzenWorkshop-Showings und Gastspielen und Labs einzelne Module, die je nach den Bedürfnissen der Künstler*innen und Kapazitäten der Häuser unterschiedlich kombiniert werden können.

Derzeit probt das Team um Gerda Knoche für „Fragt mich was ich werden will und ich sag:“, welches im Rahmen der Imaginale 2020 Premiere hat.

Premiere: 03.02.2020
Tri-Bühne Stuttgart, 21:00 Uhr

Ein Stück über Träume, über Kindheit und Erinnerung.
Aber eigentlich geht es um Fußball.

Was wollten wir wirklich werden, als wir klein waren? Wir bewegen uns durch Bilder, Träume und Idole, in einer fulminanten Glitzerwolke, zwischen Aufzeichnung und Live-Broadcast. Zum Klang der Championsleague-Hymne und den Triumpfschreien des Torschusses. Aber die Zeit zögert: Aufnahme und Projektion verschieben sich, Lücken entstehen, wie die Lücken zwischen Realität und Wunsch – das Delay-Moment des Erwachsenwerdens.

Von:
Gala Goebel (Spiel/Video/Konzept),
Gerda Knoche (Spiel/Bühne/Konzept),
Helga Lázár (Spiel/Regie/Konzept),
Sára Gábor (Dramaturgie),
Stefanie Oberhoff und Stephanie Rinke (Künstlerische Betreuung),
Anne Brüssau (Technik),
und Johannes Prucsi (Sounddesign)

https://www.imaginale.net/programm/event/2735/
http://gerdaknoche.de/

Eine Performance mit drei ungeprobten Menschen

Im Januar 2020 wird Ant Hampton für eine Probenresidenz am Theater Rampe zu Gast sein, um gemeinsam mit den Künstler*innen Nora Tormann, Anna Rispoli, Dora Meierhans and Arantxa Martinez an seinem neuen Stück ZWEI ERWACHSENE UND EIN KIND zu arbeiten.

Für die Recherche-Phase werden sie zwischen 3. und 11. Januar eine Reihe von „ungeprobten Gastperformer*innen einladen. Gesucht werden jeweils zwei Erwachsene und ein Kind zwischen 8 und 10 Jahren. Der Zeitaufwand ist einmalig ca. 2 Stunden. Hinweis: Deutsch-Kenntnisse sind nur für die Kinder erforderlich.

Bei Interesse, einfach eine E-Mail an kontakt@theaterrampe.de senden.

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Zwei Erwachsene und eine Kind

ist eine automatisch ausgelöste Performance mit drei Personen auf der Bühne: zwei Erwachsene und ein Kind. Alle drei Darsteller*innen sind völlig unerprobt und daher für jede Präsentation unterschiedlich. Das Publikum entdeckt alles zur gleichen Zeit wie die Darsteller*innen.

Die beiden Erwachsenen (egal welchen Alters und Geschlechts) erhalten visuelle Hinweise auf einem Bildschirm hinter dem Publikum und reagieren darauf. Ihr Blick wird von zwei weiteren Bildschirmen zur Linken und Rechten gelenkt. Ihre Performance wird sich also auf Bewegungen fokussieren und nicht auf Sprache. Das Kind (im Alter von 8 bis 10 Jahren) hingegen erhält ihre*seine Anweisungen per Kopfhörer.

Während die Performer*innen sich bewegen und auf die Anweisungen reagieren, spricht eine tiefe Stimme zum Publikum. Sie wechselt zwischen Narration, Kommentar, Interpretation und Gesang; die Verbindung zum Bühnengeschehen ist bisweilen eindeutig, bisweilen eher indirekt.

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Der Moment, in dem wir jemanden zum erstenmal auf der Bühne sehen, ist aufregend. Wir wissen nicht, wer die Person sind, wen oder was sie repräsentieren oder ob sie überhaupt jemanden oder etwas darstellen. In dieser Performance haben auch die Darsteller*innen keine Ahnung. Sie begeben sich gemeinsam auf die Suche und versuchen Schlussfolgerungen zu ziehen. Das Stück spielt mit unserem Bewusstsein und präsentiert verschiedene mögliche Interpretationen. Handelt es sich um eine Familie? Hat sich das Kind verirrt? Hat das Kind das Sagen? Was haben diese Menschen erlebt, was verkörpern sie?

“So gleiten wir hinein in Normen wie in Kleidungsstücke, ziehen sie uns über, weil sie bereitliegen für uns, weil sie uns übergestülpt werden, weil sie sich anpassen oder weil wir, unbemerkt, uns anpassen. […] „Home is where we start from“, hat der Psychologe D. W. Winnicott einmal gesagt, Heimat ist das, von wo wir ausziehen, wo wir beginnen. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht das, wo wir bleiben, es ist nicht, das was uns unverändert begleitet. (Carolin Emcke: Wie wir begehren)

 

 

ENGLISH VERSION:

A performance for three unrehearsed humans

In January  2020 Theater Rampe will be hosting Ant Hampton for a residency for research into a new work, TWO ADULTS AND A CHILD, together with artists Nora Tormann, Anna Rispoli, Dora Meierhans and Arantxa Martinez.

For their research phase, they will require a series of ‘unrehearsed guest performers’ to come in and work with them for defined sessions between January 3 and 11. Please note, only the child needs to speak German; for the adult performers, language is no problem!

If you or anyone you can think of are interested, please read the description below and get in touch by email kontakt@theaterrampe.de

***

TWO ADULTS AND A CHILD

is an automatically-triggered performance with three bodies on-stage: two adults and a child. All three performers are completely unrehearsed, and therefore different for each presentation. The audience are aware of discovering everything at the same time as the performers.

The two adults (who can be of any age or gender) respond to visual cues from a screen behind the audience: they copy what they see, as best they can. Their gaze is moved around by two other screens to the left and right, hidden in the wings. Their performance will therefore be focussed on movement (no speaking). The child will be between 8-10 years old and receives his/her instructions via headphones.

While all three performers move and respond to the prompts, a low voice speaks to the audience. This voice shifts mode between narrating, commenting, interpreting and singing; its connection to what’s happening at times explicit, at others oblique.

*

When we first see someone on a stage, it’s exciting when we don’t know who they are, who or what they represent, or even if they want to represent something or someone. In this instance, the performers also have no idea! Everyone is searching together, trying to come to conclusions. The piece plays with our awareness of this shared search, and presents different possible interpretations or outcomes. Is it a family? Is the child lost? Is the child in charge? What have these people lived, what do they embody?

„We slip into norms the way we slip into clothes, putting them on because they’re laid out ready for us, because someone pulls them over our heads, because they come to fit us or because, without even noticing, we come to fit them. (…) ‚Home is where we start from,’ the psychoanalyst D. W. Winnicott once said, and it is no more and no less than that. It is where we begin, where we set off from. It’s not where we stay; it’s not somewhere that accompanies us unchanged.” – Caroline Emcke, ‚How We Desire’

 

 

 

Derzeit sind Gruppe CiS im Rahmen von Freischwimmen zu Gast auf unserer Probebühne. Freischwimmen ist eine Produktionsplattform für Performance und Theater, getragen durch brut Wien FFTDüsseldorf, Gessnerallee Zürich, Schwankhalle Bremen, Sophiensæle Berlin und Theater Rampe.

Die Plattform konstituiert sich seit 2018 in veränderter Aufstellung und unter dem Titel FREISCHWIMMEN neu als internationale Austausch- und Produktionsplattform für junge Gruppen und Künstler*innen aus Theater und Performance. So gibt es nun mit Residenzen, Workshop-Showings und Gastspielen und Labs einzelne Module, die je nach den Bedürfnissen der Künstler*innen und Kapazitäten der Häuser unterschiedlich kombiniert werden können.

Gruppe CIS zum derzeitigen Stand der Proben:
Ich hab darüber nichts Besonderes zu berichten. Sondern es geht mir gut. Ich bin überzeugt: So wie diese Reaktion aufgetreten ist, so wird sie auch wieder vergehen. Und ich kann dich beruhigen. Es wird wohl nur das nicht zu verortende Schnurren gewesen sein, das deine Brüche kitten hilft, die du dir zugezogen hast, als du hingepresst wurdest, in die Welt hinaus gepresster kleiner schwarzer Punkt, aus dem du dich geschält hast. Es sah so aus weil du fielst, du kamst heraus geknospt eigentlich. Und der Beweis findet sich in den tabellarisch geordneten Gliedmaßen und den zur Ansicht ausgebreiteten Gewebe-Tunikas.
All diese Schmierer für nichts.
So, da ist er also, der Körper. Sehen Sie genau hin und dann vergessen Sie alles.
Beteiligte an dieser Arbeit der Gruppe CIS: Judith Engel, Sabrina Schray, Surja Ahmed, Johannes Frick, Severin Hallauer

Laura Boser nutzt derzeit die Probebühne des Theater Rampe. Sie studiert Figurentheater an der HMDK Stuttgart und entwickelt im Rahmen ihres Studiums eine Performance, in der sie mit Schaum arbeitet.

Die von Kapitolina Tcvetkova Plotnikov gebaute Schaummaschine ist Bühnenbild und Spielpartner*in – sie performt, steht im Rampenlicht und produziert jede Menge Schaum. Eine laute und poetische Suche mit Schaum, Licht und Musik nach Bildern, Assoziationen und Räumen.

Am 30. Mai ist dieses Kurzformat als Try-Out im Off-Programm des internationalen figuren.theater.festival in Erlangen zu sehen.

Premiere ist am 5. Oktober im FITZ Stuttgart.