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Kulturpolitik

Theater Rampe erhält den Theaterpreis des Bundes 2019

„Das Theater Rampe in Stuttgart verkörpert ein Stadttheater neuen Typs im besten Sinne.“

Zum dritten Mal wird 2019 der Theaterpreis des Bundes von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters am 27. Mai in Gera verliehen. Der mit 75.000 Euro dotierte Theaterpreis zeichnet auch in diesem Jahr vor allem kleinere und mittlere Häuser aus, die vor Ort gesellschaftlich wichtige Debatten anstoßen und das Leben der jeweiligen Stadtgesellschaften aktiv mitgestalten. Aus 119 Bewerbungen wählte die Fachjury elf Theater aus, darunter auch das Theater Rampe – als erstes Haus in Baden-Württemberg.

Laut Grütters brauchen diese Theater Mut zum künstlerischen Experiment: „Nicht selten müssen sie auch ihre künstlerische Freiheit verteidigen. Der Theaterpreis des Bundes, der als ‚Ermutigungspreis‘ gedacht ist, möchte diese Bühnen darin bestärken.“ Damit findet die Weiterentwicklung von zeitgenössischen Theaterformen und Produktionsweisen Anerkennung, für die die Rampe exemplarisch in der Region ist.

Die Auszeichnung für die Rampe begründet die Jury wie folgt:

„Ausgehend vom zeitgenössischen Autor*innentheater gelingt es dem Theater Rampe in Stuttgart, vielfältige Verbindungslinien herzustellen, zu staatlichen Theatern ebenso wie vor allem zur lokalen und überregionalen Szene der freien darstellenden Künste, für die es vitaler Impulsgeber ist. In wenigen Jahren entwickelte das Intendantinnen-Duo Marie Bues und Martina Grohmann und ihr Team das Theater zu einem überregional beachteten Produktionshaus für freies Theater aller Genres.

Zahlreiche Künstler*innen erarbeiten und präsentieren hier zeit- und gesellschaftskritische, experimentelle, ästhetisch fordernde Produktionen vom Sprechtheater über Performance bis zu Tanz- und interdisziplinären Projekten. In groß angelegten transdisziplinären Kooperationen, etwa mit Institutionen der bildenden Künste, und in Kollaboration mit diversen kommunalen Initiativen erzeugt die Rampe Wirkung weit über den Bühnenrand hinaus bis in die Mitte der Stadtgesellschaft.

Mit partizipativen Formaten schafft das Theater relevante Beiträge zu einer performativen Stadtentwicklung, vernetzt Künstler*innen und Publikum und ist Motor und Transmissionsmedium aktueller gesellschaftlicher Diskurse. Das Theater Rampe in Stuttgart verkörpert ein Stadttheater neuen Typs im besten Sinne.“

 

http://www.theaterrampe.de

http://www.kulturstaatsministerin.de

http://www.iti-germany.de

Kulturpolitik_KommentarVonFrauGolombek_290715_1Zwischenruf des Theaters mit Bezug auf den Kommentar in den Stuttgarter Nachrichten vom 29. Juli 2015:

Dass es geschickter Antragsrhetorik bedarf, als Künstler auf seine Kosten zu kommen und dann trotzdem Kunst zu machen, ist noch keine Kunst. Dass sich die Künstler von dem Karren, den ihnen politische Förderziele anhängen wollen, nicht gleich den Weg versperren lassen müssen, ist ihre Voraussetzung. Gerade der Karren der monströsen MONSTER TRUCKER befördert keine betuliche Soziokultur.

Kategorien normieren. Dagegen wehren sich Künstler mitunter. Die Normierungen der Normalität überschreiten und damit auszusetzen ist ihr Potential.

Eine weit verbreitete Normierung ist, Theater auf Schauspielkunst zu reduzieren. Die Ikone des virtuosen Schauspielers, den das Publikum als Star feiern kann, ihn mit Rosen kränzt und ihm Ehrenringe an die Finger hängt, mit Theater gleichzusetzen, ist sein Hirntod. Theater ist doch nicht zu reduzieren auf den „gut geölten Schauspielermuskel“, wie Jelinek ihn einmal wütend definiert hat, um der selbstzufriedenen Wiener Bürgerschaft den Schrecken wieder einzujagen. Die andere Reduktion findet statt, wenn alles, was mit Bürgerbeteiligung zusammenhängt, gleichgesetzt wird mit einem moralischen Zeigefinger oder „Erziehung zur Mitmachgesellschaft“. Wer die Arbeit von MONSTER TRUCK gesehen hat und sich damit konfrontiert, weiß, dass der Ansatz dieser Gruppe es ist, Normierungen, Klischees, schnelle moralische Wertungen so zu überhöhen, bis sie unbrauchbar und fragwürdig werden. Das als pädagogisch abzutun, ist mir zu kurz gefasst. Das ist vor allem eines: der Versuch mit plakativer Symbolpolitik spielend den nervenden Nerv der Komplexität zu treffen. Ihn schmerzend austreten zu lassen aus diesem schmucken Gehäuse, das sich Theater nennt.

Was die freie Szene tun soll oder nicht, weiß ich nicht. Es gibt keine guten oder schlechten, keine förderungswürdigen oder -unwürdigen Theatermittel, Kunstformen an sich. Ist immer alles nur eine Frage, wofür und wie sie eingesetzt, kontextualisiert und auf den Punkt gebracht werden. Eines gegen das andere auszuspielen, führt nur in die Bequemlichkeit einer festgegossenen Form zurück und erinnert an längst vergangene Zeiten, als auf den Bühnen Regie gegen Schauspiel spielte oder Regie gegen Autor oder Schauspiel gegen Autor. Oder Kunst gegen Publikum. Aber diese Konflikte sind doch nicht die, die unsere Zeit auszufechten erfordert, finde ich!

Martina Grohmann