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Kulturpolitik

Arbeit – welche Arbeit?

Vom 13. – 15. Oktober betritt das Institut für künstlerische Post-Migrationsforschung mit die aktivistische Bühne und macht Perspektiven sicht- und hörbar, die im Theater oft ausgeschlossen werden: Im TRIBUNAL DER ARBEIT verhandelt die Künstlerin Ülkü Süngün mit ihren Gästen illegale und illegitime Arbeit in Deutschland – und lädt das Stuttgarter Publikum als Zeug*innen ein. Den Auftakt bilden ein Vortrag sowie eine Gesprächsrunde.

Am Samstag, 15. Oktober, verhandelt das Tribunal illegale, illegitime, un- oder unterbezahlte Arbeit in Deutschland, die oft von Arbeitsmigrant*innen oder Geflüchteten verrichtet wird. Eingeladen sind Madgermanes, „Mall of Shame“-Demonstrantinnen, refugees4refugees-Aktivist*innen sowie Pflegekräfte und Erntehelfer*innen. Selbstorganisationen berichten über historische aber auch aktuelle Kämpfe von Arbeiter*innen, die sich gegen diese politisch ermöglichte Ausbeute wehren und notfalls vor Gericht klagen.

Arbeit – welche Arbeit? Eine Perspektive from below | Vortrag von Ellen Bareis am 13.Oktober 2022, 18:00 – 19:30

Was als Arbeit gesellschaftlich wahrgenommen wird, was mit diesem Begriff erfasst wird, erweist sich historisch und ethnographisch als sehr unterschiedlich, ist rechtlich meist jedoch sehr ordentlich kodiert. In der Gesellschaft, in der wir heute leben, setzen wir „Arbeit“ mit bezahlter Arbeit gleich, also mit Lohnarbeit oder Erwerbsarbeit.

Dazu zählen aber auch alle „atypischen Lohnarbeitsverhältnisse“, die rechtlich eher schwach abgesichert sind. Nicht nur prekäre Beschäftigung, sondern auch Zwischenverträge und Lockangebote, Abzocke und inhumane Unterbringung auf „Montage“.

Der Ansatz from below geht davon aus, dass Arbeit der Modus ist, in dem wir Gesellschaft hervorbringen: die Produktion von Gesellschaft from below.

Uns interessiert analytisch, wie „Arbeit“ so kolonialisiert werden konnte, dass Care-Arbeit, Beziehungsarbeit, Klimaarbeit, Gesellschaftsarbeit so unter Rechtfertigungsdruck geraten sind, dass sie nur noch unter „gesellschaftlichem Engagement“ verhandelt werden. Ist „Fridays for future“ Arbeit oder Engagement? Außer ich habe einen bezahlten Job in einer NGO?

Und noch mehr: Wenn diese Tätigkeiten als „Engagement“ und nicht als Arbeit verstanden werden: Was heißt das für all die Arbeit im Alltag, um überhaupt ein Leben organisieren zu können? Sei es auf der Flucht, in der Armut oder in einer privilegierten Situation. Kurz: Mit welcher Arbeit gestalten wir Gesellschaft und ihre Zukunft?

Ellen Bareis, Dr. phil., Professorin mit dem Schwerpunkt „Gesellschaftliche Ausschließung und Partizipation“ und Soziologie an der Hochschule Ludwigshafen, deren Vizepräsidentin sie auch ist. Sie studierte Gesellschaftswissenschaften in Frankfurt/M; promovierte in Frankfurt/M. über Konflikte, alltägliche Nutzung und Kontrolle in urbanen Shoppingmalls. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Alltag und soziale Kämpfe, die Produktion des Sozialen from below und Transformationen des Städtischen sowie Organisationsforschung, (Nicht-) Nutzungsforschung.


Beratung und Bildungsarbeit im Spannungsfeld von Gewalt und Solidarität

Vom 13. – 15. Oktober betritt das Institut für künstlerische Post-Migrationsforschung mit die aktivistische Bühne und macht Perspektiven sicht- und hörbar, die im Theater oft ausgeschlossen werden: Im TRIBUNAL DER ARBEIT verhandelt die Künstlerin Ülkü Süngün mit ihren Gästen illegale und illegitime Arbeit in Deutschland – und lädt das Stuttgarter Publikum als Zeug*innen ein. Den Auftakt bilden ein Vortrag sowie eine Gesprächsrunde.

Am Samstag, 15. Oktober, verhandelt das Tribunal illegale, illegitime, un- oder unterbezahlte Arbeit in Deutschland, die oft von Arbeitsmigrant*innen oder Geflüchteten verrichtet wird. Eingeladen sind Madgermanes, „Mall of Shame“-Demonstrantinnen, refugees4refugees-Aktivist*innen sowie Pflegekräfte und Erntehelfer*innen. Selbstorganisationen berichten über historische aber auch aktuelle Kämpfe von Arbeiter*innen, die sich gegen diese politisch ermöglichte Ausbeute wehren und notfalls vor Gericht klagen.

Beratung und Bildungsarbeit im Spannungsfeld von Gewalt und Solidarität | Gespräch mit Gergana Mineva und Rubia Salgado sowie Annita Kalpaka am 14. Oktober 2022, 15:00  – 19:00
Ausgehend von ihrer Beschäftigung im Feld der Bildungs- und Beratungsarbeit mit migrierten und geflüchteten Frauen* sehen sie sich mit vielen Fragen konfrontiert, die sie im Rahmen dieser Gesprächsrunde gemeinsam diskutieren wollen:

 Vor welche Herausforderungen sind wir gestellt? Welches Verständnis von Professionalität und Aktivismus in der Bildungs- und Beratungsarbeit teilen wir? Welche Widersprüche ergeben sich durch die
 Erwartungen und Aufträge an uns durch Fördergeber*innen und staatliche Instanzen aber auch durch die Adressat*innen und wie können wir mit ihnen umgehen? Inwieweit sind wir in unserer Tätigkeit selbst Teil von den herrschenden Gewalt-, Ausbeutungs- und Machtverhältnissen und reproduzieren diese? Und wie könnte eine widerständige Beratungs- und Bildungspraxis aussehen, die weniger systemstabilisierend, sondern kritisch, feministisch, antirassistisch, dekonstruierend und solidarisch ist?

 Die Veranstaltung soll einen Rahmen bieten, um sich im Geflecht von (postkolonialen, rassistischen und epistemischen) Macht-, Gewalt- und Ausbeutungsverhältnissen mit der eigenen Rolle als Pädagog*innen und Berater*innen/Sozialarbeiter*innen auseinanderzusetzen.

 Gergana Mineva und Rubia Salgado (das kollektiv / maiz) das kollektiv ist eine Organisation von und für Migrant*innen in Linz/Oberösterreich; es ist ein Ort der kritischen Bildungsarbeit, des Austausches, des Widerspruchs und der gemeinschaftlichen Gestaltung. Wir sind u.a. in der Erwachsenenbildung mit migrierten und geflüchteten Frauen* tätig, die am wenigsten über Privilegien verfügen. In das kollektiv wird seit 2015 die Bildungsarbeit von maiz fortgeführt.

Annita Kalpaka, Prof. i. R. an der HAW Hamburg, in den 1980er- und 1990er-Jahren aktivistisch tätig in antirassistischen und migrantisch-feministischen Frauenbewegungen und bei dem Aufbau gemeinwesenorientierter Stadtteilzentren und Antidiskriminierungsbüros in Hamburg. Zu ihren Schwerpunkten gehören u. a. Migrations- und Rassismusforschung, Rassismustheorien, Subjekttheorien, Lerntheorien vom Subjektstandpunkt, politische Bildungsarbeit, subjektbezogene Konzepte der Erwachsenenbildung.

Wir gehen bald.

Was wollen wir hinterlassen?

Was kommt dann?

Bleibt alles beim Alten?

Oder was sortiert sich neu?
Wer sortiert was neu?

Der Leitungswechsel am Theater Rampe 2023 steht an. Aus zwei rassismuskritischen Workshops in den vergangenen 15 Monaten entstand der Wunsch des Rampe-Teams nach einer langfristigen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, Rassismus, Klassismus und generellen Öffnungsprozessen.

Das betrifft auch die Frage nach Leitungsmodellen (und den vorausgegangenen Entscheidungsprozessen). Wir haben uns entschieden, den anstehenden Leitungswechsel als offenen, transparenten Modellprozess zu gestalten, um gemeinsam zu lernen, Wissen zu generieren und dieses auch weiterzugeben. Ein Beitrag zur Debatte. Ein Experiment zur gesellschaftlichen Veränderung.

Gemeinsam mit der Prozessbegleiterin Handan Kaymak arbeiten wir seit April 2021 für die verbleibenden zwei Jahre an den genannten Themen. Zu Beginn geht es darum, ein grundsätzliches Verständnis dafür zu bekommen, dass wir alle Teil eines Systems sind, das auf Ausschluss aufgebaut ist, und alles dafür tut, sich selbst zu erhalten und zu reproduzieren.

Wir, das ist die Arbeitsgruppe „Rampe23“, bestehend aus drei Personen aus dem Rampe-Team: Anna Bakinovskaia, Paula Kohlmann und Kathrin Stärk. Unsere Erfahrungen aus dem Prozess teilen wir mit unseren Kolleg:innen und der Theaterleitung. Darüber hinaus wollen wir die Öffentlichkeit einladen und einbinden, Teil dieser Veränderung zu werden.

Öffnung passiert nicht aus neutralen Räumen heraus. Es geht uns darum, Neues auszuprobieren, gesellschaftliche Ungleichheiten hervorzuheben und Fragen zu Machtverteilung und Verhältnissen im Team und im eigenen Umfeld zu spiegeln. Die Gesellschaft wird zu dem, was wir leben und ruft Projektionen hervor. Die Frage der Verteilung von Macht und Strukturen in Verwaltungsabläufen wird sichtbar. Welche Rolle übernehme ich? Welche Privilegien bin ich bereit zu teilen, unter welchen Voraussetzungen?  

Von 21.-23. Oktober 2021 planen wir eine erste dreitägige Veranstaltung unter dem Titel „If you got it, give it“ mit öffentlichen Beratungen, Diskussionen, Workshops und mehr. Gemeinsam mit Publikum, Expert:innen und Gästen aus der Stadt diskutieren wir alternative Leitungsmodelle, gerechte Arbeitsstrukturen, sowie Teilhabe und Machtstrukturen in Kulturinstitutionen.

Wir wollen dafür Verantwortung übernehmen, dass andere sie bekommen.

Dies erfolgt bewusst offen und transparent, um Menschen zu ermutigen und zu aktivieren, Theaterleitung und Strukturen neu zu denken – und sich mit ihren Ideen und Konzepten zu bewerben. Welche Unterstützung brauchen bisher strukturell benachteiligte Personen und Gruppen, um sich perspektivisch auf eine neu ausgerichtete Ausschreibung bewerben zu können? Und natürlich die spannende Frage: Wann haben wir unsere Verantwortung erfüllt? 

Wir freuen uns über Resonanz, Rückmeldung, Fragen.

Schreibt uns!

Als Gründungsmitglieder:innen der Stadt der Frauen* in Esslingen (Theater Rampe, 2018) sind Paula Kohlmann, Sabrina Schray und die Matriarchale Volksküche seit 2019 im Gespräch mit dem Team des Atelierhauses „Condominio Cultural“ in São Paolo über die Idee einer Gründung der Cidade de mulheres* in São Paolo.

Die Pläne, das feministische Festival fortzuführen und als Plattform in Brasilien weiterzudenken, wurden durch die Covid19-Pandemie unterbrochen. Der Austausch und damit die Vorbereitungen für eine Cidade das mulheres* wurden Ende 2020 kurzerhand ins Virtuelle verlegt und sollen als Grundlage für einen realen Austausch 2022 dienen.

Zum Auftakt trifft das Condô Cultural auf die Matriarchale Volksküche, eine Künstler:innen-Gruppe aus Stuttgart. Gemeinsam skypen und filmten sie sich bei einer transatlantischen Kochsession zwischen São Paulo und Stuttgart inmitten der Pandemie. In einer Zeit, in der gemeinsames Essen selten und riskant geworden ist, bringen sich die beiden Kollektive gegenseitig ein traditionelles Gericht aus der jeweiligen Region bei. Auf dem Speiseplan: brasilianische Pamonha und deutsche Kartoffelpuffer. Während viele köstliche Texturen von dampfenden Pasten in die Kamera gehalten werden, tauschen die Köch:innen Wissen, Klatsch und Rituale rund ums Essen aus und lernen, sich an die unterschiedlichen Verfügbarkeiten von Zutaten und Werkzeugen anzupassen und zu improvisieren.

Video und Rezepte Pamonha und Kartoffelpuffer mit Apfelmus: https://condo.org.br/en/city-of-women/

Das Condôminio Cultural – ein Gemeinschaftszentrum und Atelierhaus in der ehemaligen Favela Vila Anglo Brasileira in São Paulo arbeitet seit mehreren Jahren in einem mehrheitlich femininen Zusammenschluss von Künstler:innen an einer gemeinschaftlichen Überlebensstrategie aber auch zusammen mit der Nachbarschaft, die sich als Drogenumschlagplatz von Gewalt bedroht sieht. Angesichts der globalen Krise, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, startete das Condô im März 2020 eine Reihe von Nothilfemaßnahmen aus Solidarität mit den Nachbar:innen und Communities, die für Aktionen von Regierung und größeren Organisationen unerreichbar sind, wie z. B. Obdachlose und indigene Communities. 

Die Matriarchale Volksküche wurde im Rahmen der Stadt der Frauen in Esslingen von Surja Ahmed, Sabrina Schray, Kristina Fritz, Marcela Majchrzak und Jessica Lipp gegründet. Seit 2018 realisieren sie verschiedene Küchen-, Dinner- und Diskurs-Situationen, in denen die Gäste beim gemeinsamen Kochen und Essen diskutieren über die ökonomischen, sozialen und politischen Dimensionen von Lebensmittelverteilung, Essenszubereitung und unsichtbarer Care-Arbeit.

Danke für die finanzielle Unterstützung an das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

„WIR SIND GERETTET,
ABER NICHT BEFREIT.“
(NORBERT WOLLHEIM)

Am 8. Mai 2021 – anlässlich des Kriegsendes vor 72 Jahren – rufen DIE VIELEN Baden-Württemberg zum Putzen von Stolpersteinen auf. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg.

Dieser Tag soll als Gedenktag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung in jeglicher Form stehen. Unter Beachtung der Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen sollen an diesem Gedenktag die Stolpersteine gereinigt werden, um deren Inschriften wieder leserlich zu machen und so die Erinnerung an das Schicksal der Opfer aufrechtzuerhalten. Übernehmen wir gemeinsam die Verantwortung dafür, dass so etwas #niewieder geschieht.

Für die Reinigung der Stolpersteine benötigen Sie:
einen handelsüblichen Abwasch-Schwamm
ein Putzmittel für Metalloberflächen
einige Blätter Küchenkrepp

zusätzlich kann hilfreich sein:
ganz feine Stahlwolle (000 oder 0000) am besten aus dem Baumarkt
eine kleine Flasche mit Wasser
ein Lappen

Um die Steine zu reinigen, gehen Sie wie folgt vor:
Beseitigen Sie den groben Straßenschmutz mit dem Lappen oder einem Papiertuch
Mit dem Schwamm (Sie können ruhig die grobe Seite verwenden)
Reiben Sie den Stein mit dem Metallputzmittel ein und lassen dies einwirken
Nach der Einwirkzeit reinigen Sie den Stein durch kräftiges Reiben mit dem Schwamm
Danach wenn möglich mit Wasser abspülen und mit Lappen oder Papiertüchern trocknen
Wenn vorhanden, dann den absolut trockenen Stein mit der feinen Stahlwolle polieren
Jetzt sollte der Stein wieder glänzen

Eine Übersicht der Stolpersteine in Stuttgart gibt diese Website: www.stolpersteine-stuttgart.de

Im Juni 2020 haben wir, Akteur:innen und Institutionen im Bereich der Künste, die in Baden-Württemberg angesiedelt sind, uns zu einem offenen, unabhängigen und disziplinübergreifenden Bündnis für gerechte, diverse und inklusive Verhältnisse im Kunst- und Kulturbetrieb zusammengeschlossen: ein Bündnis, das auf regionaler, bundesweiter und transnationaler Ebene aktiv werden möchte, um einen systemischen Wandel herbeizuführen.

Was uns bewegt, sind die Sorge um die Zukunft der Künste sowie die Überzeugung, dass diese nur dann unabhängig bleiben, wenn sich die Strukturen und Bedingungen des Kunst- und Kulturbetriebs sowie für Kunst- und Kulturarbeiter:innen radikal verändern. Der Begriff „Kunst- und Kulturarbeiter:innen“ schließt für uns sämtliche im Bereich der Künste freischaffend oder angestellt Tätigen ein: von den Künstler:innen, Kurator:innen oder Dramaturg:innen bis hin zu Sicherheits- und Reinigungsdiensten.

Neben dem Anliegen, eine grundlegende Veränderung der bestehenden kulturpolitischen Strukturen und Förderpolitiken in Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung zu erreichen, ist es uns ebenso wichtig, unsere eigenen Arbeits-, Denk- und Entscheidungsweisen im Hinblick auf einen gerechten, diversen und inklusiven Kunst- und Kulturbetrieb auf den Prüfstand zu stellen.

Im Folgenden das erste ausführliche öffentliche Statement des Bündnisses für eine gerechte Kunst- und Kulturarbeit, Baden-Württemberg sowie die Liste der Erstunterzeichner:innen.

(Klick zum Vergrößern)

Vergangene Woche arbeitete die Cellistin Céline Papion im Rahmen ihrer #TAKECARERESIDENZ an ihrem Recherche-Projekt „Musik in Bewegung“. Seit Jahren entwickelt sie ihre Arbeit als Cellistin in Richtung “Neues Musiktheater”, hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. Hier ein kurzer Arbeitsbericht: “Welche Rolle spielt der Körper der Musikerinnen und Musiker auf der Bühne? Wie wird er in interdisziplinären Projekten thematisiert? Für diejenigen unter uns Musiker:innen, die sich auf Streifzüge in die Welt der “Sichtbaren Musik” begeben, die viel mehr erfordert als das, worin wir ausgebildet wurden, ist es an der Zeit, uns ernsthaft mit diesen neuen Formaten auseinanderzusetzen.

Wie werden wir gut darin (was auch immer das bedeuten mag), Körper auf der Bühne zu sein (faire corps)? Je mehr Musik-Akteur:innen sich im interdisziplinären Raum zwischen Theater, Tanz und Klangkunst niederlassen und sich die Einbeziehung von verkörperten und theatralischen Elementen in der neuen Musik normalisiert, desto intensiver sollten sich Musiker:innen mit Entwicklungsprozessen von Aufführungen befassen. Welche Erfahrungen oder Werkzeuge außerhalb der Musik kann ich in meinen eigenen Arbeitsprozess und meine eigene Ästhetik einfließen lassen? Finde ich überhaupt die Worte, um genau zu vermitteln, was ich hier entstehen lasse?”

Seit Jahren entwickelt Céline Papion ihre Arbeit als Cellistin in Richtung Neues Musiktheater hin zu einer eigenen performative Sprache basierend auf dem Prinzip der „sichtbaren Musik“. In der durch COVID eingeschränkten Situation, hat sie sich vorgenommen, mittels Recherche und Konzeptionsentwicklung ihre performative Praxis weiterzuentwickeln und sich konkret der Frage nach der Beziehung zwischen Körper und Komposition zu widmen.

Der Kern ihrer Recherche konzentrierte sich zunächst auf den Körper des ausführenden Musikers und der ausführenden Musikerin und seine:ihre Beziehung zum Instrument im Allgemeinen. Dafür hat sie sich auf viele Quellen aus Kunst, Musik, Soziologie und Philosophie gestützt und mittels eines selbst erstellten Fragebogens den Austausch mit anderen Künstler:innen gesucht. Die Informationen und Reflexionen flossen in ein Tagebuch ein.

Gleichzeitig ist sie auf verschiedenen Ebenen in die Praxis eingestiegen: z.B. im Bereich Tanztheater durch Improvisations-Sessions mit der Schauspielerin Franziska Schmitz und der Choreografin Eva Baumann, aber auch in der Zusammenarbeit mit der Komponistin Yiran Zhao. Gemeinsam arbeiten sie an einem Stück, das sich dem Körper der Cellistin UND dem Körper ihres Instruments widmet: “Journal de mes deux corps”. Ausgangsidee und Materialquelle ist das aus der Recherche entstandene theoretische sowie persönliche und sinnliche Tagebuch.

Mehr über die Recherche auf der Website der Künstlerin: www.celinepapion.net/faire-corps/


Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Der Fonds Darstellende Künste hat im Rahmen seines Programms #TAKETHAT ein Förder-Modul für Künstler*innen-Residenzen an Theaterhäusern eingerichtet, die im Bundesnetzwerk FLAUSEN+ organisiert sind. So kann auch das Theater Rampe 13 Künstler*innen aus seinem Umfeld diese #TAKECARERESIDENZ ermöglichen und begleiten.

Seit Anfang Dezember heißt es auf dem Marienplatz: „Suppe für alle“. Immer sonntags lädt die Bürgerstiftung Stuttgart in Kooperation mit dem Ensemble des VOLKS*THEATER RAMPE von 12 bis 13 Uhr zum Essen auf dem Marienplatz ein. Zur kostenlosen, warmen Suppe in Gläsern gibt es Gedichte oder Zeichnungen des VOLKS*THEATER-Ensembles to go!

Die Aktion knüpft an die jährliche Vesperkirche an, bei der Essen kostenlos oder für kleines Geld verteilt wird. So wird jedes Jahr ein Treffpunkt für viele verschiedene Menschen geschaffen und darüber hinaus Unterstützung für Bedürftige geleistet. Durch die Aktion sollen Stuttgarter*innen für die Situation von Menschen in prekären Lebenslagen sensibilisiert werden. Da die Essensausgabe auf diese Weise aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Winter nicht möglich war, ist die Essensverteilung mobil geworden und hat sich über die gesamte Stadt verteilt.

Das VOLKSTHEATER stieß auf die Aktion und beschloss, dass es auch am Marienplatz eine mobile Essensausgabe geben solle. Also wurde ein Wagen gestaltet, der nun jeden Sonntag zum Marienplatz gebracht wird. Verschiedene Mitglieder des Volkstheaters engagieren sich dabei – auch künstlerisch, indem sie zusätzlich zur Suppe auch selbstgeschriebene Texte und Gedichte to-go anbieten und sich manchmal zu spontanen künstlerischen Aktionen verleiten lassen. Damit sind sie jedoch nicht alleine – auch andere Helfer*innen steuern von Zeit zu Zeit eine Gesangseinlage bei.

Viele Helfer*innen begleiten diese Aktion: Der Eintopf im Glas wird im Januar gekocht vom Gasthaus Das Lehen und im Februar vom Da Loretta. Tatkräftig unterstützt wird die Aktion auch vom Verein Helfende Hände e.V., einer Initiative im Gebrüder Schmid Zentrum.

Seit Anfang November ist es wieder soweit: Die kulturelle Welt steht still. Grund ist der Beschluss der Bundesregierung zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus. Warum die pauschale Stilllegung des gesamten Kulturbereiches aufgrund der Corona-Krise problematisch ist, erklärt Dietrich Heißenbüttel im „Kontext“-Artikel „Absage an die Absage“ vom 04. November 2020.

Obwohl er auch kurz die Situation der Staatstheater umreißt, konzentriert sich Heißenbüttel darin hauptsächlich auf die freie Szene, die vom Lockdown am meisten betroffen ist und zeigt anhand des Fallbeispiels „Die empathische Stadt“, ein Programm der „Bewegung für radikale Empathie“ die daraus entstehenden Probleme auf. Auch die Intendantinnen des Theater Rampe, Martina Grohmann und Marie Bues kommen zu Wort.

https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/501/absage-an-die-absage-7102.html

Die Сorona-Krise hat uns alle gezwungen, unsere Beziehung zur Digitalisierung zu überdenken. Für einige ist es eine Frage des Überlebens, für andere eine Suche nach neuen Formen. Aber es ist klar, dass aufgrund der Corona-Krise eine rasante Digitalisierung des kulturellen Lebens notwendig sein wird.

Diese wichtigen Fragen waren Thema einer Veranstaltungkooperation von Europe Direct Stuttgart, Institut français Stuttgart, IZKT Universität Stuttgart und Literaturhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der französischen Kulturinstitute in Baden-Württemberg.

Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen haben in kleinen Videostatements ihre Meinung zur Situation mitgeteilt. Unsere Kollegin Anna Bakinovskaia hat diesen Beitrag über die ersten Monate im Lockdown produziert. Das Gespräch zu diesem Thema wurde mit zwei Gästen fortgesetzt: Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski und Emmanuel Suard, der als Verwaltungsleiter und Mitglied des Vorstands bei arte die Prozesse der Digitalisierung verantwortet.