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Am 12. Januar

um 18:00 Uhr

beziehen der Ernährungswissenschaftler Hans Konrad Biesalski (Uni Hohenheim) und der Autor, Regisseur und Performer Andreas Liebmann das Labor im Theater Rampe für vier Wochen.

Unter dem bei Flaubert entlehnten Motto

Comment avaient-ils fait pour vivre jusque-là?

forschen die beiden zu den Themen des dritten Kapitels von Bouvard & Pecuchet. Den Schweizer Liebmann und den Hessen Biesalski verbindet nicht nur die doppelte Leidenschaft für Kunst und Wissenschaft, beide sind Medizinersöhne – wie übrigens Gustave Flaubert auch.

Das dritte Kapitel führt von der Chemie über die Anatomie – als Opfer dient zuerst eine anatomische Puppe, später ein Hund, diverse Enten und andere – zur Medizin. Nach diversen kurzzeitigen Erfolgen und langfristigen Frustrationen als Quaksalber wenden sich Bouvard und Pecuchet ihrem eigenen Leib zu, und dabei vor allem dem, was in ihn reinkommt. Wie es sich für französische Forscher gehört, kulminiert die Sorge um sich selbst in einem ausgelassenen Diner. Nach dem Cafe liegen die beiden auf dem Rebhügel und betrachten die Sterne: „Solche Gedanken treiben einem den Hochmut aus.“

JP

Am

22.12.2013 um 18:00

präsentieren Baubotanik und Monster Truck ihre Arbeitsergebnisse der etwas über dreiwöchigen Zusammenarbeit.

Veranstaltungslink

Ausgehend vom 2. Kapitel aus Flauberts Roman, das den Themen Ackerbau, Landwirtschaft, Gartengestaltung und Lebensmittelverarbeitung gewidmet ist, forschten die beiden Kollektive aus Stuttgart und Berlin über die Eigenzeit der Botanik, extrem lange Performances, Fragilität und Unvorhersehbarkeit in der Architektur und der Kunst und über Gewalt und körperliche Versehrtheit von Pflanzen und Menschen. Was letztlich Gegenstand des öffentlichen Experiments sein wird, entzieht sich der Kenntnis des Kurators…

Es dürfte Wildwuchs werden.

 

Mit dem öffentlichen Experiment von Monsterbotanik verabschieden wir uns auch in die Weihnachtspause.

Weiter geht es erst am 12. Januar 2014, dann mit dem 3. Kapitel und Ernährungswissenschaftler HK Biesalski und Performer, Autor und Regisseur Andreas Liebmann.

JP

 

Heute fand das erste Treffen zwischen Andreas Liebmann und Hans Konrad Bieslaski für das dritte Kapitel von Bouvard & Pecuchet 3000 im Labor statt. Liebmann und Biesalski werde am 12. Januar 2014 in das Labor einziehen, das zurzeit von Monsterbotanik besetzt ist. Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass es nicht nur inhaltliche Übereinstimmungen zwischen den beiden gibt, sondern auch biografische: beide stammen aus berühmten Ärztefamilien - wie auch Gusatve Flaubert - beide spielen leidenschaftlich klassische Musik, beide haben von sich von ihrer professionellen Praxis aus für die jeweils andere Praxis der Kunst und der Wissenschaft geöffnet: Liebmann zum Beispiel in seiner Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Neurologen Benedict Volk-Orlowski (für die Performances Mein prähistorisches Hirn und Birthday) und Biesalski in der Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp beim Wissenschaftskolleg Berlin. Biesalski erzählte uns, dass er mit Bredekamp darüber gesprochen hat, dass bestimmte neuronale Reaktionen im Menschen beim Betrachten von Lebensmitteln  nur auftreten, wenn diese Lebensmittel in Farbe sind. Schwarzweiße Bilder lösen sie nicht aus. Bei Patienten mit Essstörungen werden diese Reaktionen beim Anblick von Lebensmitteln ebenfalls nicht ausgelöst, so als wären sie nur schwarzweiß.

Am Ende des Gespräch blieb für mich der Begriff der Empirie als ein zentraler Begriff auch für die ganze Reihe hängen: Empirie als das sinnlich erfahrbare, gegenüber der abstrakten Theorie. Bieslaski meint, dass es einen grundsätzlichen Verlust oder vielleicht eher ein sich entfernen der Wissenschaft von der Empirie gäbe. Vielleicht ein gesamtkulturelles Phänomen der Entfremdung und Virtualisierung? Künstlerische Praxis realisiert sich immer in der Konkretion, also in der Herstellung von Zuständen, Atmosphären oder Dingen. Kunst ist aber meines Erachtens nicht angewandte Wissenschaft, also etwa das Labor der ästhetischen oder kognitiven Theorie. Es geht nicht um das Beweisen der Theorie, sondern um die Erfahrung selbst.

Also Empirie - Für und Wieder - vielleicht taugt das als Leitfaden durch die zehn Kapitel. Biesalski und Liebmann haben jedenfalls eine ganze Reihe von Themen gefunden, zu denen im Januar zu forschen sich lohnen würde: Hunger, das selbstsüchtige Gehirn, Bauchgefühl (im doppelten Sinne) und Empirie, Verunsicherung und Nahrung als Feind...

Als Motto für das Labor vielleicht dann folgender Satz:

Wie hatten sie es nur fertiggebracht, bis jetzt zu leben? Comment avaient-ils fait pour vivre jusque-là?

JP

stilleben-mit-obst-und-weinglas

Diesen Satzanfang aus dem 2. Kapitel möchte ich als Motto für das zweite Labor vorschlagen.

Vor diesem Horizont von Wundern standen Bouvard und Pécuchet wie geblendet. So beschreibt Flaubert seine beiden Protagonisten nach der Lektüre von Boitards „Der Gartenarchitekt“. Pierre Boitard (1789 – 1859) war ein Naturwissenschaftler, und kein unbedeutender. Er klassifizierte den Tasmanischen Teufel neu – was auch immer das genau heißt. The unclassified tasmanian devil today:

Boitard war aber vorallem ein echter homme de lettres. Er schrieb einen Fantasybestseller „Paris avant les hommes“, also eine prähistorische Gruselgeschichte auf evolutionstheoretischem Sand seiner Zeit gebaut.

Und er gab botanische und gartenarchitektonische Zeitschriften heraus, zB. die „Revue progressive d’agriculture, de jardinage, d’économie rurale et domestique“. Die progressive Gartenzeitschrift! Das sollte man sich als Titel merken.

Ich vermute, dass Gartenarchitektur nicht wenig mit Staatsführung zu tun hatte. Einige bedeutende Vertreter der Botanik waren Politiker. So auch Adrien Étienne Pierre de Gasparin, Inneminister und Gartendirektor, den B&P ebenfalls in diesem Kapitel lesen. Der Garten als Bild der Welt und des Reichs. Die Ordnung der Dinge im Sinne des Größeren Ganzen.

Vor diesem Horizont von Wundern…
Diese Worte können aber auch als Bild für eine immer wiederkehrende Szene des Romans stehen. Nämlich die intellektuelle Ektase, der B&P immer wieder im Angesicht der Wissenschaft erliegen. Jedes Buch, das sie aufschlagen, lässt sie erschauern, jede Frage begeistert sie. Im ersten Kapitel heißt es verheißungsvoll:

Fern an einem Horizont, der täglich weiter wurde, gewahrten sie Dinge, die undeutlich waren und
wunderbar zugleich.

Das ist die Wissenschaft!

Am Sonntag sind die neuen heroischen Dilettanten in das Labor eingezogen: nur drei Wochen Zeit haben Sahar Rahimi, Ina Vera und Manuel Gerst (Monster Truck) und Hannes Schwertfeger und Oliver Storz (Bureau Baubotanik) um das Labor in einen blühenden Garten zu verwandeln. Beim Auftakt pflanzten sie erst mal zwei Bäume auf dem Doppelschreibtisch, die von Oliver miteinander verschraubt wurden. Damit erwächst unserem Labor auf dem aus Flauberts Roman entliehenen und von Cassidy and the Kid gebauten Doppelschreibtisch auch noch ein Doppelbaum. Was Malte Scholz und Rafael Capurro in ihrer historischen Spurensuche der Freundschaft nicht geschafft haben, nämlich eins zu werden, probieren die MONSTERBOTANIKER jetzt an den Pflanzen aus.

Nach der pflanzung

Bonne Chance!

JP