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Kapitel 2: Gartenpflege, Landschaftsbau, Einmachen und Konservieren

Pflanzenfund von Hannes Schwertfeger:
Die Alraune ist eine mythische Menschenpflanze, oder auch ein Pflanzenmensch, wie man will. Um 1300 glaubte man sie mit Hunden finden zu können. Mandrake heißt die Pflanze auf englisch, etwa bei Shakespeare, was etwas offensichtlicher ist. Im Mittelalter glaubte man, sie wächst unter Galgen und zwar aus dem Sperma und Blut von Gehängten. Wie kommt das Sperma der Gehängten in den Bode, wäre so eine Frage. Fakt ist jedenfalls, dass sie sehr ungenießbar bis giftig ist. Wikipedia schreibt: „Die Wurzeln der Alraunen sind fleischige, dicke Pfahlwurzeln, die oftmals gegabelt sind und dadurch nicht selten einer menschlichen Gestalt ähneln.“

http://de.wikipedia.org/wiki/Alraune_(Kulturgeschichte)

sieht nett aus:

JP

 

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Diesen Satzanfang aus dem 2. Kapitel möchte ich als Motto für das zweite Labor vorschlagen.

Vor diesem Horizont von Wundern standen Bouvard und Pécuchet wie geblendet. So beschreibt Flaubert seine beiden Protagonisten nach der Lektüre von Boitards „Der Gartenarchitekt“. Pierre Boitard (1789 – 1859) war ein Naturwissenschaftler, und kein unbedeutender. Er klassifizierte den Tasmanischen Teufel neu – was auch immer das genau heißt. The unclassified tasmanian devil today:

Boitard war aber vorallem ein echter homme de lettres. Er schrieb einen Fantasybestseller „Paris avant les hommes“, also eine prähistorische Gruselgeschichte auf evolutionstheoretischem Sand seiner Zeit gebaut.

Und er gab botanische und gartenarchitektonische Zeitschriften heraus, zB. die „Revue progressive d’agriculture, de jardinage, d’économie rurale et domestique“. Die progressive Gartenzeitschrift! Das sollte man sich als Titel merken.

Ich vermute, dass Gartenarchitektur nicht wenig mit Staatsführung zu tun hatte. Einige bedeutende Vertreter der Botanik waren Politiker. So auch Adrien Étienne Pierre de Gasparin, Inneminister und Gartendirektor, den B&P ebenfalls in diesem Kapitel lesen. Der Garten als Bild der Welt und des Reichs. Die Ordnung der Dinge im Sinne des Größeren Ganzen.

Vor diesem Horizont von Wundern…
Diese Worte können aber auch als Bild für eine immer wiederkehrende Szene des Romans stehen. Nämlich die intellektuelle Ektase, der B&P immer wieder im Angesicht der Wissenschaft erliegen. Jedes Buch, das sie aufschlagen, lässt sie erschauern, jede Frage begeistert sie. Im ersten Kapitel heißt es verheißungsvoll:

Fern an einem Horizont, der täglich weiter wurde, gewahrten sie Dinge, die undeutlich waren und
wunderbar zugleich.

Das ist die Wissenschaft!

Am Sonntag sind die neuen heroischen Dilettanten in das Labor eingezogen: nur drei Wochen Zeit haben Sahar Rahimi, Ina Vera und Manuel Gerst (Monster Truck) und Hannes Schwertfeger und Oliver Storz (Bureau Baubotanik) um das Labor in einen blühenden Garten zu verwandeln. Beim Auftakt pflanzten sie erst mal zwei Bäume auf dem Doppelschreibtisch, die von Oliver miteinander verschraubt wurden. Damit erwächst unserem Labor auf dem aus Flauberts Roman entliehenen und von Cassidy and the Kid gebauten Doppelschreibtisch auch noch ein Doppelbaum. Was Malte Scholz und Rafael Capurro in ihrer historischen Spurensuche der Freundschaft nicht geschafft haben, nämlich eins zu werden, probieren die MONSTERBOTANIKER jetzt an den Pflanzen aus.

Nach der pflanzung

Bonne Chance!

JP