Offene Denkwerkstatt Volks*theater: Wie geht es weiter?

Foto: Nina Gühlstorff

Der vierte Tag des Volks*theaters, 28.06.2019 – Denkwerkstatt! Mit den vergangenen Abenden, Performances, Inputs, der Musik und zahlreichen Gesprächen als Basis, stehen Fragen im Raum:

Welche Offenheit benötigt ein Volks*theater? Ist eine Leitung notwendig? Oder sollte diese gezielt abgegeben werden? Wäre es fahrlässig, ein Volks*theater leiten zu wollen? Soll sich das entstandene Volks*theater alleine weiterentwickeln? Oder ist es eigentlich eine Inszenierung des Theater Rampe?

Wie schafft es Theater, keine Identitätspolitik zu verhandeln, sondern ein gesellschaftliches Miteinander zu erzeugen?

Was kann man aus dem Feedback aus der Recherchephase – Relevanz der Kostenfrage, zeitökonomische Priorisierungsnotwendigkeit, Vereinbarkeit von Familie & Theaterbesuch, ein Theater auf dem öffentlichen Platz – nun ein Volks*theater gestalten?

Wie schafft man den Übergang aus der Recherche-Phase zum Volks*theater-Ensemble? Wie kriegt man die immense Diversität der vergangenen Wochen überführt in einen für alle Seiten bereichernden, produktiven Austausch? Wie können Theaterlaien und Theaterprofis künftig miteinander arbeiten? Wie werden Expert*innen künftig definiert?

Wie kann eine hybride Theaterform erzeugt werden?

Welche Formate eignen sich?

Welcher Ort eignet sich für das Volks*theater?

Nach zahlreichen Gesprächen auf dem Marienplatz haben es letztlich nur Wenige zur Open-Space-Phase auf die Bühne geschafft – die meisten davon mit Theater- und Kunsterfahrung. Was bedeutet das für das Volks*theater?

Wie können die zahlreichen Möglichkeiten der Fortführung miteinander vereint werden? Wie vermeidet man bei Open-Stage-Abenden Willkür? Soll jemand ein Thema setzen und versuchen, möglichst viele unterschiedliche Beteiligte darunter zu fassen?

Haben wir die finanziellen Mittel, das Volks*theater weiterzuführen? Wollen wir das überhaupt?

Doch zunächst wird Positionierung erfordert: Ich bin das Volk! Wir sind das Volk! Theater muss authentisch sein! Theater muss zweckfrei sein! Theater ohne Publikum ist kein Theater! Theater muss politisch sein! Theater muss lustig sein! Theater muss kostenlos sein! Das Theater Rampe muss kostenlos sein (– die Intendanz stimmt zu)! Ich möchte selber gerne auf einer Bühne stehen! Ich fühle mich auf der Bühne des Staatstheaters Stuttgart repräsentiert! Ich fühle mich auf der Bühne des Theater Rampe repräsentiert! Ich glaube, dass Theater eine Emotion auslösen kann! Theater muss auf einer Bühne stattfinden! Gibt es ein Theater für alle? Ich weiß, warum so viele Leute nicht ins Theater gehen!
Das Publikum wird aufgelöst und steht plötzlich selbst auf der Bühne. Und bevor jemand mit seiner Antwort alleine dasteht, wechselt ein*e andere*r auch mal aus Solidarität die Seite.

Themensammlung für den Abend:

VOLK* – Theater für alle – Identität

Mobilität – Stadtentwicklung – Umweltschutz – Veränderung

Veränderung! – Was wollen wir bewahren? Was wollen wir verändern?

Was ist die Ressource Theater?

Demokratie – Effizienz von demokratischen Prozessen? In welchen Strukturen wollen wir Theater machen?

Welt ohne Geld – von Marktorientierung zu Bedürfnisorientierung

Theater im Theater? Theater im öffentlichen Raum?

Zeit

Schuld

Ermächtigung + Handlungsfähigkeit

Zugänglichkeit

Verteilung

Und schließlich: Präsentation!

VERTEILUNG & ZUGÄNGLICHKEIT

Unter den Stichworten Verteilung und Zugänglichkeit wird vom Theater der Zukunft sinniert: Es gäbe kein Geld mehr, das Theater wäre gemeinsames Eigentum, Güter sowie Aufgaben würden im Kollektiv verteilt, die Zugänglichkeit gesichert! Dies führte zu Ermächtigung, Handlungsfähigkeit, Mitbestimmung.

Auf das Theater von heute übertragen, steht fest: Das Publikum muss eingeladen werden, mitzuentscheiden, mitzustimmen, Teil zu sein. Häufige Teilhabe führt zu Selbstermächtigung, häufiges Tun führt zu mehr Handlungsfähigkeit.

Eine weitere Idee: Durch die Einladung zum gemeinsamen Essen (Ressourcenteilung – Verteilung im Kollektiv) wird die Schwelle zum Theater niedrig angesetzt. Geteilte Ressourcen: begonnen beim Essen werden schließlich Gedanken geteilt.

„DAS THEATER ALS MODELL FÜR EINE GESELLSCHAFTLICHE STRUKTUR“

(Teilhabe am) Theater und (Teilhabe an der) Gesellschaft bedingen sich gegenseitig.

 

VERÄNDERUNG

Die Frage nach Veränderung ist verbunden mit der Frage nach dem Leidensdruck: Wie viel muss passieren, wie schlecht muss es einem gehen, damit Veränderung möglich ist? Wann ist das Maß voll? Wo liegt die Schmerzgrenze? Und warum gelten jene, die Veränderung wollen oder fordern oft als Spinner oder bekommen den Stempel der Rückständigkeit aufgedrückt?

Für die Form des Theaters bedeutet das: Wer Veränderung anstoßen will, muss die Vorstellungskraft nähren. Denn wer Dinge verändern will, muss sich vorstellen können, was kommen könnte, was möglich wäre, wie es sein könnte danach.

Wie jedoch vermeidet man, belehrend zu wirken und behält gleichzeitig den Mut, zu belehren, da doch, wer verändern will, auch vermitteln muss?

Als Lösungen werden vorgeschlagen:

* Durch Rollenwechsel Offenheit erzeugen.

* Durchlässigkeit der Themen innerhalb des Theaters

* Üben ! Also: Den Theaterabend dazu nutzen, um das Publikum etwas machen zu lassen, das es sonst noch nicht gemacht hat. Das Publikum erleben lassen. Es an Orte führen, an denen es noch nicht war. Barrieren einreißen!

* Austausch auf digitaler Ebene – E-Theater – Teilhabe durch Soziale Medien etc. – ein Online-Theaterstück – Austausch zwischen Menschen und Kulturen bspw. durch Digitales möglich machen – Internationalität – Reichweite

„NICHT DEN MUT VERLIEREN“

RESSOURCE THEATER

Wo ist unsere Bühne?

Im öffentlichen Raum. Sie ist bewegbar. Sie hängt auf keinen Fall an einem Auto. Sie ist unterwegs, mobil. Das Theater wird zu den Leuten gebracht!

Was findet auf der Bühne statt?

Die Bühne als Speakers Corner – jeder kann hingehen, sagen was er will, Ideen präsentieren und finden. Die Bühne ist eine für die Öffentlichkeit. Gleichzeitig nicht unbedingt Bühne nur für Kleinkunst. Ein Volks*theater nur vom Theater Rampe?

Außerdem wird auf der Bühne gelacht. Über Humorvolles bis Zynisches. Es ist ein Theater der Rückmeldung. Die Leute werden befragt, was sie gesehen haben. Ob ihnen gefallen hat, was sie gesehen haben. Ob es etwas zu ergänzen gibt. Was auf der Bühne stattfindet, zeichnet sich durch Prozesshaftigkeit aus. Eine stetige Verhandlung des Stoffes.

Wer steht auf der Bühne?

Auf keinen Fall nur Laien. Auch richtig gute Profis, die mit Laien interagieren. Heterogenität ist wichtig. Nicht nur bezüglich der Profession, auch bzgl. des Alters, der Herkunft etc.

Wer finanziert das?

Finanzierung muss sektorenübergreifend stattfinden! Das Theater muss dafür bezahlt werden, dass es auf die Straße geht und anderen dabei hilft, sich zu verändern. Das Geld sollte jedoch nicht nur aus öffentlicher Hand kommen. Auch die Wissenschaft muss finanzieren, dass Gesellschaft und Kunst zusammenkommen!

Außerdem:

Kunst / Theater ermöglicht gesellschaftliche Freiräume.

„DIE KUNST MUSS RAUS ZU DEN LEUTEN!“

DEMOKRATIE

Unserem demokratischen System fehlt es an einem Antagonisten, einem Counterpart. Ohne Antagonismus kommt es auf der anderen Seite zu Wildwuchs.

Deshalb die These: Das Theater kann neue Regeln für die Weiterentwicklung der Demokratie liefern. (Es wird der Bezug zum Theater der Antike als Schule der Demokratie gezogen.)

Regeln fürs Volks*theater – und die Demokratie:

* Transparenz!

* Das Theater muss raus aus den Bühnen. Schon allein, da der Bühnenraum immer auch undemokratisch ist als von Menschen geschaffen, die damit auch die Regeln für den Raum festgelegt haben – wer macht die Türen auf, wer das Licht aus?

* Vermittlungsarbeit / Zugänglichkeit

* Kultivierung des Zwischenrufs! Mitsprache durch Zwischenruf und Einspruch.

* Publikumsbeteiligung!

* Themen werden in der Gruppe ausgewählt, Themenfindung als demokratischer Prozess: Durch Aushandeln und Abstimmung. Oder durch ein Moment der rotierenden Entscheidung (Damit nicht immer nur die mehrheitsfähigen Themen auf der Agenda stehen.)

* Das Volks*theater kostet Eintritt – jedoch im Sinne eines Solidarpakts: Jeder gibt, so viel er kann. Die, die mehr haben, geben mehr, die, die wenig haben, geben nichts.

„THEATER ALS (MOBILES) VEHIKEL DER VERÄNDERUNG DER DEMOKRATIE“

– Theater als Tool, um eine Nachricht unter den Menschen zu verbreiten.

FROM US TO YOU!

Am Ende des Abends ist klar:
Es gibt den Wunsch nach weiteren Treffen und weitergehenden Workshops.
Aber es gibt schon viele Thesen – nun folgt der Versuch, das Ausprobieren.
Und es steht fest: Alles passt irgendwie zusammen, die Gedanken ähneln sich, die Themen und Bedürfnisse sind gleich.

Es sprachen und diskutierten:

Robert – Schauspieler. Martina – Theaterleitung. Muna – Workshopleitung, wird das Erarbeitete zusammenfassen und, im besten Fall, in Form bringen. Tomislav. Nina – Regisseurin, beschäftigt sich mit Öffnungsprozessen im Theater, ist zu Gast aus Weimar. Alexander – Künstler in Stuttgart. Florentine – interessierte Begleitung. Moritz – Bühnen- und Kostümbildstudent und Ausstattung beim Volks*theater. Efti – zufällige Begegnung vom Marienplatz mit der Neugier, was aus dem Volk*theater entstehen wird. Doro – unbeteiligte Neugierige. Conny – Sozialarbeiterin & Fahrlehrerin, interessiert sich für die Frage, ob Veränderungsprozesse von Räumen auch durch sowas wie das Volks*theater erzeugt werden. Leon. Kristin – New English American Theatre.

 

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