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Archiv für den Monat Juli 2015

s@p

Im Anschluss an den Playwalk geht es weiter in die Filmakademie. Dort präsentiert Prof. Volker Helzle (Projektleitung für Forschung und Entwicklung am Animationsinstitut) die mit Studierenden erarbeiteten Highlights aus dem Forschungslabor. Diese reichen von Gesichtserkennung bis zur Live-Animation von Figuren. Dabei geht es nicht nur um die optimale Nutzung neuer Medien in Film und Theater, sondern auch um Alltagshilfestellungen für Autisten. Helzles Team ist offenbar hoch motiviert und vielseitig begabt.

Prof. Friedrich Kirschner kommt später bei der Eröffnung der Roundtables ins Schwärmen über diese geschützte Laborsituation, in der an der Filmakademie ergebnisoffen geforscht wird. Eine absolute Notwendigkeit dafür sieht er auch an der Schnittstelle von Game und Theater.

An den Roundtables wird über verschiedene Formate von Theater und digitalen Medien diskutiert. Als Experten sind eingeladen Dr. Jörg Bochow, Prof. Sabiha Ghellal und Lea Schönfelder, Volker Helzle und Simon Spielmann, Evelyn Hribersek und Invisible Playground, die jeweils eines ihrer Projekte zur Diskussion stellen. Dabei ergeben sich unter anderem Fragen nach der politischen und historischen Relevanz von Games, sowie nach dem bedeutungsvollen Einsatz von Technik und den Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Games im öffentlichen Raum.

Jetzt muss die Diskussion eine Nacht ruhen, dann geht es weiter am zweiten Tag bei Stage@Play mit Case-Studies, den Namibia-Projekten und den Workshops.

BB

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s@p

Der Anfang ist gemacht! Für gute zehn Stunden sind die TeilnehmerInnen des Symposiums stage@play heute zusammen gekommen, um sich kennen zu lernen, zu spielen, zu diskutieren. Nach der Akkreditierung im Theatre Rampe nehmen uns Friedrich Kirschner (Professor für Digitale Medien in Berlin) und die SpielemacherInnen Invisible Playground mit nach Ludwigsburg, um den eigens konzipierten Playwalk zu starten. In drei verschiedenen Spielen erleben wir, wie der Stadtraum zur Plattform für ortsspezifische Spiele wird. Ausgestattet mit Headsets, über welche wir auf verschiedenen Kanälen Anweisungen empfangen, bewegt sich der ca. sechzigköpfige Trupp auf vielbesuchte öffentliche Plätze. Die SpielemacherInnen geben nur wenige Anweisungen, dann verwandelt sich ein Teil der Gruppe in Lemminge (mit grünen Perücken gekennzeichnet), die um ihr Leben spielen müssen, indem sie einer Kreidelinie folgen, auf der sich unterschiedliche Gefahren verbergen. Wer sich bei der Hitze lieber nicht so viel bewegt, bleibt im Schatten und diskutiert mit Friedrich Kirschner über die zu beobachtenden Vorgänge, über Kreativität und Sicherheit im Spiel. Weiter geht es auf dem Ludwigsburger Marktplatz, drei Gruppen fertigen Mini-Demonstrations-Installationen mit Zinnfiguren an und erwecken neben dem Interesse der vorübergehenden Passanten auch die Aufmerksamkeit der Polizei. Doch da ziehen wir schon weiter in eine Shopping-Mall: Spielplatz für das nächste Game.

Wir erspielen uns, wie alltägliche Räume durch Spielstrukturen neu gesehen und neu bewertet werden können. Es gab Irritationen im Raum, für uns Akteure und für Passanten. Im Nachgespräch am Abend berichten Invisible Playground, dass Vorbeigehende am ehesten in das Spiel einsteigen, wenn die Spielregeln von außen leicht erkennbar sind. Bei der Spielentwicklung braucht es neben dem organisatorischen Know-How, Flexibilität und Ideen, wie man mit Beschränkungen und Gefahren im öffentlichen Raum umgehen kann. Der Playwalk ermöglicht uns, auf der Grundlage einer gemeinsamen Erfahrung miteinander ins Gespräch zu kommen, betont Friedrich Kirschner. Ganz gleich, ob wir etwas gut oder schlecht bewerten, wir können darüber reden und eine gemeinsame Sprache für das Gesehene und Erlebte finden. Es ist die Möglichkeit, etwas auszuprobieren, auch mit der Option, zu scheitern, die uns heute nur selten gegeben wird.

SK

 

Wir stehen quasi im Foyer der folgenden drei Tage des Stage@Play Symposiums, warten bis sich endlich der Vorhang hebt und Gamedesigner mit Theatermachern und -wissenschaftlern um die Wette diskutieren, referrieren und neu kreiren. Auf die wichtigsten dieser Impulse reagierend und Informationen für die Nachwelt archivierend, bloggen wir die nächsten drei Tage zu Stage@Play. Wir sind Bastian Boß und Svenja Käshammer, Studiernde der ADK Ludwigsburg, und Kulturjournalistin Judith Engel. Uns erwarten Vorträge, Workshops, Theaterstücke und ein playwalk, aber was erwarten eigentlich wir?
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"Im Englischen heißt es „Play“, bei uns sagt man „Stück“. „Schauspiel“ taucht fast nur noch als Bezeichnung für die Theatersparte auf. Ums Spielen geht es im Theater trotzdem noch. Meistens wird jedoch für das Publikum gespielt und nicht mit ihm, das dadurch vom Zuschauer zum Akteur wachgerüttelt werden könnte. Die Formen wie letzteres ablaufen kann sind vielseitig, die Chancen, die sich daraus ergeben, groß.Ich bin gespannt darauf, bei Stage@Play wachgerüttelt zu werden, denn darum soll es doch im Theater gehen, oder nicht?"

(Bastian Boß, Student der Dramaturgie an der Akademie für Darstellende Kunst Ludwigsburg)

"Wenn man auf Reisen geht, an einen unbekannten Ort fährt, dann schmökert man vorher in diversen Reiseführern, um zu erfahren, was einen auf unbekanntem Terrain erwartet. Was, aber, wenn es sich um Orte handelt, für die es noch keine Reiseführer gibt? Was, wenn das, was es über diese Orte zu sagen gäbe, noch nicht gesagt werden kann, weil weder die Gesetze noch Strukturen, nach denen sich diese Orte gestalten, feststehen. Stage@Play erkundet drei Tage lang solche Zwischenorte, Zwischenräume und neue Formen zwischen Schauspiel und Computergame. ZuschauerInnen werden zu Akteuren und Grenzen zwischen Bühne und Publikum vielleicht aufgehoben oder aber mindestens verschoben.Wenn an diesen Überschneidungslinien in Workshops geforscht und in Vorträgen präzisiert wird, ist das für mich ganz ähnlich als würden schlaue Köpfe unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam an einer Art Reiseführer für diese neuen Spielformen und -räume schreiben." (Judith Engel, Kulturjournalistin)

"All the world's a stage. -  Dieses Shakespeare Zitat wird häufig angeführt, um auf das Theater des täglichen Lebens oder die lebensnahen Geschichten im Theater zu verweisen. Die meisten Assoziationen zum Theater sind in der sogenannten Guckkastenbühne verortet. Wenn die ganze Welt eine Bühne ist, können wir sie als solche nutzen? Welche Varianten des (Theater-) Spiels sind durch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Interaktiven Medien, Games und Animation denkbar? In den letzten Jahren haben sich verschiedene Formate etabliert, die die Welt als Spielort verwenden und mit virtuellen Welten zusammendenken. Ich bin gespannt, internationale VordenkerInnen auf diesem Gebiet kennen zu lernen und uns gemeinsam die Frage zu stellen, wie das play auf der stage zukünftig aussehen könnten, wenn wir neue Spielorte und -techniken miteinander in Berührung bringen." (Svenja Käshammer, Dramaturgiestudierende an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg)