Bouvard und Pecuchet – Der Roman – Was im zweiten Kapitel geschieht

Die beiden ehemaligen Kopisten Bouvard und Pecuchet sind auf ihrem neuerworbenen Landgut im Calvados eingetroffen. Voller Genugtuung und Tatendrang inspizieren sie am Morgen ihr Reich. Doch schon bald steht fest, dass auf den an einen Landwirt verpachteten Gütern einiges nicht zum Besten steht. Der Pächter wird rausgeworfen und unsere beiden heroischen Dilettanten machen sich an die Arbeit.

Garten, Felder, Hof – nach vier Jahren haben sie das Unternehmen heruntergewirtschaftet. Den beiden frischgebackenen Landwirten brennt die komplette Weizenernte ab und eine mühsam gezogene Obsternte wird vom Unwetter zerhagelt:

Welch ein Bild, als sie den Schaden besichtigten! Kirschen und Pflaumen bedeckten das Gras zwischen den schmelzenden Hagelkörnern. Die Passe-Colmar waren hin, ebenso die Bési-des-Vétérans und die Triomphes-de-Jordoigne. Kaum daß von den Äpfeln ein paar Bons-papas übriggeblieben waren – und zwölf ››Venusbusen«, die gesamte Pfirsichernte, rollten in den Wasserlachen neben den entwurzelten Buchsbäumen umher.“

Beinahe vier Jahre sind da bereits ins Land gegangen. Vier Jahre, in denen sie alles selbst und vor allem möglichst alles anders gemacht haben. Jetzt sind sie pleite. Was nun? Der Notar rät ihnen zum Verkauf, aber Bouvard und Pecuchet zögern.

Um die vom Unwetter zerstörten Flecken im Garten wieder herzurichten, wenden sie sich der Gartenarchitektur zu. Sie lesen die Klassiker der Gartenliteratur der Neuzeit – „La Maison Rustique“ von Charles Etienne, den Comte de Gasparin, Jules Rieffel, Pierre Boitard – und entflammen erneut, diesmal für die romantische, die schreckliche, die fantastische – „deren schönstes Beispiel man unlängst in einem Park in Württemberg bewundern konnte“ – die philosophische und melancholische Gartengestaltung. Auf ein Neues! Am Ende dieses Abenteuers laden sie die Honoratoren des Dorfes zum Diner und präsentieren ihr Wunderwerk. Doch die Inszenierung floppt.

Schließlich bleibt ihnen keine andere Wahl, als dem gleich zu Beginn mit Schimpf entlassenen Pächter wieder den Hof zur Bewirtschaftung zu überlassen. Übrigens zu einem deutlich günstigeren Pachtzins. Dafür müssen sie nicht verkaufen – noch nicht.

Ein letztes Ass haben sie noch im Ärmel: Sie kreieren und brauen einen Schnaps, wie ihn die Normandie noch nicht gesehen hat. Er heißt: Bouvarine. Vielleicht das uneheliche Kind von Flauberts Helden Bouvard und Madame Bovary…

 

JP

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