Erstes Treffen für Kapitel 3

Erstes Treffen für Kapitel 3

Heute fand das erste Treffen zwischen Andreas Liebmann und Hans Konrad Bieslaski für das dritte Kapitel von Bouvard & Pecuchet 3000 im Labor statt. Liebmann und Biesalski werde am 12. Januar 2014 in das Labor einziehen, das zurzeit von Monsterbotanik besetzt ist. Es hat sich sehr schnell gezeigt, dass es nicht nur inhaltliche Übereinstimmungen zwischen den beiden gibt, sondern auch biografische: beide stammen aus berühmten Ärztefamilien – wie auch Gusatve Flaubert – beide spielen leidenschaftlich klassische Musik, beide haben von sich von ihrer professionellen Praxis aus für die jeweils andere Praxis der Kunst und der Wissenschaft geöffnet: Liebmann zum Beispiel in seiner Zusammenarbeit mit dem verstorbenen Neurologen Benedict Volk-Orlowski (für die Performances Mein prähistorisches Hirn und Birthday) und Biesalski in der Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Horst Bredekamp beim Wissenschaftskolleg Berlin. Biesalski erzählte uns, dass er mit Bredekamp darüber gesprochen hat, dass bestimmte neuronale Reaktionen im Menschen beim Betrachten von Lebensmitteln  nur auftreten, wenn diese Lebensmittel in Farbe sind. Schwarzweiße Bilder lösen sie nicht aus. Bei Patienten mit Essstörungen werden diese Reaktionen beim Anblick von Lebensmitteln ebenfalls nicht ausgelöst, so als wären sie nur schwarzweiß.

Am Ende des Gespräch blieb für mich der Begriff der Empirie als ein zentraler Begriff auch für die ganze Reihe hängen: Empirie als das sinnlich erfahrbare, gegenüber der abstrakten Theorie. Bieslaski meint, dass es einen grundsätzlichen Verlust oder vielleicht eher ein sich entfernen der Wissenschaft von der Empirie gäbe. Vielleicht ein gesamtkulturelles Phänomen der Entfremdung und Virtualisierung? Künstlerische Praxis realisiert sich immer in der Konkretion, also in der Herstellung von Zuständen, Atmosphären oder Dingen. Kunst ist aber meines Erachtens nicht angewandte Wissenschaft, also etwa das Labor der ästhetischen oder kognitiven Theorie. Es geht nicht um das Beweisen der Theorie, sondern um die Erfahrung selbst.

Also Empirie – Für und Wieder – vielleicht taugt das als Leitfaden durch die zehn Kapitel. Biesalski und Liebmann haben jedenfalls eine ganze Reihe von Themen gefunden, zu denen im Januar zu forschen sich lohnen würde: Hunger, das selbstsüchtige Gehirn, Bauchgefühl (im doppelten Sinne) und Empirie, Verunsicherung und Nahrung als Feind…

Als Motto für das Labor vielleicht dann folgender Satz:

Wie hatten sie es nur fertiggebracht, bis jetzt zu leben? Comment avaient-ils fait pour vivre jusque-là?

JP

stilleben-mit-obst-und-weinglas

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